Psycho-Pass Vol. 1 (Blu-ray) im Test

von Stefan Hohenwarter 09.05.2014

Dank KAZÉ darf sich der hiesige Animemarkt auf eine wahre Perle freuen, die im Land der aufgehenden Sonne bereits 2012/13 ausgestrahlt wurde: Psycho-Pass. Der Publisher sicherte sich die deutschen Vermarktungsrechte für den erwachsenen Anime, der seit Ende Februar dieses Jahres bereits hierzulande erhältlich ist. Ob die Synchronisation und das Setting mich überzeugt haben, erfahrt ihr in meinem Test.

PsychoPassVol1Pack

Facts

Genre: Anime/Thriller/Action
Publisher: AV-Visionen
Regie: Naoyoshi Shiotani
Releasetermin: 28. Februar 2014

Die perfekte Welt?

Psycho-Pass katapultiert uns ins Japan des Jahres 2113. Alles scheint perfekt zu sein. So viel wie möglich wurde automatisiert: So kommt beispielsweise das Frühstück aus dem Automaten, während man per Knopfdruck das Outfit wechselt. Dank des autonomen Überwachungsnetzwerks Sibyl-System ist das Leben so sicher wie nie zuvor. Kann es denn etwas Schöneres geben?, denken sich vielleicht einige – doch in diesem Wunschgedanken ist ein Problem namens Psycho-Pass versteckt.

Es handelt sich dabei um einen Hightech-Ausweis, der dem Sibyl-System jederzeit Einblick in die seelische Verfassung der Menschen gewährt. Sollte der Fall eintreten, dass bei einem/r BewohnerIn kriminelle Gedanken aufkommen, greift das Sibyl-System ein. Wenn ein gewisser Grenzwert noch nicht überschritten ist, werden die Menschen zu einer Therapie aufgefordert. Sollten sie diese Warnung aber ignorieren oder vor lauter Angst, dass die Polizei sie in den nächsten Minuten womöglich präventiv aus dem Weg räumt, die Nerven verlieren, gibt es im Prinzip keine Heilung mehr. Die Polizei, die aus InspektorInnen und sogenannten VollstreckerInnen besteht, rückt aus und macht Jagd auf die potenziellen zukünftigen MassenmörderInnen und PsychopathInnen, deren Psycho-Pass den vorgeschriebenen Grenzwert überschritten hat. Eine dieser InspektorInnen ist Akane Tsunemori, die gerade ihren Dienst beim Amt für Öffentliche Sicherheit begonnen hat. Sie hat mit einer beeindruckenden Bestleistung die Ausbildung abgeschlossen und ist vom Sibyl-System für diese Position vorgeschlagen worden. Ganz recht: Dieses System teilt die Menschen je nach deren Fähigkeiten dem „idealen“ Job zu. Ob diese mit den ihnen zugedachten Aufgaben auch glücklich sind, spielt für das technische Überwachungs- und Kontrollorgan keine Rolle.

Tsunemori hat nicht lang Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen, und wird gleich in den ersten Fall verwickelt. So lernt sie bereits in der ersten Folge die VollstreckerInnen kennen, die Jagd auf ihresgleichen machen und für die InspektorInnen den Abzug betätigen. Würden die InspektorInnen das selbst machen, könnte sich auch deren Psycho-Pass trüben. So wird die frisch gebackene InspektorIn Tag für Tag mit Fällen konfrontiert, in denen es nicht Grau, sondern nur Schwarz und Weiß gibt: Ist der Psycho-Pass-Grenzwert überschritten, wird die Person einfach eliminiert, da sie laut dem Sibyl-System eine Gefahr für die Menschheit darstellt. Mit der Zeit lernt Tsunemori die Kehrseite des Systems kennen, und ihr Vertrauen in das scheinbar so gut funktionierende Gesellschaftssystem gerät ins Wanken. Wird sie mit dieser verantwortungsbewussten Aufgabe umgehen können und einen kühlen Kopf bewahren?

Bild & Ton

Für das Bild (Bildformat: 16:9 – 1.77:1) zeichnet das Animationsstudio Production I. G. verantwortlich, das unter anderem durch die Arbeit an den Meisterwerken Ghost in the Shell, The Vision of Escaflowne oder Attack on Titan auf sich aufmerksam machte. Die Animationen sind, wie nicht anders von dem Studio zu erwarten, auf einem sehr hohen Niveau, und das Cyperpunk-Setting fügt sich wunderbar in die Zeit, in der der Anime spielt, ein. Was beim Bild so großartig begonnen hat, wird beim Ton fortgesetzt, denn die Synchronisation ist meiner Meinung nach ein weiterer großer Pluspunkt. KAZÉ beauftragte das Tonstudio VSI Berlin, das mich vor allem mit einer guten Wahl von SynchronsprecherInnen überzeugte.

Zusammenfassung

Mitten in einer Zeit, in der so viel über Überwachung, Kontrolle und Datenschutz gesprochen wird, kommt Psycho-Pass endlich auch zu uns. Unweigerlich stellt man sich beim Zusehen die Frage, ob uns wirklich so eine grausame Welt bevorsteht, in der eine Maschine über das Leben eines Menschen entscheidet. Die Charaktere agieren – oft auch aufgrund der Aussichtslosigkeit ihrer Situation – brutal, ganz egal, ob aufseiten der Polizei oder der Bevölkerung. Das vom Drehbuchautor Gen Urobuchi geschaffene Setting und die Kritik an einer Gesellschaft, die es erlaubt, Menschen „präventiv“ zu töten, überzeugte mich auf ganzer Linie. Dazu kommen die sehr gute deutsche Synchronisation, tolle Extras (hochwertige Pappschuber, Poster sowie ein Clear Opening und Ending) sowie eine schnörkellose Animation. Ihr steht auf erwachsene Animes? Dann darf Psycho-Pass keinesfalls in eurer Sammlung fehlen.

Wertung: 9 Pixel

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