Tethered (PS4) im Test: Einmal Gott sein

von Mandi 17.04.2017

Das Genre der Götterspiele scheint seit Peter Molyneux vorbei zu sein. Unvergessen sind Klassiker wie Populous und Black&White – mit Tethered versucht Secret Sorcery, Schwung in das Thema zu bringen. Ob Tethered das auch schafft, lest ihr hier im Review! Hier geht’s zur offiziellen Website.

Die Idee hinter Tethered

Ihr wollt Gott spielen? Dann könnt ihr euch in Tethered (fast) ausleben. Göttersimulationen geben euch prinzipiell das Gefühl, eine große Menge Macht steuern zu können. Ob es die Manipulation von Umgebungen ist (wie in Reus), ob es das Aufziehen und Erziehen von Avataren (wie in Black&White) ist: Ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt.

Natürlich hat aber jede Aktion eurerseits eine Reaktion zur Folge. Opfert ihr zu viele Gläubige, habt ihr niemanden mehr, der euch anbetet. Beginnt ihr Krieg mit einer Fraktion, habt ihr diesen zu Ende zu führen. Gott zu sein ist wahrlich nicht einfach. Daher besinnt sich Tethered auf die Grundprinzipien und wirft euch auf eine einsame Insel.

Auf dieser gilt es ausschließlich, euch um eure Peeps zu kümmern. Das sind die EinwohnerInnen der kleinen Idylle. Direkt vor eurer Nase plätschert ein Wasserfall vor sich hin, und dessen Ursprung schwebt unerreichbar hoch oben in der Luft. Ihr müsst eure BewohnerInnen versorgen, mit Aufgaben versehen und des Nachts beschützen. Klingt einfach? Legen wir los!

Eure ersten Schritte

Nachdem ihr euch mit der Steuerung vertraut gemacht habt, beginnt das Spiel so richtig. Mit dem Controller neigt ihr euren Blickwinkel, und eure Ansicht kann zwischen einzelnen Wolken hin- und her springen. Man merkt schnell, dass Tethered ureigentlich ein VR-Spiel ist, da die Kamera an sich statisch ist und sich abgesehen von eurer Neigung nicht bewegt.

Ein Ei fällt vom Himmel, und ihr zieht eine Wetterfunktion (die Sonne) darauf. Flugs ist das Ei ausgebrütet und ihr habt euren ersten Peep erhalten! Da Ressourcen zu den wichtigsten Dingen in Tethered gehören, lernt ihr am Beginn, wie ihr Steine abbaut, Holz hackt und Essen sammelt. Dazu blickt ihr auf den Peep, haltet die entsprechende Taste und blickt dann auf die Ressource.

Ein Band verbindet fortan Peep und Ressource, und ihr wisst immer, was die Aufgabe dieses Peeps ist. Bis ihr sie ändert, natürlich, denn schließlich seid ihr allmächtig. Hat ein Peep einmal keine Aufgabe, verzweifelt er zusehends. Das kann so weit gehen, dass es sich von der Klippe stürzt – das wollt ihr natürlich nicht, denn nur lebendige Arbeiter sind gute Arbeiter.

Wenn es Nacht wird…

Der Tag/Nacht-Zyklus ist ein weiteres großes Thema in Tethered. In der Finsternis kommen nämlich Feinde zum Vorschein, die es abzuwehren gilt. Eure Peeps sind zwar gute Allroundarbeiter, aber für das Beseitigen von Fieslingen braucht es Spezialkräfte. Gut, dass ihr mit den gesammelten Ressourcen Gebäude errichten und Upgrades erwerben könnt.

Mit diesen Upgrades lassen sich Peeps zu Fachkräften oder Helden aufstufen. Minenarbeiter-Peeps sind wenig überraschend viel effektiver in einer Mine, während Helden sich im Zweikampf auszeichnen. Je länger ihr überlebt und je mehr ihr baut, umso mehr Spirit Energy, also Geisteskraft taucht auf. Diese saugt ihr ein, um euren Totempfahl mit blauen Kugeln zu befüllen.

Je gefüllter euer Totem ist, umso saftiger und grüner wird eure Insel. Das Ziel ist es, den Totempfahl vollständig zu füllen und somit eure Insel komplett ergrünen zu lassen. Nach etwa 40 Minuten im Schnitt habt ihr eine Insel geschafft, und alles in allem liefert euch Tethered knapp zehn Stunden Spielzeit. Dreizehn Inseln wollen begrünt werden, dann habt ihr alles gesehen, was das Game bietet.

