The Order: 1886 (PS4) im Test

von Stefan Hohenwarter 19.02.2015

Der erste potenzielle PS4-Hardwareseller des Jahres finden morgen den Weg in den Handel und wir hatten die Möglichkeit The Order: 1886 schon vorab zu testen. Ob ich dem „das Spiel ist zu kurz“- bzw. „Grafikblender“-Shitstorm, der schon vor Release im Netz die Runde machte, beipflichte, erfahrt ihr in meinem Review.

Der Auftrag: 1886

Die zweite Hälfte des Namens leitet sich von der Zeitepoche ab, in der der PS4-Exklusivtitel angesiedelt ist. The Order: 1886 verschlägt euch dabei nach London – allerdings in einer alternative Zeitlinie, in der die Metropole mit Steampunk-Elementen angereichert wurde.

Kommen wir nun zum ersten Teil des Namens, für dessen Erklärung ich etwas weiter ausholen muss: Im Thirdperson-Shooter schlüpft ihr in die Rolle des Schnauzbartträgers Grayson, der den Codename Galahad trägt, und Mitglied eines uralten Ritterordens ist, der das Ziel verfolgt, übernatürliche Wesen zu jagen. Die „Men in Black“ oder „Ghostbusters“ von London folgen dem Auftrag der Königin und müssen sich im Jahr 1886 blutrünstigen Werwölfen gegenüberstellen. Doch das ist nicht das einzige Problem, denn eine aufkeimende Rebellion der Unterschicht gegen die Krone soll ebenfalls zurückgeschlagen werden. Ihr habt also alle Hände voll zu tun und so trifft es sich gut, das ihr nicht alleine auf diese Mission geschickt werdet: Er wird unter anderem vom noch nicht zum Ritter geschlagenen Kollegen Lafayette, der jedem Rockzipfel nachpfeift und der attraktiven Isabeau mit dem Codenamen Lady Igraine unterstützt. In den Akten des Ritterordens werden diese Vorkommnisse wohl als „The Order: 1886“ abgelegt und ich hoffe bzw. rechne mit weiteren Aufträgen an vielleicht anderen Orten oder zu anderen Zeiten.

„Gears of Werewolf“ oder „Order of Duty“?

Wenn das Setting doch etwas aus der Reihe tanzt, und mit einige interessanten Aspekten wie Nikola Tesla, der neue Gadgets und Gerätschaften für den Ritterordern herstellt sowie Werwölfen, die die BewohnerInnen von London bedrohen, überrascht, so linear ist das Leveldesign. Als würde uns jemand bei der Hand nehmen und durch die Levels führen, fühlt sich das Spiel an. Ihr habt wirklich keine Entscheidungsfreiheit, keine alternative Wege und nur im seltensten Fall die Möglichkeit vom vordefinierten Pfad, dem ihr wie ein Lemming folgen sollt, abzuweichen, um beispielsweise nach Munition oder ähnlichem zu suchen. Neben den Schlauchlevels, gegen die ich persönlich nichts habe, verlässt sich Entwickler Ready at Dawn auf altbewährte Kampfmechaniken von Deckungsshootern wie Gears of War. Aufgrund der geskripteten Passagen und dem Gameplay von Gears of War könnte man The Order: 1886 wohl am Besten als „Gears of Duty: Advanced Werewolf“ bezeichnen.

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Interaktiver Actionfilm

Das größte Plus ist meiner Meinung aber die Optik: Angefangen von einem herrlichen Weitblick sowie verwinkelten Gasse, den Gesichtsanimation und dem fließenden Übergang von Filmsequenzen, die schon in Richtung Fotorealismus gehen, hin zum eigentlichen Spiel wird einiges geboten. Letzteres wird besonders im Prolog eindrucksvoll gezeigt. Dazu kommt das toll eingeflechtete Steampunk-Setting, das wunderbar mit den kulturellen Bauwerken der Hauptstadt des Vereinten Königreichs harmoniert. Die Bewegungsmuster wirken überaus natürlich und die großteils düstere Atmosphäre unterstützt das Spiel wunderbar. Was bei der Grafik beginnt, wird beim Sound fortgeführt: Auch in Punkto Musik, Synchronisation und Geräuschkulisse gibt’s keinen Grund zum Meckern.  Einziges Manko ist hier der eingeschränkte Aktionsradius – nur zu gern hätte ich ein paar Seitengassen und/oder die Sehenswürdigkeiten in London erkundet.

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Zelda als Pin-up-Girl und Sackboy

Die EntwicklerInnen bei Ready at Dawn scheinen auch eine ordentliche Portion Humor zu haben, denn immer wieder im Spiel entdeckt man herrliche Anspielungen auf andere Spiele, wie zum Beispiel ein Bild von einem Pin-up-Girl in einem Etablissement, auf dessen Rückseite Zelda steht, oder der altbekannte Held aus der LitteBigPlanet-Reihe, der als Stofftier in einem Haus zu finden ist.

Zusammenfassung

Den Shitstorm über die zu kurze Spieldauer und das einseitige Deckungsshooter-Gameplay kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Zum einen wettern hier Leute, die das Spiel bislang noch nicht in den Händen hielten, sich aber trotzdem ein Urteil erlauben und zum anderen frage ich mich, was an dem Gameplay von Gears of War & Co. auszusetzen ist? Es ist doch wohl eher eine Geschmackssache, ob Schlauchlevels, eine dafür schön in Szene gesetzte Singleplayer-Kampagne und unzähle Feuergefechte mit Banditen, gepanzerten Widersachern und Werwölfen, einen zufrieden stellen oder nicht. Diesen Mix generell als schlecht abzutun, finde ich auf alle Fälle nicht fair. Auch die Spieldauer von 6-8 Stunden ist für mich kein Kritikpunkt, denn anstatt die Story mit sinnlosen Sammelquests oder dem Wiederbesuch von bereits besuchten Schauplätzen zu strecken, erlebe ihr hier eine auf dem Punkt gebrachte Geschichte. Im selben Atemzug muss ich jedoch sagen, dass ich mir in einer möglichen Fortsetzung der Reihe, für die ich mich ganz klar ausspreche, ich gern etwas mehr Backgroundstory zum Ritterorden sowie den Hauptcharakteren wünschen würde.

Die Optik, die Atmosphäre und die Eastereggs sind für mich die großen Pluspunkte des Spiels, während der geringe Aktionsradius und der meiner Meinung nicht vorhandene Wiederspielwert negativ ins Gewicht fallen. The Order: 1886 ist für alle PS4-SpielerInnen, die eine Kampagne Multiplayermodi vorziehen, ein toller Start ins Jahr 2015.

Wertung: 8.5 Pixel

für The Order: 1886 (PS4) im Test
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