Total War: Warhammer (PC) im Test

von Ben Vollmann 27.06.2016

Gleich mal vorweg: Total War: Warhammer ist mein erstes Total War Game. Ich bin zwar mit dem Warhammer-Franchise vertraut, aber auch eher mit der 40K-Variante des Tabletop-Urgesteins (Go Tau!). Dementsprechend ist meine Perspektive auf das Game, das auf mich aus jeder Pore den Geruch eines weiteren Eintrags in eine fan- und insiderorientierte, altehrwürdige Serie verströmt, die eines totalen Noobs. Zumindest weiß ich, was Orks, Vampire, Zwerge und Menschen sind.

Total Noob: The Beginning

Total War: Warhammer ist bei Weitem der zugänglichste Teil der Serie.

Eigentlich habe ich ziemliches Glück, denn Total War: Warhammer ist bei Weitem der zugänglichste Teil der Serie. Die Anzahl der Fraktionen ist überschaubar (wobei eingefleischte Fans des Warhammer-Universums wahrscheinlich einige Völker wie die Elfen, die Rattenmenschen oder die Echsenmenschen vermissen werden – man darf auf entsprechende DLCs hoffen) und die Spielmechaniken sind so aufgeräumt wie noch nie. Trotzdem fühlt man sich als Neuling ein wenig wie die besiegten Gegner – erschlagen. Das Tutorial erklärt zwar nach und nach die Grundzüge der zahlreichen ineinandergreifenden Systeme und Optionen, die euch das Game bietet, trotz dem Streamlining im Vergleich zu den Vorgängern solltet ihr euch aber auf eine ganze Menge an Management und Submenüs einstellen.

Pic1_Warhammer

Das Reich, in dem die Sonne nie aufgeht

Je dominanter eure Ausgangsposition ist, desto leichter könnt ihr eurem Widersacher auch eure Bedingungen aufzwingen.

Ein guter Teil der Kampagne findet auf der Weltkarte statt, wo die eigenen Städte und Armeen à la Heroes auf Might and Magic rundenbasiert verwaltet werden. Je nachdem für welche der vier Fraktionen ihr euch entscheidet, müsst ihr euch mit spezifischen Eigenheiten und Gegebenheiten arrangieren. Vampire müssen zum Beispiel erst das Umland korrumpieren, bevor sie ihre Krallen nach Nachbarprovinzen ausstrecken können. Die Aufgaben bzw. Quests, die euch das Spiel aufgibt, sind recht variantenreich: Nehmt eine bestimmte Stadt ein, sorgt für Ordnung in eurer Heimatstadt oder entscheidet, wie ihr mit einer Späheinheit der Feinde umgeht. Um das große Ziel, die Weltherrschaft, zu erreichen, müsst ihr nicht zwangsläufig kämpfen – auch Diplomatie hat einen Platz im rauen Warhammer-Universum. Je dominanter eure Ausgangsposition ist, desto leichter könnt ihr eurem Widersacher auch eure Bedingungen aufzwingen.

Wenn die hohe Kunst der Intrige nichts für euch ist, könnt ihr euch immer noch zurücklehnen und dabei zusehen, wie sich die Feinde gegenseitig aufreiben und zur gegebenen Zeit einfach die geschwächten Gewinner vernichten. Obwohl das Verwalten jedes noch so kleinen Aspektes eures Reiches teilweise exzessive Züge annimmt, macht es Spaß, sich mit den Skilltrees seiner Generäle, den Gebäuden der eingenommenen Städte und den Quests zu befassen. Extrem hilfreich ist auch, dass die Gegner-KI aufgebohrt wurde und ihr nun nicht mehr ewig warten müsst, bevor die KI die Züge aller  Feindfraktionen ausgeführt hat. Besonders zu Beginn der Kampagne, wo noch einiges an Völkern auf der Karte herumfleucht, ist diese Verbesserung spürbar. Insgesamt erinnert mich die Total Warhammer-Formel mangels Erfahrung mit den vorherigen Teilen sehr an Heroes of Might and Magic.