Die größten Herausforderungen

Strategisch habt ihr euch nach der dritten oder vierten Insel schon an alle Abläufe gewöhnt. Allerdings gibt es auch Schwächen in Tethered, was größtenteils der Steuerung zuzuschreiben ist. Im Kampf visieren nämlich Peeps immer den nächsten Feind an, das gilt aber auch umgekehrt. Seid ihr zu langsam, um einen Peep in Sicherheit zu bringen, beharken sich die beiden bis zum Tode.

Das kann schon mal lästig werden, wenn ihr zwei, drei Helden-Peeps zur Verteidigung eilen lässt, aber dann doch der Dorfbewohner die Hacke in die Hand nimmt und heroisch in die ewigen Jagdgründe eingeht. Die Peeps lassen sich dann nämlich nicht stoppen, und frei nach dem Motto „lieber tot als feige“ könnt ihr dann nur zusehen, wie der Kampf schiefgeht. Wie schon gesagt: Gott sein ist nicht einfach.

Eine weitere Herausforderung ist es, dass ihr eure eigene Motivation hoch haltet. Spätestens nach vier Inseln habt ihr alles gesehen, nur werden die Inseln größer und das Gameplay hektischer. Ihr beherrscht aber dann schon alle Abläufe und leider ändert sich optisch wenig. Wären die Inseln anders aufgebaut oder würden anders aussehen, könnte man noch argumentieren. Auch die Lernkurve ist anfangs sehr steil und die Hinweise sind teils sehr unpassend platziert. So lässt Tethered leider unnötig Punkte liegen.

PSVR oder PS4, das ist die Frage

Tethered kam schon Ende 2016 auf den Markt, damals allerdings als reines VR-Spiel. Nun lässt sich das Game auch ohne PSVR spielen, sogar ein PS4 Pro-Patch ist mit von der Partie. Ich muss allerdings gestehen, dass das Spiel so sehr auf VR ausgelegt ist, dass es in VR um Welten besser ist. Die Neigungssteuerung mit dem Controller ist etwas, was ich in fast allen Games, wenn möglich, deaktiviere.

In Tethered jedoch ist das eure einzige Möglichkeit, euch rasch und halbwegs zielgerichtet umzusehen. Was mit dem PSVR-Headset in Verbindung mit eurer Kopfbewegung natürlich und logisch erscheint, ist durch das Ummünzen auf den Controller nur mäßig sinnvoll geworden. Die ohnehin schon hakelige Steuerung mit dem Anvisieren einzelner Peeps wird ohne VR noch mühseliger.

Daher kann ich für alle PSVR-BesitzerInnen nur sagen: Spielt es weiterhin mit dem Headset, denn so ist der Spaßfaktor höher. Habt ihr allerdings keine PSVR-Brille zu Hause, so ist es gut, dass ihr nun auch in den Genuss von Tethered kommen könnt. Ihr müsst nur sehr genau sein, dann ist es kein allzu großes Problem.

Tethered verbindet fast alle lose Enden

Gleich vorweg: An Aufbauspiel-Größen wie Die Siedler, Black&White und Konsorten kommt Tethered nicht ran. Dazu ist das Gameplay zu sehr eingeschränkt, ihr könnt nicht mal entscheiden, wo genau ihr ein Gebäude errichten wollt. Dafür kann das Spiel EinsteigerInnen mit seinem zuckersüßen Look bezaubern und zumindest für zwei, drei Inseln lang unterhalten.

Danach obliegt es euch, ob ihr die weiteren zehn Levels in Angriff nehmen wollt. Die Herausforderung wird größer, die Spielzeiten länger, die Inseln voluminöser und die Feinde fordernder. Tethered macht richtig Spaß, wenn ihr einen einzelnen Level pro Abend in Angriff nehmen wollt und euch um eure Peeps kümmert.

Sie sind knuffig und können sowohl Jung als auch Alt begeistern. Doch wenn ihr länger am Stück spielt, merkt ihr, dass viel Repetitives am Werk ist. Langjährige Strategiefüchse werden hier nicht glücklich, doch wenn euch das Aufbaugenre reizt und ihr einmal einen Vorgeschmack bekommen wollt, ist Tethered euer Spiel!

Wertung: 7 Pixel

für Tethered (PS4) im Test: Einmal Gott sein
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Micha

Du schreibst:
“Die Neigungssteuerung mit dem Controller ist etwas, was ich in fast allen Games, wenn möglich, deaktiviere. In Tethered jedoch ist das eure einzige Möglichkeit, euch rasch und halbwegs zielgerichtet umzusehen. ”

Das stimmt nicht ganz, in den Optionen kannst Du die Steuerung auch auf die “klassische Stick Stuerung einstellen. Ansonsten gebe ich Dir Recht, in VR macht das Teil mehr Spaß.