Samurai Shodown Test (PS4): Taktische Fights

von Mandi 24.06.2019

Das Revival der Samurai Shodown-Serie aus dem Jahre 1993 steht an. Mit Tusche-Grafik, 16 spielbaren Charakteren und Spezialmoves wartet das Game auf euch!

Worum es in Samurai Shodown geht

Grundsätzlich ist der neue PS4-Titel ein Reboot der Spielereihe. Es gab schon einige Samurai-Showdowns, und so sollten sie in dieser Reihenfolge gespielt werden: Teil 5, Teil 1, Teil 3, Teil 4, Teil 2, Teil 64, Teil 5 Special, Teil 64: Warriors Rage, Teil Edge of Destiny, Samurai Shodown 6 und Samurai Shodown: Warriors Rage. Diese Spiele decken den Bereich zwischen den Jahren 1786 und 1811 ab. Grundsätzlich kommt ein großes Übel aus dem Dämonenreich auf die Erde, und die Charaktere aus Samurai Shodown wollen sich ihm stellen.

Die Geschichte dahinter dreht sich wie üblich um Macht und Einfluss. So wird sich mit bösen Kräften eingelassen, die Amakusa und Ambrosia heißen. Sie wirken übernatürlich und holen gefallene KriegerInnen zurück, die sich zuvor mit ihnen verbündet haben. Natürlich hinterlässt das Narben im Gewebe, und im Fall von diesem Samurai Shodown ist es so, dass Schlimmes auf der ganzen Welt passiert. So macht sich der von euch gesteuerte Avatar auf, um die Bedrohung auszulöschen. Trailer gefällig?

Was Samurai Shodown besonders macht

Die Spielmodi sind fast wie in jedem anderen Kampfspiel auch. Es gibt ein Freies Training, ein noch nicht spielbarer Online-Modus gegen menschliche Gegner, eine Story sowie einen Offline-Kampf, der auch zum Üben verwendet werden kann. Ein Dojo-Modus bietet euch die Möglichkeit, Geister von eurer Spielweise anzufertigen und auch gegen Geister zu kämpfen. Ein Tutorial, das euch sämtliche Mechaniken Schritt für Schritt erklärt, ist ebenfalls dabei. Ich würde euch bitter empfehlen, dieses zu absolvieren, selbst, wenn es sehr kleinteilig ist. Ansonsten habt ihr keine Chance im Spiel!

Samurai Shodown ist nichts für AnfängerInnen beziehungsweise nichts für Fans des Button-Mashing. Hier gewinnt fast nur Strategie! Denn jeder Charakter beherrscht einen Super-Spezial-Move, der dem Gegner locker die halbe Lebensleiste nimmt. Genauso gibt es bei aktiviertem Wut-Modus, wenn ihr genügend Schaden einstecken musstet, einen Angriff namens „Blitzklinge“. Auch sie kann bis zu 50 % des Lebens eurer Feinde einfach so auslöschen. Der Haken an der Sache? Ihr könnt beide Attacken jeweils nur ein einziges Mal in einem Kampf einsetzen. Das begünstigt Taktik.

In der Schlacht

Geblockt wird in Samurai Shodown durch simples Rückwärtsgehen, sowohl im Stehen als auch in der Hocke. Das heißt, dass ihr keinen separaten Block-Knopf habt – offensives Pushen ist nicht möglich! Rasche Reaktionen helfen euch dabei, eingehende Angriffe bestmöglich abzuwehren. Während dieser Ansatz bestimmt realistisch gehalten ist, kommt in den Kämpfen des Spiels nur wenig Flow zusammen. Beide Parteien warten auf eine Öffnung in der Deckung des Gegners; selbst die beiden Entscheider Blitzklinge und der jeweilige Super-Spezial-Move einer Figur können ohne Weiteres geblockt werden.

Habt ihr euren Trumpf an einen Block verloren, habt ihr Pech gehabt. Hier kommen dann die 16 unterschiedlichen KämpferInnen ins Spiel, die allesamt verschieden sind. Leider ist Samurai Shodown hier nicht gerade ausgeglichen – der Hauptheld Haohmaru ist mit manchen Attacken so stark, dass es fast schon keinen Spaß mehr macht. Auch Kyoshiro mit seiner Reichweite kann seinen Opponenten mühelos das Leben schwer machen. Nennenswerte Nachteile besitzen beide Helden nicht – sie sind weder die Langsamsten noch hätten sie beschränktere Move-Sets als andere Figuren.

Das Balancing: Rubberbanding vom Feinsten

Natürlich, bei jedem Kampfspiel muss das Team darauf achten, keine Figur zu bevorzugen. Es sei denn, man wirft das Balancing völlig über Bord und gibt allen Charakteren eine besondere Stärke, die man nach Belieben ausnutzen darf. Samurai Shodown macht hier einen interessanten Spagat: Einerseits nimmt es das Genre ernst und versucht so etwas wie Balancing. Andererseits geht das Spiel nicht weit genug und präsentiert euch drei bis vier Charaktere, die euch ganz objektiv gesehen nichts als Nachteile bringen. Schnelligkeit ohne Reichweite bringt euch nur um, und Reichweite ohne Kraft ist schlichtweg frustrierend.

