Skelattack Test (PS4): Richtig schweres Indie-Metroidvania

von Mandi 02.06.2020

Mit Skelattack will Konami die nächste Indie-Perle produzieren. Reichen ein hoher Schwierigkeitsgrad und handgezeichnete Optik? Lest hier das Review!

Skelattack ist das Werk von David Stanley, der im Alleingang dieses Game erschaffen hat. Seit 2015 hatte er es als Hobby-Projekt laufen, und nun können wir es spielen.

Die Story von Skelattack

Die offizielle Website des Spiels verrät es schon: Ihr schlüpft in die Rolle von Skully, dem Skelett. Gemeinsam mit der Fledermaus Imber lebt es sich so richtig fein in der Unterwelt, und jeder Tag grenzt an ein Fest. Diese schöne Zeit nimmt aber ein Ende, als der Älteste Skully den Weg des Kriegers vorschlägt. Durch den Pfad der Erinnerung soll man nämlich wieder wissen, wer man vor dem eigenen Tod war, was wiederum zu einem erfüllteren Leben nach dem Tod führt. Als Skully die Prüfung auf sich nehmen will, wird der Älteste aber von den Menschen entführt. Die Menschen sind bekannt dafür, alles zu überfallen und zu brandschatzen, was ihnen in die Finger kommt.

So beginnt Skelattack, und kurzerhand wird das Dungeon Crawler-Genre auf den Kopf gestellt. Es gilt nun, euer Zuhause vor den bösen Menschen der Oberwelt zu beschützen – sie wollen euer Gewölbe überfallen und eure Schätze erbeuten. Das mysteriöse Verlies bietet ein paar verschiedene Umgebungen, von Schloss- und Turmgemäuer über saftige grüne Wälder bis hin zu Lavawelten ist einiges enthalten! Skully und Imber müssen unter Einsatz ihres Lebens nach dem Tod versuchen, die eigene Untergrundgesellschaft zu beschützen. Wie sich das Ganze so spielt, das benötigt ein wenig Erklärung…

LIMBO trifft Ori and the Blind Forest

Grundsätzlich ist Skelattack ein Metroidvania, das heißt, ihr müsst eure Wege selbst suchen. Eine kleine Minikarte hilft euch bei der groben Orientierung, und nicht selten gilt es, Dinge wie etwa Schlüssel zu finden und dann an einem Ort abzuliefern. Nebenquests runden das Spiel ab, und es gibt immer etwas zu tun beziehungsweise ist jede Reise, die ihr unternehmt, in irgendeiner Hinsicht wertvoll. Doch der Anfang des Spiels zeigt euch eindrucksvoll, wie schwach euer Charakter zu Beginn ist. Die Welt des Spiels ist nämlich in jeder Hinsicht tödlich: So gut wie alles, was sich bewegt, will euch umbringen.

Fleischfressende Pflanzen, fiese Stachelfallen, gepanzerte Tiere oder monströse Flugkäfer plagen euch von der ersten Minute an. In dieser Aufzählung fehlen natürlich die Menschen, die gerade die Welt von Skelattack einnehmen wollen. Diese kommen als Bogenschützen, Axtwerfer, Schwertkämpfer oder Ritter daher und hauen ebenfalls fest drauf. Während ihr euch im Eins-gegen-Eins-Kampf noch irgendwie beweisen könnt, blamieren euch die Fallen bis auf die Knochen. Die kleinste Berührung reicht, und Skully ist sofort tot. Dazu kommt, dass viele tödliche Gemeinheiten oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind – nur, wer rasch und oft stirbt, wird schneller klüger.

