Pen&Paper Rezension: Cthulhu – Stummer Schrecken

von Marianne Kräuter 24.10.2020

In dem dünnen Abenteuerband Stummer Schrecken erwarten uns zwei Abenteuer für die siebte Edition des Pen&Paper-Rollenspiels Cthulhu, die uns ins Hollywood der 1920er Jahre, sowie in die kriminelle Unterwelt Arkhams entführen. Ob mich diese neuen Geschichten überzeugen konnten, verrate ich euch in dieser Rezension.

Cthulhu Stummer Schrecken Cover

(c) Pegasus Press

Fakten

Autoren: Dominic Hladek, Mike Mason
Verlag: Pegasus Press
Seitenanzahl: 80
Erscheinung: 2018

Sprachloses Entsetzen

Das erste der beiden Abenteuer stammt aus der Feder des deutschen Gastautors Dominic Hladek, der sonst des Öfteren in Werken von Das Schwarze Auge und Space 1889 anzutreffen ist. Mit Blende und Abgang versucht sich Hladek am cthulhoiden Grauen der 1920er und das durchaus mit Erfolg.

Blende und Abgang führt die ErmittlerInnen nach einem furchteinflößenden Kinobesuch in das Hollywood der Stummfilmzeit und beweist, dass einen selbst das sonnige Kalifornien mit Grauen erfüllen kann. Das Abenteuer überzeugt in der gut durchdachten Erzählung mit sorgfältig recherchierten Fakten zur Filmindustrie der 1920er inklusive zeitgenössischer Filme, Stars und deren Schicksale. Allmählich werden übernatürliche Elemente mit historischen Fakten vermischt und lässt die Grenze zwischen Realität und Horror immer weiter verschwimmen.

Das Abenteuer lässt den InvestigatorInnen nach dem Auftakt bei ihren Recherchen im Umland von Los Angeles viele Freiheiten. So ist auch der Weg zum Finale und selbst der Ausgang dessen recht flexibel gehalten. Dies bietet einerseits den Vorteil, dass man das Abenteuer leicht auf die Gruppe zuschneiden kann und diese nicht wie auf Schienen durch die Handlung geschleift werden, bedeutet andererseits aber natürlich, dass weniger aufmerksame oder findige Gruppen einige Schauplätze nie zu Gesicht bekommen werden. So zum Beispiel eine besonders dramatische Verfolgungsjagd in der Wüste, die durchaus mit dem Tod der Gruppe enden könnte. Was natürlich ob der tollen Geschichte schade wäre. Ich würde Blende und Abgang aufgrund der benötigten Eigeninitiative der InvestigatorInnen sowie einiger kniffliger Stellen eher erfahrenen RollenspielerInnen empfehlen.

Horror in schwarz-weiß

SpielleiterInnen dürften sich über die klare Struktur von Blende und Abgang freuen. Das Abenteuer ist übersichtlich gestaltet, enthält eine Fülle an möglichen Szenarios sowie Schauplätzen und einen gut ausgearbeiteten historischen Hintergrund. Besonders angetan war ich von den kreativen Ideen, wie man innerhalb der Spielrunde für die richtige Atmosphäre sorgen könnte, inklusive Anregung den Spielraum zu einem provisorischen Kino umzugestalten als auch eine Vorlage zur Gestaltung eigener Texttafeln, mit denen Stummfilmszenen wortlos kommuniziert werden können.

Der gesamte Band Stummer Schrecken ist komplett in schwarz-weiß gehalten. Das spart natürlich Produktionskosten hält aber auf der Gegenseite auch die Anschaffungskosten niedrig. Darüber hinaus ist diese Ästhetik – angesichts des historischen Settings – der Atmosphäre durchaus zuträglich. Wie bei deutschsprachigen Veröffentlichungen Cthulhus Usus, hat man auch bei Blende und Abgang aus der Not eine Tugend gemacht und das knapp bemessene Illustrationsbudget mit gemeinfreien Fotos aus der damaligen Zeit ausgeglichen. Das funktioniert meist gut, nur ein paar der Personenfotos darf man angesichts der zugehörigen Textbeschreibung nicht allzu genau betrachten.

Detail des Covers von Cthulhu Stummer Schrecken

(c) Pegasus Press

Im Auftrag von Arkhams Mafia

Zahltag, die zweite Erzählung des vorliegenden Abenteuerbands ist ein sogenannter „One-Shot“. Es handelt sich also um ein Abenteuer für bereits vorgefertigte Investigatoren, das auf eine einmalige Spielsession ausgerichtet ist und nicht dafür gedacht ist, in eine bestehende Kampagne integriert zu werden. Der amerikanische Autor Mike Mason hat sich hier ein kurzes Abenteuer für Charaktere aus dem kriminellen Milieu Arkhams ausgedacht, die einem Mafiaboss einen Gefallen schulden. Auf dessen Geheiß sollen einige Gegenstände beschafft werden, die im Auftrag eines cthulhoiden Kults endwendet wurden. Zahltag führt die SpielerInnen in ihren Recherchen recht linear zum Wohnhaus des Diebes, wo es zu einem übernatürlichen Showdown kommt.

Cthulhu hat einige großartige One-Shots hervorgebracht, die mit kompakten, mitreißenden Geschichten und perfekt eingespielten Charakteren aufwarten. Zahltag gehört leider nicht dazu. Während mir das verrückte Finale recht gut gefällt, birgt der Weg dorthin kaum Überraschungen. Außerdem liefern die blassen vorgefertigten InvestigatorInnen wenig Anreiz für interessante Interaktionen zwischen den SpielerInnen. Möchte ich EinsteigerInnen Cthulhu in einem kurzen Abenteuer näher bringen, würde ich mich eher aus Pforten in die Finsternis bedienen. Und erfahreneren SpielerInnen kann man mit One-Shots, die höhere rollenspielerische Ansprüche stellen (wie z.B. Der Sänger von Dhol), mehr Freude bereiten.

Mein Fazit zu Cthulhu – Stummer Schrecken

Da es mir das erste Abenteuer in Stummer Schrecken angetan hat, mich die zweite Hälfte aber wenig beeindrucken konnte, komme ich zu einem zwiegespaltenen Fazit.

Blende und Abgang ist ein Abenteuer nach meinem Geschmack. Es lässt sich leicht in bestehende Kampagnen integrieren, trumpft mit gut recherchierten Fakten auf und vermischt gekonnt Historisches mit Fiktivem in einer spannenden Erzählung, die SpielerInnen viele Freiheiten lässt. Zahltag möchte als One-Shot mit vorgefertigten Charakterbögen naturgemäß ganz andere Anforderungen erfüllen, scheitert aber anhand der banalen Handlung, die bis auf das Finale nicht viel Spannendes bietet, sowie auch an seinen uninteressanten Charakteren.

Stummer Schrecken erhält als Gesamtes von mir die Durchschnittswertung beider Abenteuer, doch allein für Blende und Abgang lohnt sich der Kauf allemal.

Wertung: 7 Pixel

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