Secrets of Raetikon (PC) im Test

von David Kolb-Zgaga 20.05.2014

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In Secrets of Raetikon fliegt man als bunter Vogel durch die Alpen. Neben alten Steintafeln, nach denen man auf der Suche ist, gibt es in der Bergwelt noch einiges mehr zu entdecken. Wir zeigen euch, was das österreichische Entwicklerstudio Team Broken Rules mit Secrets of Raetikon geschaffen hat.

Geheimnisvolle Alpen

Zu Beginn des Spiels sieht man einen etwas zerzaust wirkenden, kantigen Vogel. Das Spiel gibt mir keine weiteren Informationen zu dem Flattervieh, also nenne ich es liebevoll Herbert. Kantig ist Herbert aber nur, weil der Grafikstil von Secrets of Raetikon so konstruiert ist. Das bunte und mysteriös anmutende 2D-Erkundungsspiel wirkt dadurch wie gezeichnet. Schon beginnt das kurze Tutorial, das mir die Steuerung näherbringt und mir zeigt, wie ich mit Herbert fliege, Sturzflüge mache und Dinge packe. Ab diesem Zeitpunkt lässt mich das Spiel dann allein, es sagt mir nicht was ich tun soll, es gibt kein Menü, kein Inventar, keine Karte – nur Herbert und mich. Dafür lädt Secrets of Raetikon geschickt ein, die Alpen zu erkunden, denn diese bewahren ein altes Geheimnis, das schließlich auch entschlüsselt werden will!

So stoßen wir in Höhlen auf gigantische Altäre mit kryptischen Inschriften und auf riesige Füchse, die wir erst einmal wecken müssen, um ihnen ihr Geheimnis zu entlocken. Es gibt vieles in dieser Welt, das Herbert und ich nicht verstehen – noch nicht! Die kryptischen Botschaften, auf die wir treffen, lassen sich nämlich nach und nach entschlüsseln: Während des Erkundens trifft man auf Runenzeichen, die uns beibringen, welches Runensymbol für welchen Buchstaben aus unserem Alphabet steht. Hat man die Nachrichten in mühsamer Kleinarbeit entschlüsselt, bekommt man einen Tipp oder einen atmosphärischen One-Liner, der die Umgebung genauer beschreibt. Das ist aber nur optional, die wirklich wichtigen Gegenstände des Spiels sind die Orbs.

Viel zu entdecken

Mit den roten Orbs heilt man sich: Sammelt man 100 Blaue, erhält Herbert zusätzliches Leben. Die interessantesten Orbs sind – wie könnte es anders sein – die goldenen. Damit kann man an bestimmten Stellen Altäre aktivieren, was sich dann auf die Umgebung auswirkt und neue Rätsel freilegt. Trotzdem oder auch gerade deshalb haben Herbert und ich noch immer keinen Plan, was in Secrets of Raetikon eigentlich vor sich geht, und genau darin liegt auch der Reiz des Spiels. Außerdem liegen die goldenen Orbs nicht einfach in der Gegend herum, man muss sich diese schon verdienen. Mal muss man Rätsel lösen, mal Geschicklichkeitsaufgaben bestehen. Diese gestalten sich sehr abwechslungsreich, allerdings bekommt man überhaupt keine Hilfestellung vom Spiel. Bis auf einen Lebensbalken gibt es weder Anzeigen noch eine Karte noch Hinweise, was als Nächstes zu erledigen ist oder wo man mit Herbert hinfliegen muss. Dadurch bleibt Secrets of Raetikon sehr faszinierend und behält seine mysteriöse Atmosphäre über die gesamte Dauer des Spiels. Dadurch kommt es aber leider auch zu großen Frustmomenten.

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Nerviges Federvieh

Wie in fast jedem Spiel gibt es auch in Secrets of Raetikon Gegner, die Herbert fressen oder ihn gegen den nächsten Dornenbusch werfen möchten. Das schlimmste Übel des Spiels sind aber die diebischen Elstern. Ein Beispiel: Nach einem langen und kniffligen Rätsel hat es Herbert endlich geschafft, einen goldenen Orb zu finden. Um diesen benutzen zu können, muss er aber den ganzen weiten Weg zurückfliegen. Dabei sehen sehr viele Wege gleich aus, wodurch Herbert wie selbstverständlich die Orientierung verliert und ewig braucht, um an sein Ziel zu kommen. Als würde das nicht schon ausreichen, um mich in Rage zu bringen, überfallen uns auf dem Weg auch noch die fiesen, diebischen Elstern, klauen mir meinen goldenen Orb und verschleppen ihn an einen anderen Ort. Das mag das erste Mal noch überraschend und lustig sein, spätestens beim dritten Mal möchte man aber wahlweise das Gamepad oder die Tastatur gegen den Bildschirm knallen. Solche Frustmomente treten häufiger auf und trüben den Spielspaß leider enorm.

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Endlose Suche

Secrets of Raetikon ist kein besonders langes Spiel, man kann es in zwei bis drei Stunden durchspielen. Da man aber keine Hilfestellung bekommt, habe ich weit länger gebraucht, da ich den letzten goldenen Orb mehrere Stunden gesucht habe, was noch frustrierender gewesen ist als die Diebstähle der Elstern. Das hat das Spiel unnötig in die Länge gezogen, und auch wenn das Fliegen Spaß macht und die Spielwelt viel zu bieten hat, wäre hier ein wenig Hilfe sehr nützlich gewesen. Herbert und ich haben eine gute Zeit miteinander gehabt, doch diese elendslange Suche hat den Vogel abgeschossen!

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Fazit

Ich würde dem Spiel gern mehr Pixel geben, da es sehr viel richtig macht. Secrets of Raetikon verfügt über eine sehr schöne und atmosphärische Welt, die mit ihrem mystischen Touch punkten kann. Auch das Art-Design des Spiels ist zwar einfach, aber sehr stilvoll, und die Steuerung funktioniert sowohl mit Gamepad als auch mit Tastatur. Der Titel ist zwar kurz, aber das ist für ein Spiel um zehn Euro okay, außerdem treten so keine Abnutzungserscheinungen beim Gameplay auf. Nur die doppelten Wege, die man immer wieder abfliegen muss, und das Ausbleiben jeglicher Hilfestellung führen zum einen oder anderen Frustmoment. Trotzdem ist Secrets of Raetikon eine sehr spannende und lohnenswerte Erkundungsreise, da das Spiel einen Blick über den übliche Gameplay-Tellerrand offenbart.

Wertung: 7 Pixel

für Secrets of Raetikon (PC) im Test