Trials Fusion (PC/PS4) im Test

von Ben Vollmann 06.05.2014

Der Name Trials Fusion mag sich zwar vordergründig auf eine Sportart beziehen, bei der es mit LKW, Motorrädern oder Fahrrädern schwierigstes Gelände zu überwinden gilt, wer aber das neueste Game des finnischen Entwicklers RedLynx anspielt, gewinnt schnell den Eindruck, dass sich der Titel eigentlich von „Trial and Error“ ableitet. Denn die mittlerweile zehn Teile umfassende Trials-Reihe steht für brutal hartes, physikbasiertes und Old-School-inspiriertes 2.5D-Gameplay – da stellt auch Trials Fusion keine Ausnahme dar.

Not Easy Rider

Das Spielprinzip der Trials-Games ist ebenso simpel wie komplex. Auf einem Motorrad sitzend gilt es, einen Hindernisparcours von links nach rechts zu durchfahren. Dabei erinnern nicht nur die zweidimensionalen Strecken an Old-School-Games wie Excitebike, auch der Schwierigkeitsgrad fühlt sich an, als wäre man mitten in den 1980er-Jahren. Das Ganze steuert sich trotz der hohen Komplexität eigentlich supersimpel: Der linke und rechte Trigger sind die Bremse/der Rückwärtsgang und das Gaspedal, während der linke Stick die Gewichtsverlagerung des Fahrers steuert. Durch die Kombination der wenigen Eingabemöglichkeiten mit der halsbrecherischen Streckenführung ergibt sich in der Praxis ein sehr forderndes, fast schon puzzleartiges Gameplay. Beim Bezwingen senkrechter Wände und beim Überwinden riesiger Abgründe müsst ihr unter Beweis stellen, dass ihr euer Bike zu hundert Prozent im Griff habt, sonst macht ihr intensive Bekanntschaft mit dem Respawn-Button, der euch nach jedem Fehlversuch fast augenblicklich zurück zu einem der freigiebig gesetzten Checkpoints bringt. Auch wenn das alles eher nach Frust und Arbeit als nach Vergnügen klingen mag, macht Trials wirklich Spaß und hat enormes Suchtpotential. Die knackige Steuerung entfaltet gemeinsam mit den schnellen Respawns eine „Ein Versuch geht noch“-Sogwirkung, wie sie im Buche steht, und die euch mehr als einmal verwundert darüber zurücklässt, wo bloß die letzte Stunde hin ist.

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Die Aufteilung des Karrieremodus in verschiedene Bewerbe, die ihr nach und nach freischaltet, indem ihr genug Medaillen sammelt, verleitet ähnlich stark zum Weitermachen wie die eng gesetzten Checkpoints. Auch abseits des Karrierepfads gibt es einiges zu tun: Der Multiplayer-Modus, der wieder mit von der Partie ist, eignet sich hervorragend für ein schnelles Match zwischendurch, im Tuning-Shop könnt ihr eure hartverdienten Punkte gegen optische Upgrades eures Bikes und eures Fahrers eintauschen, und der Streckeneditor bietet euch die Chance, Strecken für die Community zu basteln und versorgt euch nebenbei mit einem nie endendem Strom user-generierter Pisten. Obwohl es nur wenige Stunden dauert, den Hauptpart des Spiels durchzuspielen, ist Trials Fusion dank der zusätzlichen Spielmodi, Bonusaufgaben und oft unmenschlichen Anforderungen für Platin-Medals ein wahrer Zeitfresser.

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What’s new?

