SingStar Frozen (PS4) im Test

von postbrawler 22.02.2015

SingStar ist Nostalgie, wohl kein anderes Spiel steht so explizit für eine ganze Konsolen-Ära. Es hat die PS2 und die Menschen gleichermaßen in die Wohnzimmer der Welt gebracht und dort für unvergleichliches Karaoke-Feeling gesorgt. Wird Zeit, die alten Kabelmikrofone endlich mitsamt der in die Jahre gekommenen Hardware von den Fernsehern zu verbannen und mit einer Neuauflage für die PS4 richtig durchzustarten. Seid ihr bereit für das neue SingStar? Ich jedenfalls war es.

SingStar Frozen

Alles neu 2015, oder?

Im Jahr 2015 hat man natürlich andere Ansprüche an Singstar als anno 2004, als der Partykracher erstmals erschien. Damals wurden noch mühselig CD-ROMs durchgeladen, um den Abend musikalisch möglichst vielfältig zu gestalten. Die Mikrofone hingen noch an Kabeln, was den Bewegungsspielraum der AkteurInnen beim Singen einschränkte. SingStar für PS4 kommt ohne Mikrofone daher. Wie das gehen soll? Einfach mit dem eigenen Smartphone!

Die SingStar-App installiert, gekoppelt, und los geht’s! Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis stellt sich das leider etwas schwieriger dar. Zum einen müssen die so ausgestatteten Smartphones in das heimische WLAN eingewählt werden, was beim eigenen Funkziegel ja ganz normal ist, bei BesucherInnen jedoch umständlich werden kann. Zu Zeiten von Bluetooth und WiFi-Direct wäre das auch intuitiver zu lösen gewesen. Zum anderen scheint das Koppelungsverfahren (zumindest bei mir zu Hause) störrisch wie ein Esel zu sein: Glatte vier Versuche benötigte ich mit iOS, Android-Geräte verloren des Öfteren die Verbindung, und Windows Phone wird mangels App gleich gar nicht unterstützt. Einstiegshürden also, die den Spielspaß vorweg schon einmal trüben.

Add-ons und Singstore

Na, dann installieren wir das erste Add-on Frozen aus dem gleichnamigen Disney-Film. Doch was macht das Ding? Es legt ein eigenes Icon am Startbildschirm an und läuft autark vom Hauptprogramm als eigenständige Applikation. Sony – seid ihr noch zu retten? Nehmen eure ProduktmanagerInnen Drogen, oder wie kommt man auf eine derart schwachsinnige Idee? Achtung, es kommt noch besser – um Frozen spielen zu können, muss – Tadaaaa! – die richtige Blu-ray im Schacht stecken. Woran erinnert uns das? Genau! An unsere Funktion als Discjockey in den guten alten PS2-Tagen. Ich steh ja auf Nostalgie, doch an dieser Stelle hätte ich den Test am liebsten abgebrochen.

Leicht frustriert beginne ich also im Singstore zu blättern, was es da alles gibt. „Lieder“ von Adel Tawil, aktueller Lieblingssong meines Sohnes? Fehlanzeige. Klassiker aus alten Tagen? Gigolo von David Lee Roth ist immerhin dabei, ein All-time-Classic! Doch von gut sortiert kann leider noch keine Rede sein. Sony bessert aber nach und erweitert das Sortiment laufend. Wenn ich jedoch mit meinen Lieblingsliedern einen Karaoke-Abend verbringen will, ist der Laden um die Ecke wohl immer noch besser sortiert.

Das restliche Konzept von SingStar (sofern man das bisher genannte als Konzept bezeichnen möchte) ist altbewährt und funktioniert auch nach Jahren noch kein bisschen anders. Über ein Musikvideo werden farbige Balken auf einer Tonleiter durchgespielt, welche die Melodie des jeweiligen Gesangsparts repräsentieren. Der Text wird darunter eingeblendet. Je nach Textsicherheit und Stimmgenauigkeit vergibt das Spiel Punkte. So kann man sich vom Amateur bis zum namengebenden Singstar diverse Ränge ersingen. Viel mehr Spaß macht das natürlich zu zweit im Duett oder gegeneinander. Mit der PS4 und den PlayStation-Eye ausgestattet kann man darüber hinaus die eigene Performance aufzeichnen und mit der Singstar-Community teilen. Auch Online-Matches und Global-High-Scores gibt es erwartungsgemäß, wenngleich Erstere nur PS-Plus-AbonnentInnen vorbehalten bleiben.

Verbesserungsvorschläge

Da Singstar seit dem PS3-Debüt ein sich ständig weiter entwickelndes Spielkonzept darstellt, gibt es natürlich noch jede Menge Spielraum für Verbesserungen. Das fängt beim Shop an: Warum hier lediglich auf das altbackene „Kauf dir einen Song“-Prinzip setzen? Was spricht dagegen, sich einen Song für wenig Geld einen Abend lang zu leihen? Man könnte auch für den Eintrittspreis eines Karaokelokals das gesamte Sortiment für einen Tag verfügbar machen.

Die Mikrofon-Apps sollten eine breitere Palette an Geräten unterstützen und sich einfach koppeln lassen. Und Sony – um Himmels willen! Hört auf, die SpielerInnen im Jahr 2015 zu Discjockeys zu degradieren. Die Lösung mit dem Stand-alone-Add-on Frozen empfinde ich als Konsument peinlich und beschämend! Wenn diese Kinderkrankheiten behoben sind, macht mir Singstar sicher wieder den Spaß, den ich im Jahr 2004 damit hatte. Derzeit mache ich aber lieber einen großen Bogen darum.

Wertung: 6 Pixel

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