ReCore (Xbox One) im Test

von Matthias Jamnig 12.09.2016

Endzeit-Szenarien mussten schon für zahllose Action-Titel als Setting herhalten. Und auch ReCore entführt euch in eine postapokalyptische Welt voller Gefahren und Feinde. Bleibt nur die Frage, ob Kaija Inafune frischen Wind in die etwas angestaubte Thematik bringen kann.

ReCore Test

Der Macher von Kultspielen wie Mega Man, Onimusha und Dead Rising setzt nämlich auf ein vielleicht schon zu vertrautes Story-Gerüst. Eine Plage hat die uns bekannte Erde heimgesucht und die Menschen zum Exodus getrieben. Deren Ziel ist Neu-Eden. Genaueres verrät ReCore zu Beginn nicht. Obwohl Protagonistin Joule Adams wahrscheinlich mehr über die damaligen Vorgänge zu berichten wüsste. Den/die SpielerIn lässt man mit der Bezeichnung Sandteufel, die für die besagte Katastrophe verantwortlich sind, erst einmal unwissend stehen.

Lieb im Prinzip

Ohne große Vorgeschichte stürze ich mich also ins Abenteuer. Schnell stellt sich das Gefühl ein, dass etwas falsch läuft in Neu-Eden. Der unwirtliche Wüstenplanet ist menschenleer und einzig aggressive Roboter-Wesen sowie korrumpierte Security-Bots begegnen der wehrhaften Joule. Begleitet wird die treffsichere Tehnikerin anfangs von Mack, einem mechanischen Hund. Dieser ist ebenso kampfstark wie Joule und in Auseinandersetzungen mit wildgewordenen Bots unverzichtbar. Zudem bringt der treue Begleiter den „Ach, bist du lieb!“-Sidekick-Bonus mit ins Spiel.

So zieht dieses Gespann – im Spielverlauf gesellen sich noch andere hilfreiche Blechwesen hinzu – durch die Ödnis, repariert Dinge, springt von A nach B, kämpft und erfährt häppchenweise mehr und mehr von den Vorgängen. Die Story bleibt aber eher dünn und manchmal fragt man sich: „Warum mach ich das Ganze hier eigentlich?“

Während also die Handlung etwas zäh in die Gänge kommt, macht das Herumstreunen in Neu-Eden durchaus Laune. Die Kämpfe laufen flott und bieten dank verschiedener Features Abwechslung. So lassen sich zum einen natürlich die befreundeten Bots als Kampfgefährten einsetzen. Diese bringen jeweils andere Vorzüge mit sich und ihr könnt sie mit einem kurzen Cooldown auch während der Kämpfe wechseln. Zum anderen entwickelt sich Joules Gewehr stetig weiter. Stimmt man hier beispielsweise die Farbe der Munition auf die Farbe der Widersacher ab, erhöht sich der Schaden. Als Finisher empfiehlt sich das sogenannte Extrahieren. Hierbei reißt ihr eurem geschwächten Gegenüber die Energiezelle aus dem Leib. Der Action-Part ist also durchaus gelungen.

Jump ´n ReCore

Apropos Energiezellen: Gefühlt sind diese Dinger das Ziel jeder zweiten Aufgabe. Einmal sind es kleine Energiezellen-Bots, die in einem Gerät fehlen und gefunden werden wollen. Ein andermal sind es machtvolle Energiekerne, die größere Anlagen mit Energie versorgen. Selbst nach wenigen Stunden wird diese repetitive Angelegenheit schon nervig. Auf dem Weg zu diesen Objekten der Begierde setzt Joule auf Doppelsprünge und Sprints. Das erfordert manchmal Fingerspitzengefühl, manchmal Koordinationsvermögen. Von Zeit zu Zeit wird aber auch das Spiel mit den Sprüngen übertrieben. Es finden sich beispielsweise Zusatzmissionen, mit denen selbst der sprungsichere Mario seine liebe Not hätte. Diese muss man zwar nicht machen – es gibt genug anderen Content – aber an anderer Stelle entkommt man den frustrierenden Sprung-Abenteuern nicht.

Wenn beispielsweise eine anzuspringende Plattform genau so weit weg ist, dass es mehr mit Glück als mit Können zu tun hat, sie zu erreichen, dann hat das nichts mehr mit anspruchsvollem Schwierigkeitsgrad zu tun. Dann ist das schlicht und ergreifend räudiges Leveldesign. Wenn man dann just an dieser Stelle auch noch in Treibsand stürzt – der Weg zurück zur Absprungstelle ist ohnehin schon ein langer –, dann grenzt das an Boswilligkeit. Denn auch Alternativ-Wege gibt es nur in seltenen Fällen. Der Controller landet dann schnell in einer finsteren Ecke, während der Frust reiche Ernte hält.

Eine Stärke von ReCore ist hingegen der Content im Allgemeinen. Dies beinhaltet auf der einen Seite eine großzügige Spielwelt, in der man sich halbwegs frei bewegen kann. Kleiner Dämpfer hierbei sind die vergleichsweise langen Ladezeiten zwischen den Abschnitten. Als Großer Pluspunkt präsentiert sich andererseits ein Wegpunkte-System, das schnelles Reisen zwischen einzelnen Portalen ermöglicht. Betreut werden diese übrigens von Violet, einem weiteren „Ach, bist du lieb!“-Sidekick-Bot. Auf der anderen Seite findet sich Joules Crawler. In der heimeligen Basis hat eine Werkbank ihr Zuhause. Diese ermöglicht es euch, eure Bots zu verbessern. Mit Plänen und Ressourcen, die in der Spielwelt zu finden sind, lassen sich die mechanischen Begleiter aufrüsten. Hätten sich die Entwickler bei der Story zu detailverliebt gezeigt wie bei der Werkbank, ReCore wäre ein um Längen besseres Spiel.

Fazit

Ganz ehrlich. Ich habe mir mehr erwartet. In ReCore halten sich Stärken und Schwächen zwar halbwegs die Waage, ein rundum befriedigendes Spielerlebnis sieht aber meiner Meinung nach anders aus. Die größten Mankos sind eine wenig packende Story (vor allem zu Beginn), die repetitiven Aufgaben und die überbordenen Jump ´n Run-Elemente. Zudem lässt die Protagonisten Joule Charaktertiefe vermissen. Dem gegenüber stehen eine reizvolle Optik, ein abwechslungsreiches Kampfsystem, die großartige Werkbank sowie der reichhaltige Content. Auch die musikalische Untermalung kann sich hören lassen. Und zu guter Letzt bleiben natürlich die treuen Bots positiv in Erinnerung. Alles in allem ist ReCore ein gutes Action-Adventure, dass sich mit den ganz Großen dieses Genres aber nicht messen kann.

Wertung: 7 Pixel

für ReCore (Xbox One) im Test
5 Comments
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Jasna

Hallo Stefan, danke für die ausführliche Antwort. Recore hat sich in meine ToDo-Liste eingeordnet 🙂

Jasna

Wie ist der Schwierigkeitsgrad allgemein, von der Treibsandscene abgesehen?

SuzuKube

So… It’s good game. Not amazing but pretty good. I’ll buy it 🙂 !