Im Grunde ist das alles aber ein alter Hut. Trials-kundige SpielerInnen werden sämtliche der aufgezählten Features schon aus den vorigen Teilen kennen und sich fragen, was Trials Fusion in puncto Neuerungen zu bieten hat. Die Antwort ist: Leider nicht wirklich viel. Ein brandneues Stuntsystem ist der wohl augenfälligste Neuzugang auf der Featureliste. Dabei setzt Trials ähnlich wie Skate eher auf Realismus, als auf „Over the Top“-Stuntfeuerwerke à la Tony Hawk. Anstatt Tastencombos in den Controller zu hämmern, gilt es, mit dem rechten Stick den Fahrer relativ zum Bike in Position zu bringen. So posiert ihr in klassischer Heldenpose auf dem Motorrad stehend, setzt euch auf den Lenker oder fliegt wie Superman neben dem Bike her. Sämtliche Tricks lassen sich natürlich mit den altbekannten Front- und Backflips kombinieren, was zu einer Unzahl von Kombinationsmöglichkeiten führt. Schade ist, dass das Stuntfeature nur in den wenigen dafür vorgesehenen Trickstrecken so richtig zur Geltung kommt. Auf den regulären Pisten könnt ihr zwar jederzeit Tricks vollführen, aber wirklichen Nutzen hat das keinen. Ganz im Gegenteil, ihr verliert so eher noch kostbare Zeit und macht es euch schwer, Sprünge sauber zu landen. Die zweite „große“ Neuerung in Trials Fusion sind Quads. Diese unterscheiden sich aber eigentlich nur minimal vom klassischen Dirtbike. Das höhere Gewicht und die größere Kraft der Vierräder hat zur Folge, dass sie sich wesentlich stabiler – und damit leichter – steuern. Selbst RedLynx scheint nicht sonderlich von den neuen Gefährten begeistert gewesen zu sein, denn ähnlich wie das Stunten kommen auch die Quads nur in homöopathischer Dosierung zum Einsatz.

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Been There, Done That

Ansonsten unterscheidet sich Trials Fusion fast nur durch Setting und Optik von seinen Vorgängern. Fusion spielt nämlich in der nahen Zukunft, was sich vor allem auf das Design der Strecken, Bikes und Fahrer auswirkt. Mechanisch gleicht das Game seinem Vorgänger fast wie ein Ei dem anderen, was per se ja nichts Schlechtes ist, wenn man ein Fan der Serie ist. Etwas absurd wird es aber, wenn einzelne Abschnitte oder gleich ganze Strecken sich wie ein Déjàvu spielen. Wenn man bestimmte Streckenteile im Vorgänger exzessiv gespielt hat, leiten einen die eigenen Muscle Memories öfter mal quasi per Autopilot durch die „neuen“ Herausforderungen. Wahrscheinlich betrifft das hauptsächlich eingefleischte Fans, aber gerade diese erwarten vom Sequel brandneues Streckenfutter. Zu schade, dass man sie auf den Streckeneditor vertrösten muss. Auch in technischer Hinsicht sollte man sich keinen Quantensprung erwarten. Trials Fusion sieht zwar gut aus und läuft flüssig, ist aber nicht gefeit vor gelegentlichen Pop-ups und Framerate-Einbrüchen.

Strange Love

Als Gesamtpaket betrachtet ist Trials Fusion sicher der bis jetzt beste Teil der Serie. Am Fehlen ernsthafter Innovationen mögen sich zwar die KritikerInnen stoßen, seinen Fans bietet Trials Fusion aber – mit kleinen Abstrichen – genau das, was sie wollen: mehr Trials. Da Fusion trotz aller Kritik das bisher featurereichste Trials ist, kann man es guten Gewissens auch Neulingen ans Herz legen, denn vor allem das mittlerweile bewährte Gameplay ist stark genug, um RedLynx auch nach einem mittelmäßigen Sprung schlechte Haltungsnoten zu ersparen.

Wertung: 8 Pixel

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[…] Ubisoft gab nun bekannt, dass das beliebte Plattform-Rennspiel Trials Fusion, das seit April 2014 für PC, PS4, Xbox One und Xbox 360 erhältlich ist, weltweit mehr als eine Million Mal verkauft wurde. Mehr über das Spiel erfahrt ihr in unserem Testbericht. […]

[…] Ubisoft gab nun bekannt, dass das beliebte Plattform-Rennspiel Trials Fusion, das seit April 2014 für PC, PS4, Xbox One und Xbox 360 erhältlich ist, weltweit mehr als eine Million Mal verkauft wurde. Mehr über das Spiel erfahrt ihr in unserem Testbericht. […]