Oddworld: Abe’s Oddysee – New ’n’ Tasty (PS4) im Test

von Max Hohenwarter 02.08.2014

1997 erschien für die PlayStation mit Oddworld: Abe’s Oddysee ein ganz besonderer Jump ’n’ Puzzler, der damals Maßstäbe setzte und sich bisher über fünf Millionen Mal verkaufte. Nun nehmen sich die ursprünglichen Entwickler Oddworld Inhabitants mit der Unterstützung des britischen Studios Just Add Water, die schon für die HD-Auflagen von Munch’s Odyssee und Oddworld: Stranger’s Wrath verantwortlich zeichneten, dieses Titels an und verpacken ihn in ein modernes, spielerisch und grafisch überarbeitetes Remake. Ob Oddworld: Abe’s Oddysee – New ’n’ Tasty auch tatsächlich neu und lecker ist, kläre ich in meinem Test.

Soylent Green™ is people, New ’n’ Tasty is Mudokans

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Ähnlich wie im dystopischen Science-Fiction-Klassiker Soylent Green von 1973 soll es zukünftig auch den Mudokans ergehen. Abe, der bisher fleißig die Böden in Mollucks Fleischfabrik Rupture Farms bohnerte, erfährt durch Zufall, dass aufgrund schwindender Tierbestände die versklavten Mudokans – also auch er – fortan als Fleischersatz durch den Kutter gedreht werden sollen. Dass ihm das ganz und gar nicht schmeckt und er deshalb stiften gehen will, ist wohl nur allzu verständlich.

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Auf seinem Weg durch Rupture Farms und den Planeten Oddworld erfährt er aber bald, dass er nicht nur die Verantwortung für sein Leben zu tragen hat, sondern eine weit größere Rolle spielt. Er soll der Erlöser der versklavten Grünhäute sein.

Fürze als soziale Interaktion

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Oddworld: Abe’s Oddysee – New ’n’ Tasty ist ein 2D-Puzzle-Plattformer alter Schule. Allerdings sollte Abe es tunlichst vermeiden, à la Mario auf den Köpfen von Slig-Soldaten und ähnlichen Baddies rumzuspringen, denn sonst guckt er sich die Radieschen schneller von unten an, als ihm lieb ist. Die gelben halbmechanischen Aufseher sind nämlich mit Schusswaffen bewehrt, und da Abe abseits der hin und wieder aufsammelbaren Granaten unbewaffnet aus dem Schlachthaus entkommen muss, ergibt sich so meist ein ungleiches Kräfteverhältnis. Hier kommt der Puzzle-Aspekt ins Spiel, denn durch geschicktes Beobachten der Umgebung und Ausnutzen der Maschinen, Falltüren und sonstigen örtlichen Begebenheiten kann der Mudokan-Messias die lästigen Wachen beseitigen, manchmal auch an ihnen vorbeischleichen und dabei Portale beschwören, durch die er seine Mit-Mudokans in die Freiheit schicken kann.

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Dass der Erlöser wahrlich erschienen ist, muss Abe seinen Artgenossen erst einmal klarmachen. Und wie vermittelt man auf Mudokanisch seine Allmacht? Ganz einfach: Man sagt mittels Gamespeak entweder Hallo oder furzt drauflos. Na ja … andere Völker, andere Sitten.

Oddworld: Abe’s Oddysee – New ’n’ Tasty bietet insgesamt drei Enden, je nachdem, wie viele Mudokans Abe aus Mollucks Sklaverei befreien kann. Wenn ihr wollt, dann bietet das Remake auch einen Koop-Modus, der allerdings eher als fünftes Rad am Wagen fungiert, denn das „Koop“ hat seinen Namen nicht verdient. Im Mehrspielermodus dürft ihr nicht etwa mit zwei Abes herumziehen – es ist und bleibt ein Singleplayer-Game. Wenn aber ein/e SpielerIn das Zeitliche segnet, darf der/die andere am zweiten Controller weiterzocken und vice versa. Den Koop-Modus könnte man also maximal als Komfortfunktion bezeichnen, wenn man zu faul ist, seinen Controller an den Couch-Kumpel weiterzureichen. Wohl eher ein schlechter Witz. Über fünf Fürze von Abe hätte ich mehr gelacht.

Alberne Beklemmung

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Oddworld: Abe’s Oddysee – New ’n’ Tasty zeichnet sich durch eine ganz besondere Atmosphäre aus. Die Schauplätze bewegen sich zwischen großartig ausgeleuchteten Außenarealen und den düster-dreckigen Industrieanlagen von Rupture Farms. Alles wirkt sehr beklemmend, und trotz der dargestellten Albernheiten von Abe inklusive seines Reizdarmsyndroms besticht der Titel mit einer schaurig-schönen, erwachsenen Präsentation. Die Musik ist äußerst passend, und die englischen SprecherInnen – eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht – leisten sehr gute Arbeit. Grafisch wurde das Original, wie gesagt, nicht nur höher aufgelöst, wie das bei den meisten HD-Neuauflagen der Fall ist, sondern auch komplett überarbeitet. Alles erstrahlt nun in einer schmucken 2D/3D-Grafik samt wunderschönen Beleuchtungseffekten. Die PS4 ist zwar mit der Optik alles andere als überfordert, aber schick sieht es definitiv aus.

Fazit

Mit Oddworld: Abe’s Oddysee – New ’n’ Tasty haben die Oddworld Inhabitants und Just Add Water ein grandioses und vor allem würdiges Remake des PlayStation-Klassikers geschaffen, das den Charme des Originals herausragend transportiert. Ein absolutes Jump-’n’-Puzzle-Juwel, das alle gespielt haben sollten, die bereits das Original von 1997 liebten. Aber auch neu zugezogene Oddworldianer, die ein dystopisch-düsteres und anspruchsvolles Plattformer-Game – allein der einfachste Schwierigkeitsgrad ist schon sehr fordernd – mit gelegentlichen Flatulenzwitzchen suchen, werden hier definitiv fündig. Absolute Kaufempfehlung!

9.5

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