Dazu kommt, dass der Story-Modus von Samurai Shodown angeblich eine KI einsetzt, die eure Moves lernt. In Wahrheit ist es so, dass der Schwierigkeitsgrad nach jeder gewonnenen Stage mit einem neuen Gegner anzieht. Nach zwei Siegen gegen den selben Gegner bekommt ihr einen neuen Widersacher – so weit, so bekannt. Doch es kommt vor, dass ihr in Runde eins fast mühelos gewinnt, in Runde zwei kaum eine Chance habt und in Runde drei der Gegner nur dann ernst macht, wenn ihr sein Leben unter 15 % bringt. Zu oft für meinen Geschmack verliert ihr dann 1:2 in Runden und müsst die gesamte Stage wiederholen. Warum eigentlich?

Gegen menschliche Gegner spaßig

Falls ihr es noch nicht herausgelesen habt: Samurai Shodown lebt davon, dass ihr euren Charakter beherrscht und seine Reichweite optimal ausspielt. Während die CPU auf höheren Leveln fast nur mit „den richtigen Figuren“ schlagbar ist, haben menschliche Gegner keinerlei Vorteile. Da ist dann die Wahl des Charakters nur halb so entscheidend, und plötzlich kann auch ein langsamer, dicker Krieger äußerst effektiv sein! Den Online-Modus konnte ich vor Release nicht auf Lag und Verbindungsqualität testen, im Splitscreen passt das aber bislang sehr gut.

Übrigens dürft ihr im Game einiges an Auszeichnungen verdienen. Trophäen winken euch nicht nur für das Abschließen der Story oder des Besiegen des (wirklich spektakulären und knackigen) Endgegners. Auch im Online-Modus, im Tutorial und in der Galerie, in der ihr Filme und Kunst freischalten dürft, gibt es begehrte Pokale. Doch nicht nur das, genauso gibt es für das Blocken, den Einsatz von Kontern, der Blitzklinge und mehr zumindest Bronze-Trophäen. Samurai Shodown ist hier sehr großzügig und versorgt euch mit viel Edelmetall.

Die Technik des Spiels

Die Tusche-Optik mit den klaren Kanten und den netten Animationen ist in Kombination einiges für euer Auge. Die Effekte sind variantenreich, die Charaktere sehen ansprechend aus, und es macht immer wieder Spaß, Samurai Shodown in Aktion zu erleben. Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich manchmal die Figuren zu wenig vom Hintergrund abheben und die visuelle Unsicherheit im Eifer des Gefechts wertvolle Zehntelsekunden kostet. Die Grafik ist jedoch mit Abstand der beste Punkt von Samurai Shodown – Fans schätzen sich hier bestimmt glücklich!

Der Sound hält ebenfalls stark mit, die Soundeffekte sowie die Hintergrunduntermalung passt sehr gut zur Stimmung, die vermittelt werden soll. Die Steuerung an sich passt zwar gut, doch die komplizierteren Befehle machen das Spiel eher ausschließlich der Fanbase zugänglich. Gemeinsam mit dem teils hohen Tempo, das Samurai Shodown vorlegt, verprasst ihr gern eine oder zwei Sekunden wegen einer Fehleingabe. Gerade in heißen Phasen bedeutet das sehr oft die Niederlage, und ich weiß nicht, ob sich der Titel mit dem Steuerkreuz oder dem Analogstick besser steuert…

Gelungener Reboot für Fans mit Hindernissen

Wer so wie ich bislang noch keinen Teil von Samurai Shodown gespielt hat, ist dies wohl der ideale Zeitpunkt, in die Serie einzusteigen. Der Reboot der Reihe präsentiert die KämpferInnen optisch grandios, die Effekte fügen sich gut in das Gesamtbild ein und die unterschiedlichen Kampfstile stellen sicher, dass für jeden etwas dabei ist. Leider ist das Balancing von den aktuellen Branchengrößen mehr als nur ein Stück weit entfernt. Dazu kommt, dass die Rubberbanding-KI im Kampf gegen die CPU euch gerne mal ein fieses Schnippchen schlägt.

Habt ihr allerdings die Geduld, euch auf „eure“ Figur einzulassen und auf einen Avatar zu konzentrieren, so belohnt euch Samurai Shodown häppchenweise für eure Ausdauer. Die braucht ihr auch, wenn ihr ein ums andere Mal gegen den fiesen Endboss im Game das Nachsehen habt. Mir persönlich hat das Spiel gegen menschliche Gegner weitaus mehr Spaß gemacht als der typische Story-Kampf. Wenn ihr ein forderndes Kampfspiel sucht, das einen gewissen japanischen Flair und Samurai bietet, ist Samurai Shodown euer Titel! Schaut auf die Website – erwartet nur nicht perfekte Balance und Button-Mash-Kämpfe, dann könnt ihr mit dem Game viele Stunden verbringen.

Wertung: 7.0 Pixel

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Wovon ich mir mal so eine Überarbeitete Version wünschen würde ware von Bushido Blade 1 und 2. Wenn schon Kampf mit Waffen dann sollte das schon auch Auswirkungen haben oder auch mal mit einem Schlag beendet werden können.