Pic3_Warhammer

Stein, Papier, Schere, Held, Magie

Wenn das jetzt ein wenig langweilig klingt, keine Sorge, denn mit der Ruhe, dem Politisieren und dem rundenbasierten Gameplay ist’s vorbei, sobald es auf das Schlachtfeld geht. Verwickelt ihr einen feindlichen General in ein Gefecht, könnt ihr dieses entweder automatisch abhandeln lassen (sinnvoll, wenn ihr extrem überlegen seid und Zeit sparen wollt) oder ihr übernehmt die totale Kontrolle über eure Einheiten und führt sie selbst zum Sieg. Ganz wie auf dem diplomatischen und herrschaftlichen Parkett hat auch auf dem Schlachtfeld jedes Volk seine Eigenheiten. So müssen meine Vampire beispielsweise gänzlich ohne Fernkämpfer auskommen. Dafür haben sie eine gute Auswahl an Flugviechern und können auf Skelette und Zombies zurückgreifen. Zwerge sind Meister der Kriegsmaschinen, müssen dafür aber ohne Kavallerie in den Kampf ziehen. Für das Imperium wiederum sind Pferde und Reiter ein Must-have, sie haben dafür keine sonderlich starken Infanterieeinheiten im Repertoire. Die Orks sind zahlreich, haben dafür mit Problemen zu kämpfen, die sich aus ihrer fragwürdigen Intelligenz ergeben. Am Schlachtfeld selbst gilt es dann, die jeweiligen Vorzüge der eigenen Armee möglichst gekonnt auszuspielen und dabei das Terrain und die Schwachstellen des Gegners auszunutzen. Eine Division Reiter, die im richtigen Moment den Hügel herunterprescht, hat schon so manchen Kampf umgedreht.

Zum ersten Mal hält auch Magie Einzug in die Total War-Reihe.

Apropos den Spieß umdrehen: Zum ersten Mal hält auch Magie Einzug in die Total War-Reihe. Zusammen mit den mächtigen Heldeneinheiten hat die schwarze Kunst das Potential, den Verlauf einer Schlacht entscheidend zu beeinflussen. Mit den verschiedenen Zaubern könnt ihr eure Einheiten heilen oder gehörigen Schaden bei den Feinden verursachen – immer vorausgesetzt, die arkanen Winde sind euch wohlgesinnt, denn diese bestimmen, wie viel Magie in der Luft liegt und wie oft eure Helden im Laufe der Schlacht ihre Sprüche murmeln können. Aber auch ohne Zauberstab sind die Helden in der Lage, gehörig auszuteilen. Ein einzelner General kann alleine ganze feindliche Einheiten auslöschen. Die Kehrseite der Medaille: Stirbt euer Befehlshaber, wirkt sich das negativ auf die Moral eurer Truppen aus.

Pic2_Warhammer

Wunderschöne Armeen – ganz ohne Anmalen

Technisch ist Total War: Warhammer wirklich beeindruckend. Während die Worldmap zwar ganz gut aussieht, gewinnt sie aber sicher keinen Schönheitswettbewerb. Ganz anders sieht es in den Schlachten aus: Bei aufgedrehten Grafikoptionen (fast alles auf Ultra und MSAA x2 schaffte meine GTX970 mit ausreichenden 30-40fps) muss man sich beherrschen, wegen der herrlich detaillierten Einheiten und ihrer Anzahl nicht aufs Kommandieren zu vergessen, weil man seinen Helden in der maximalen Zoomstufe beim Metzeln zusieht. Auch die Umgebungen passen sich großteils dem erstklassigen Niveau der Präsentation an, auch wenn es hier und da ein paar sumpfige Bodentexturen und einige eher langweilige Umgebungen gibt.

Fazit

Was Features und Modi betrifft, bekommt man ebenso einiges geboten. Neben dem obligaten Free Battle Modus, wo ihr einen Kampf ganz nach euren Wünschen ausfechten könnt, gibt es einen Multiplayer-Modus und eine Quest Battle-Modus, wo ihr im Rahmen einer kleinen Story Quests mit verschiedenen Helden bestreitet. Wem die Kampagne zu langwierig ist oder ihr eine kleine Pause vom Welterobern braucht, findet ihr in Total War: Warhammer genügend Optionen, um die Fantasy-Schlachten zu schlagen, von denen ihr schon immer geträumt habt. Neben der recht steilen Lernkurve, die Neueinsteiger trotz Tutorial stellenweise ein wenig überfordert, ist nur das Wegsperren der fünften Kampagne hinter der Pay/Preorder-Wall ein kleines Manko in einem ansonsten beeindruckenden Spiel. Eine gewisse Grundaffinität für fantastische und historische Schlachten und  Spaß am Verwalten eures Königreiches vorausgesetzt kann man Total War: Warhammer jedem PC-Gamer ans Herz legen.

Wertung: 8.5 Pixel

für Total War: Warhammer (PC) im Test
1 Kommentar
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments
Hans

Also, ich find das Super!