Sonic Boom: Feuer & Eis (3DS) im Test

von Marianne Kräuter 27.09.2016

Anhänger des superschnellen blauen Igels hatten es in den letzten Jahren nicht leicht: Viele Videospiele, die sich um Sonic und seine Freunde drehten, enttäuschten Kritiker und Fans gleichermaßen. Ob Sonic Boom: Feuer und Eis dem Franchise zu alter Größe verhilft oder besser schnell in einer Schublade verschwindet, erfahrt ihr in meinem Testbericht.

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Zuerst ein bisschen nörgeln

Na gut, so lange will ich euch gar nicht auf die Folter spannen – ich finde Sonic Boom: Feuer und Eis spitze! Seit Donkey Kong Country: Returns fand ich keinen Plattformer auf dem 3DS so unterhaltsam, kurzweilig und spannend.

Ich räume zunächst alle kleinen Nörgeleien vom Tisch, damit wir uns im restlichen Artikel in Ruhe den zahlreichen Glanzpunkten des Spiels widmen können. Die Grafik ist nicht das Beste, was man auf dem 3DS gesehen hat. Das fällt einem zu Beginn auf, tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch; die Texturen sind einigermaßen scharf und die Welten schön farbenfroh. Untermalt werden die Levels von flotter Musik, die melodisch nicht besonders einprägsam sein mag, jedoch thematisch gut zum schnellen Tempo und dem jeweiligen Insel-Setting passt.

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“Gotta go fast”

Einziger wirklicher Schwachpunkt ist die an den Haaren herbeigezogene Handlung.

Einziger wirklicher Schwachpunkt ist die an den Haaren herbeigezogene Handlung: Sonics ewiger Widersacher, Dr. Eggman, hat das neue Element “Ragnium” entdeckt und nutzt es, um sich eine Roboter-Armee zu erschaffen, die schneller als Sonic sein soll. Die Schmach, nicht mehr der Schnellste zu sein, würde Sonic zerstören, denkt sich Eggman. Na ja, wenn er meint. Viel schlimmer ist, dass der Fiesling durch die Gewinnung dieses “Ragniums” die Umwelt zerstört. Sonic und seine Freunde müssen also der Zerstörung ein Ende setzen und Dr. Eggman unbedingt aufhalten. Die Handlung wird durch kurze Zwischensequenzen erzählt, während denen die Synchronstimmen der Sonic Boom TV-Serie zum Einsatz kommen. Wer sich nicht sonderlich für die Geschichte interessiert, muss ihr allerdings nicht folgen, um Sonic Boom: Eis und Feuer genießen zu können.

Nun wird geschwärmt

In gutem alten 2D rasen wir durch die meisten Levels.

Reden wir zunächst über das hervorragende Leveldesign. In gutem alten 2D rasen wir durch die meisten Levels. Nach und nach lernen wir die Positionen von Fallen, Gegnern und Eisblöcken, bis wir schließlich mit einer perfekten Kombo auch die kniffligsten Stellen meistern, ohne unsere Geschwindigkeit zu drosseln. Für Abwechslung sorgt zum einen das jeweilige Setting der Levels, das uns von verschneitem Gebirge zu Südseeinseln bis in den Dschungel führt. Zum anderen wechseln sich die typischen zweidimensionalen Bahnen mit anderen Levelarten ab. Mal laufen wir eine Strecke im Stil eines Endlos-Runners, wie in Temple Run oder Sonic Dash. Mal begeben wir uns in ein Motorboot, weichen Minen aus und zerstören Hindernisse, während wir in einer knapp bemessenen Zeitspanne ans Ziel gelangen müssen. Wieder ein anderes Mal messen wir uns in einem Rennen gegen einen Widersacher, der meint schneller als Sonic zu sein und beweisen diesem das Gegenteil.

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Im Motorboot vorbei an Minen und Wasserstrudel

Zudem sind die Levels vollgestopft mit versteckten Seitengängen und schwer erreichbaren Items, die man nur ergattern wird, wenn man sich mehr Zeit lässt. Dieser Anreiz, alte Welten erneut zu besuchen und sie etwas ausgiebiger zu erkunden, sorgt für Wiederspielwert.

Laser, Hammer, Feuer, Eis

Im Großen und Ganzen bleiben die Spielmechaniken in Eis und Feuer vorigen Titeln treu: Wir springen mit B (auch auf Gegner), hängen uns im Sprung mit A an Haken und nutzen mit X die Spezialfähigkeit jedes Charakters. So verschießt Tails einen Laserstrahl, Amy klatscht ihren Riesenhammer auf den Boden und Sonic wird zur rasend schnellen Kugel. Alle Figuren außer Sonic werden im Laufe des Spiels freigeschaltet und können jederzeit während einem Level eingesetzt werden. Ihre Spezialfähigkeiten werden vor allem bei der gründlichen Erkundung der Welten benötigt.

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Die titelgebende Spezialfähigkeit wird entweder mit der rechten oder linken Schultertaste aktiviert und kann von allen Charakteren benutzt werden: Die Rede ist natürlich vom “Feuer und Eis”-Mechanismus. Hat man den Feuermodus aktiviert, wird der Charakter von einem orange-gelben, feurigem Leuchten umgeben und Eisblöcke können geschmolzen werden. Ist hingegen der Eismodus aktiviert, wird Wasser zu Eisblöcken gefroren, sodass man zum Beispiel unbeschadet über Stacheln laufen kann.

Feedback zu Herzen genommen

Man merkt, dass sich die Entwickler das negative Feedback zum Vorgänger zu Herzen genommen haben.

Man merkt, dass sich die Entwickler von Sonic Boom: Eis und Feuer das negative Feedback zum Vorgänger Shattered Crystal zu Herzen genommen haben. Die Levels sind geradliniger und lassen sich mit Geschick und gutem Timing schnell durchspielen. Alle, die sich mehr Zeit lassen möchten, erwarten viele versteckte Items und Seitenpfade abseits des Hauptwegs. Die Erkundungsmöglichkeiten bremsen allerdings niemanden, der das nicht möchte.

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Will man eine gute Zeit hinlegen, kommt es aufs richtige Timing an

Während man im Vorgänger noch bestimmte Items sammeln musste, um weitere Levels freizuschalten, wurde hier auf diese Mechanik verzichtet. Bedeutet: Sobald man es erfolgreich zum Levelende geschafft hat, steht einem das nächste zur Verfügung. SpielerInnen werden so nicht zum Wiederspielen alter Welten gezwungen, sondern mittels Bonusgegenständen, Zeitlimits, die es zu schlagen gilt, und anderen Herausforderungen dazu verleitet. Eindeutig die bessere Methode!

Fazit

Hervorragendes Leveldesign, fordernde und abwechslungsreiche Level und klare Spielmechaniken heben Sonic Boom: Feuer und Eis positiv von seinen halbausgegorenen Vorgängern ab. Wer es verkraftet, hier keine sinnvolle Handlung zu finden, greift zu und erhält einen der besten Plattformer, den der Nintendo 3DS zu bieten hat.

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Wertung: 8.8 Pixel

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