Sacred 3 (PC) im Test

von David Kolb-Zgaga 09.08.2014

Sacred 3 hat, abgesehen vom Namen, nichts mehr mit dem ersten und zweiten Teil gemein. Die große, offene Welt wurde durch Schlauchlevels ersetzt und die komplexe Charakterentwicklung durch vier vorgefertigte, nicht mehr änderbare HeldInnen ausgetauscht. Statt vielseitiger Handlungsverläufe und Geschichten rund um das Universum von Sacred bzw. Ancaria gibt es zudem nun trashige Witze. Ob das Spiel mit seinem flotten, knalligen Koop-Modus trotzdem Spaß macht, erfahrt ihr in meinem Test.

Über Humor lässt sich sehr wohl streiten!

Die Geschichte von Sacred 3 ist schnell erzählt: Es heißt, dass derjenige, der das Herz von Ancaria besitzt, das Schicksal der Welt bestimmen wird. Natürlich wird genau dieses vom bösen Herrscher Zane gestohlen. Deshalb wählt man eine von vier Klassen aus, um besagtes Herz den Klauen des Bösen zu entreißen. Viel mehr passiert dann auch nicht mehr – zumindest, was die Story betrifft. Das heißt aber nicht, dass die Charaktere in Sacred 3 stumm bleiben, denn diese hauen einen trashigen Kalauer nach dem anderen raus.

Man kann das Witzeniveau kaum mehr in Worte fassen, und wie es so schön heißt: Ein Gag sagt mehr als 1000 Worte. Ich zitiere hier wortwörtlich aus dem Spiel: „Aria hat telepathische Kräfte, die so stark sind, dass sie sogar die Essenspläne ihrer Mutter drei Tage im Voraus kennt!“ Noch nicht lustig genug? Dann passt auf, was der gerade besiegte Söldner Karr Tel zu sagen hat: „Ruht euch nicht zu sehr aus. Ich genieße es, meine Rache zu planen, sobald ich ein paar Fischstäbchen gegessen habe!“ Ich bin ja ein großer Fan von schlechtem Wortwitz und trashigem Humor. Außerdem weiß der Volksmund: Über Humor lässt sich nicht streiten. Aber was dieses Spiel da abzieht, ist oftmals jenseits von Gut und Böse – man hätte wohl den einen oder anderen Joke auch auslassen können. Am besten, ihr schaut euch das Let’s-Try-Video zu Sacred 3 an, dabei merkt man schnell, ob man den Humor nun lustig findet oder nicht.

Da ist nichts mehr heilig

Wie schon eingangs erwähnt, haben nicht nur die Dialoge, sondern auch die gesamte Spielmechanik von Sacred 3 überhaupt nichts mehr mit der altehrwürdigen Sacred-Reihe zu tun. Eigentlich sollte man daher auch keine Vergleiche mit den Vorgängern machen. Das fällt aber nicht leicht, wenn der Titel Sacred 3 lautet. Daher solltet ihr schnellstmöglich alles vergessen, was ihr jemals über Sacred wusstet, denn erst dann lässt sich das Spiel objektiv betrachten und sogar Spaß damit haben – dazu aber später mehr.

Ähnlich wie in Diablo steuert man die eigene Figur aus einer isometrischen Ansicht. Das Spiel lässt sich um einiges besser mit einem Gamepad als mit Maus und Tastatur steuern (spätestens nach diesem Satz solltet ihr Sacred 1 und Sacred 2 hinter euch gelassen haben). Es gibt einen Grundangriff, einen Ausweich- bzw. Block-Move und zwei zusätzliche Zauber. Die Kämpfe sind simpel gehalten, weshalb man innerhalb weniger Minuten, die gesamte Steuerung innehat. Dann laufen die Gefechte schnell, bunt und mit viel Effektgewitter ab. So schlachtet man sich durch die feindlichen Gegnerhoden und schafft es dabei, jede Menge Kills und Erfahrungspunkte abzustauben. Damit das aber nicht zu langweilig wird, versucht Sacred 3, mit speziellen Gegnern Abwechslung hineinzubringen. Am Ende jedes Levels erwartet uns ein sehr großer und mächtiger Bossgegner. Da gibt es einen Eisriesen, Feuerriesen, Riesen-Riesen … eben riesige, aber auch langsame Widersacher. Das erfordert dann ein wenig mehr Taktik, da einen ansonsten bald der Pixeltod ereilt.