Upgrades und das Checkpoint-System

Sterben ist so ein endgültiges Wort – Skully steht halt einfach sofort beim zuletzt berührten Checkpoint wieder auf. Im Idealfall müsst ihr dann zähe Sprungpassagen nicht erneut durchführen, aber oft versteckt sich der nächste Checkpoint genau hinter einer sadistischen Abfolge von Wandakrobatik und anderen Sprungeinlagen. Das Sterben an sich macht ja nichts, Skully ist ja schon tot – aber das Upgrade-System hängt leider direkt damit zusammen. In Skelattack sammelt ihr kleine Splitter ein, die als Währung im Spiel fungieren. Doch leider lasst ihr bei jedem Tod ein paar Splitter liegen, und wenn ihr sie vor dem nächsten Ableben nicht sammelt, sind sie weg.

Es ist gut, dass es viele Checkpoints gibt, da müsst ihr halt manchmal ein wenig vorsichtiger vorgehen. Wenn ihr irgendwann mal 100 Splitter beisammen habt (oder 150, oder mehr), könnt ihr dafür in der Stadt ein Upgrade für eure Magie bekommen. Beispielsweise benötigt dann ein Heilzauber weniger Manapunkte, oder eine magische Bumerang-Rippe sorgt für mehr Unheil bei den Gegnern. Die Entscheidung liegt ganz bei euch, die große Herausforderung ist aber erst einmal das Anhäufen der Splitter. Gehört euch aber einmal ein Upgrade, bleibt es für immer euer. Dass man zwischen den Zaubern rasch mit L1 und R1 durchschalten kann, ist ebenso ein Bonus.

So kämpft es sich in Skelattack

Euer Hauptheld Skully kommt schon mit ein paar Fähigkeiten in die Unterwelt. Wie es sich für einen ordentlichen Plattformer gehört, beherrscht ihr von Anfang an die Wände des Spiels. Das will heißen, dass ihr euch an so gut wie jede Wand krallen könnt und von dort Wandsprünge vollführt. Jeder Sprung lässt sich in der Luft zu einem Doppelsprung machen, und mit etwas Übung könnt ihr so schnell die höchsten Wände erklimmen. Diese Fähigkeiten sind auch von Vorteil, wenn ihr kämpft: Da ihr anfangs nur mit dem Schwert zuschlagen könnt, solltet ihr bei feindlichen Angriffen stets das Weite suchen und von einem anderen Punkt aus angreifen.

Ritter und Schwertkämpfer lieben es nämlich, eure Angriffe (auch aufgeladene) abzublocken. Andere Tierchen haben meist am Hintern Schwachpunkte, und mangels Alternativen könnt ihr euch dann nur auf eure Agilität und Reaktionsschnelligkeit verlassen. Früh im Spiel schaltet ihr auch Imbers Magie frei, das heißt, eure kleine Fledermaus kann euch mit Magie helfen. Sei es Heilmagie oder das Aktivieren einer Bumerangrippe, Zauber ist extrem nützlich in Skelattack. Leider ist der Manapool sehr begrenzt, und so macht Magie erst später Sinn, wenn ihr die Effekte verstärkt und den Manaverbrauch verringert habt. Das kostet halt alles Splitter…

Die Optik des Spiels

Hach, Skelattack. Wer Indie-Titel liebt, steht meistens auch auf die handgezeichnete Ästhetik von Games. Dieses Spiel hakt sämtliche Checkboxen ab, die man von einem solchen Ableger erwarten kann. Sämtliche Umgebungen sind sehr bunt gehalten und entsprechen einem gewissen Farbschema, die einzelnen Charaktere sind super gezeichnet und auch die Animationen sind mehr als nur in Ordnung. Allerdings muss man darüber reden, warum bei einem Metroidvania die Framerate auf 30 begrenzt ist – das tut weder dem Look des Spiels noch dem Spielgefühl an sich wirklich gut. Darüber hinaus wirkt das Game in Full HD einfach nur unscharf, ob das so gewollt ist?

