The Revenant – Der Rückkehrer (Blu-ray) im Test

von postbrawler 26.05.2016

Leonardo DiCaprio hat es im Laufe seiner Leinwand-Karriere auch schon deutlich weniger lang im eiskalten Wasser ausgehalten. Als Rückkehrer Hugh Glass kämpft, strampelt, beißt und jagt sich der gealterte Teenie-Star seinen Weg durch die amerikanischen Rockies des 19. Jahrhunderts direkt in die Herzen der Academy, und damit zu seinem ersten wohlverdienten Oscar. Ob der Film auch bei mir gut ankommt, lest ihr in meinem Review.

The Revenant - Der Rückkehrer blu ray

Facts

  • Regie: Alejandro González Iñárritu
  • Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio
  • Genre: Historien-Western-Thriller
  • Studio: 20th Century Fox

Die Handlung

Ein Trapper hat‘s nicht leicht. Gerade noch wurde ein Trupp der Rocky Mountain Fur Company von marodierenden Indianern empfindlich dezimiert und um seine Felle erleichtert. Da stolpert der Expeditionsleiter Hugh Glass, gespielt von Leo DiCaprio auch noch in die Fänge einer aufgebrachten Grizzlymama, die ihn halbtot beißt. Die Betonung liegt auf „halb“, denn der Kampf ums Überleben des eigentlich Todgeweihten ist Dreh- und Angelpunkt dieses brachial inszenierten Historiendramas, dass auf einer wahren Geschichte beruhen soll. Sein Regisseur mit dem unaussprechlichen Namen Iñárritu legt dabei großen Wert auf raue Stimmung, gewaltige Bilder und eine recht unverblümte Gewaltdarstellung.

Nicht Wenige lassen in den verschneiten Bergen des Wilden Westens ihr Leben, allen voran Glasses halbindianischer Sohn Hawk, dessen Tod zu rächen zur dogmatischen Motivation für den Überlebenskünstler wird. Über eine beachtliche Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden leiden wir ZuseherInnen dabei aus tiefstem Herzen mit, wenn der schwer verwundete Trapper im klirrend kalten Wasser vor Indianern flieht, sich den Kehlkopf mit Schießpulver zusammenflickt oder in einem ausgeweideten Pferdekadaver übernachtet.

Das Setting

The Revenant, zu Deutsch „Der Heimkehrer“ ist kein lustiger Film. Iñárritu zelebriert die zerrütteten Geschichten seiner ProtagonistInnen geradezu schonungslos, und lässt keinen Zweifel an seiner persönlichen Abrechnung mit dem weißen Mann, der nach Amerika kam, um das Land und dessen Reichtümer auf grausame Art und Weise zu beanspruchen. Oft wird der Ausdruck „Die Wilden“ verwendet, und doch fragt man sich als ZuseherIn unweigerlich, ob damit eigentlich die IndianerInnen gemeint sind, oder die fremden ErobererInnen, die mit ihren rauen Sitten und ihrer eindimensionalen Gesinnung die eigentlichen Bösewichte der Handlung sind. Wie VoyeurInnen lässt Iñárritu seine ZuseherInnen an dem Geschehen teilhaben. Er macht auch gar keinen Hehl aus der Anwesenheit der Kamera, auf deren Linse sich Schneeflocken, Bluttropfen oder gar der kondensierte Atem seiner SchauspielerInnen niederschlagen. Als Sinnbild für den Kampf Mensch gegen Natur bedient sich der Regisseur wiederholt der Metapher von Bäumen im Wind. „Ein starker Baum, der gut verwurzelt ist hält dem Sturm stand“, flüstert Glass seinem Sohn ins Ohr, und auch als er selbst verletzt am Boden liegt, versinnbildlichen die immer wieder ins Bild gerückten Baumwipfel über ihm die Hoffnung, den Willen zu überleben und die Stärke des menschlichen Geistes.

Extras

  • Aufbruch in eine unbekannte Welt – Die Hintergründe zum Film$
  • Bildergalerie

Fazit

Diese Metaphern und Traumsequenzen lassen uns Hugh Glass als naturverbundenen Ehrenmann, und liebevollen Vater erscheinen, und doch bleibt auch sein Charakter eindimensional und nur von Rache getrieben. Der Film bietet uns keine identifizierbare Bezugsperson, keine Heldenreise und kein Happy End. Am Ende bleiben die wunderschönen Landschaftsaufnahmen und toll choreografierte Szenen, die gänzlich ohne den Einsatz künstlicher Beleuchtung gedreht wurden. Weiters bleiben die hart an der persönlichen Schmerzgrenze schrammende Darstellung von Tod und Gewalt, sowie ein Oscar für Leonardo DiCaprio, den er sich eigentlich schon viel früher, und vielleicht für einen ganz anderen Film verdient hätte. Ich will hier keinesfalls die Qualität des Films herunterspielen – The Revenant ist ein packendes und mitreißendes Erlebnis, das dank seiner Bildgewalt und eigenwilligen Lichtstimmung ein ganz besonderes Gefühl bei den ZuseherInnen auslöst. Es ist nur kein besonders angenehmes Gefühl, sondern eher ein bedrückend nachdenkliches, vielleicht sogar angewidertes Gefühl. Ich hatte schon damals im Kino, und auch jetzt daheim vor dem Fernseher keinen Spaß daran, wer sich aber genau darauf einlässt, wird The Revenant lieben!

Wertung: 8.8 Pixel

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