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Nur leveln, kein looten

Dass das Action-in-Action-Rollenspiel sehr stark betont wird, beweist, dass es quasi keine lootbaren Gegenstände gibt. Als Ausgleich gibt es allerdings ein paar andere Dinge, die den eigenen Charakter aufwerten und die man auch meist gleich selbst aufleveln kann: die Waffengeister, über die man während der Story mehr oder weniger stolpert. Diese sind grundsätzlich eine sehr gute Idee, da sie nicht nur die Fähigkeiten des Charakters verbessern, sondern auch als Begleiter fungieren. Allerdings haben sie nur ein paar wenige One-Liner, die sich schnell wiederholen und den typischen Humor des Spiels fortführen. Zwar kann man pro Level nur zwei verschiedene Zaubersprüche „mitnehmen“, trotzdem kann man ein paar interessante Alternativen freischalten, die sich was Reichweite, Schaden und Fläche betrifft stark unterscheiden. Diese können dann weiter verbessert werden, um so z. B. mehr oder öfter kritischen Schaden auszuteilen. All diese Dinge sind ganz nett, werden aber nur – genauso wie auch die freischaltbaren Waffen – per Levelaufstieg erweitert. Das motiviert zwar zu Beginn, kann aber nicht über das fehlende Loot-System hinwegtrösten. So wird Sacred 3 im Singleplayer-Modus auf Dauer leider unangenehm repetitiv.

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Flotte Koop-Action

Seine volle Stärke spielt Sacred 3 nur im Multiplayer-Modus aus. Für eine schnelle Runde zwischendurch ist das Spiel sehr gut geeignet! Der Einstieg ist leicht, die Kämpfe laufen flott, knackig und knallig bunt ab, und man wird ständig mit neuen Gegnerscharen überhäuft. Zusätzlich kann man manchmal zusammenarbeiten und einen gemeinsamen Zauber auslösen oder gefallene SpielerInnen wiederbeleben. Trotzdem gilt: „Victory is ours. Glory is mine!“ Die Mischung aus dem Wettkampf darum, wer mehr Kills und Gold bekommt, und der Zusammenarbeit, um alle Feinde zu besiegen, sind gut gelungen. Schade ist nur, dass wenn man zu zweit vor einem Bildschirm spielt, die/der zweite SpielerIn sich keinen eigenen Charakter erstellen kann. Dabei wird, ein wenig lieblos, eine Figur mit dem gleichen Level dazuplatziert, was das Spielen durch die fehlende Individualisierbarkeit weniger motivierend macht. Trotzdem schafft es der Multiplayer, das Repetitive etwas aufzulockern.

Fazit

Ich kann es nur immer wieder betonen: Sacred 3 dürfte nicht Sacred 3 heißen, denn es hat mit den Vorgängern fast nichts mehr zu tun. Trotzdem ist es mit mehreren SpielerInnen ein grundsolides Spiel. Leider wiederholen sich für einen Vollpreistitel viele Gameplay-Mechanismen wie Gegner oder Levelabschnitte deutlich zu oft. Außerdem wären da noch der oft schwer ertragbare Humor und die belanglose Story, die dem Spiel nicht guttun. Als Vollpreisspiel kann ich Sacred 3 nicht empfehlen, da es an vielen Stellen zu linear ist, zu wenig bietet und der Individualisierungsgrad der HeldInnen viel zu gering ausgefallen ist. Trotzdem macht es im Koop-Modus Spaß und ist immer für ein unkompliziertes Spielintermezzo zu haben.

Wertung: 7 Pixel

für Sacred 3 (PC) im Test