Hinzu kommt, dass die Stachelfallen nicht nur im Übermaß und an lächerlichen Stellen gesetzt worden sind, sondern sie sich auch oft kaum vom Hintergrund abheben. Es ist schon klar, dass ihr so herausgefordert werdet und den einen oder anderen sinnfreien Un-Tod erlebt. Teilweise kommt es aber wie Absicht vor, und das frustriert dann schon. Dabei wäre grundsätzlich dank der unterschiedlichen Umgebungen so vieles möglich, man hat sich aber dann für die billige Variante entschieden. Und ja, auch der unsagbar fiese Level mit dem schnell ansteigenden Wasser aus Ori and the Blind Forest ist mit von der Partie, allerdings mit einem etwas anderen Twist…

Sound und Steuerung von Skelattack

Die musikalische Untermalung des Titels wirkt vom Einstieg an so, als hätte man die Melodien aus einem Point-and-Click-Adventure gerissen. Ohne jegliche Stimmungsmache, ohne jede Verstärkung oder eine gewisse Akzentuierung des Geschehens am Bildschirm tüdelt der Tune im Hintergrund vor sich hin. Hier merkt man dann doch, dass Skelattack letzten Endes ein Indie-Titel ist. Es wirkt so, als hätte man sich großteils auf das Gameplay und das Rüberbringen der Geschichte konzentriert, und die Akustik wurde dann mehr oder minder vergessen. Die Soundeffekte sind zweckmäßig, aber nichts, was wirklich erwähnenswert wäre.

Da hat sich David Stanley, der Solo-Entwickler, so auf das Gameplay konzentriert, und dann ist es genau der Punkt, der Skelattack am meisten weh tut. Die Bossgegner, die Souls-like Bestrafung beim Sterben, das mühevolle Aufrüsten der eigenen Fähigkeit – diese Mechanismen machen alle Spaß. Aber genau das Plattformen, wie handgezeichnet und ausgedacht es auch sein mag, ist nicht wirklich cool. Ihr sterbt viel zu oft an viel zu vielen gemeinen Stellen, und der schmale Grat zwischen spannender Herausforderung und sinnfreier Frustration wird auf jeden Fall ausgereizt. Wenn ihr in jeder Sekunde hochkonzentriert spielen wollt, dann werdet ihr Spaß daran haben.

Sadistisches Game, außer man mag es

Gut, dass das Sterben in Skelattack so kurz und schmerzlos ist, denn das werdet ihr mehr als genug. Über 130 Tode in einer Stunde sind keine Seltenheit, und genau das macht den Reiz des Titels aus. Ja, oft sind die sofort tödlichen Stachelfallen hundsgemein gesetzt, und man mag auch über die Genauigkeit von so mancher Hitbox diskutieren. Dennoch sind die anderen Mechanismen in diesem Indie-Titel grundsolide und sorgen dafür, dass man doch ein wenig weiterspielt. Spätestens, wenn ihr eure Heilmagie aufgewertet habt und die ersten Missionen mit Imber gespielt habt, offenbart sich, wie viel Idee und Spielwitz in diesem Titel steckt. David Stanley hat sich wirklich bemüht, seine Vision umzusetzen, das muss man dem Entwickler lassen.

Ihr müsst allerdings gewarnt sein: Die erste Spielstunde ist ein Krampf, da ihr ohne Fähigkeiten startet. Es ist sehr gewöhnungsbedürftig, dass euch so gut wie alles umbringen möchte, und ein wenig zielloses Wandern in der Welt gehört ebenfalls dazu. Schade finde ich auch, dass alles ein wenig matschig und unscharf wirkt – hier hätte sich der Titel ein wenig mehr Politur verdient. Je weiter ihr aber kommt, umso mehr Freiheiten habt ihr, die Bosskämpfe haben ebenfalls hohen Unterhaltungswert und stellen oft weit nicht die größte Herausforderung dar. Seid ihr also auf der Suche nach einem fordernden, knackigen Metroidvania mit flachem Humor, dann solltet ihr Skelattack begutachten! Das Spiel gibt’s für PC (auf Steam), Mac, Linux, PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch.

Wertung: 7.5 Pixel

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