Metroid Prime: Federation Force (3DS) im Test

von Stefan Hohenwarter 19.09.2016

Metroid Prime: Federation Force ist seit Anfang September für den 3DS erhältlich. Ob der Handheld-Anleger die guten alten Zeit hochleben lässt, oder sich nur auf den weltbekannten Franchisenamen verlässt, erfahrt ihr in meinem Metroid Prime Federation Force Testbericht.

Gaming History

Metroid fand seinen Anfang im Jahre 1986 mit dem gleichnamigen Debüttitel. Ob des Erfolgs wurden schon bald weitere Ableger des SciFi-2D-Jump’n’Runs veröffentlicht. Der bislang letzte Ableger Metroid Other M (Wii) ist schon einige Jahre her und bei nahezu jeder E3-Pressekonferenz von Nintendo warten die Fans sehnsüchtig auf die Ankündigung eines neuen Titels mit der altbekannten Samus Aran. Der nächste Hoffnungsschimmer ist bereits am Horizont: Was wäre, wenn sich Nintendo ein neues Metroid als Launchtitel für die Nintendo NX aufbehält? Bevor es allerdings soweit ist, begnügen wir uns mit Metroid Prime: Federation Force.

metroid-nds

Aller Anfang ist schwer

Bevor wir auf unsere Mission – moment einmal, was ist überhaupt die Mission? – aufbrechen, muss ein Eignungstest (aka Tutorial) absolviert werden. Laut dem namenlosen Commander ist das wichtig, damit wir richtig eingestuft werden. Unter uns … es ist ein einfaches, seelenloses Tutorial, bei dem euch die Basics des Spiels, wie das Steuern, Feuern oder der Einsatz von Spezialmunition erklärt wird. Ok, nachdem ich den Einstufungstest hinter mich gebracht habe, geht die Action so richtig los! Oder? Leider nein, ein weiterer Test, in dem das kooperative Verhalten geprüft wird, steht am Programm. Als auch das Thema erledigt ist, geht’s endlich die erste Mission.

Die erste Mission

Offenbart sich nun die epische Geschichte, oder sehen wir gar Serienheldin Samus Aran? Erneut Fehlanzeige … die erste Mission ist genauso seelen- und spannungslos wie das Tutorial. Ich werde als Pilot eines Prime – ein bewaffneter Mech – auf einen Eisplaneten geschickt. Ein paar Feinde werden erledigt, ein paar Schalterrätsel – ok, Rätsel ist hier wohl zuviel gesagt – werden gemeistert und schon steht ein Bosskampf auf der Agenda. Alles nicht weiter anspruchsvoll und ich spiele nur im Singleplayer-Modus. Man könnte nämlich die Missionen auch mit bis zu drei FreundInnen in Angriff nehmen. Wie hoch dann die Herausforderung ist, könnt ihr euch wohl denken, oder? Wird Mission 2 spannender?

Quelle: Square Enix/Nintendo

Quelle: Square Enix/Nintendo

Ich würde gern etwas anderes sagen, aber leider nein. Die Rätsel sollten zwar schwerer sein, sie sind durch die unpräzise Steuerung ein einziger Frustmoment. Ich glaube, ihr könnt euch vorstellen, wie lustig es ist, eine Kugel mit einem Blaster durch einen Parcour, oder über Stufen in vorgefertige Löcher befördern. Im Falle von The Legend of Zelda finde ich solche Kugelrätsel ja ganz passend, aber in einem Weltraumscooter, der Metroid Prime im Namen trägt, erwarte ich mir etwas anderes. Achja kleiner Spoiler, Samus Aran sehen wir wieder nicht. Wer nun hofft, die Story macht das weg, wird erneut enttäuscht. Die Textnachrichten des Commanders haben keinen Charme und transportieren keine Story. Schon in der zweiten Mission klicke ich die Dialoge nur noch schnell weg, damit ich die nächste Mission in Angriff nehmen kann. „Well done“, sage ich hier nur. Da ich euch gern „More of the same“ ersparen möchte, gehe ich weiter zur Optik und den Sound.

Eine detailreiche Welt samt tollen Effekten?

Ich glaube, aufgrund meines bisherigen Berichts, könnt ihr euch die Antwort zusammenreimen. Richtig! Nein, das Spiel hat zwar einen richtig coolen 3D-Effekt, der sehr gut zur Geltung kommt, doch leider steuert man das Kampfgeschehen mit dem Gyrosensor. Und alle, die schonmal den 3D-Effekt verwendet haben, wissen, dass wildes Herumfuchteln mit dem 3DS eher Kopfweh, als ein tolles Erlebnis erzeugt. So auch bei Metroid Prime: Federation Force.

Die Gestaltung der Levels reißt das Ruder leider auch nicht herum. Ganz im Gegenteil, die Levels sind ebenso seelenlos wie die nichtvorhandene Story oder der namenlose Commander. Hie und da gibt es eine Wand, die man – oh, Wunder – zerstören kann, um dahinter ein Secret zu entdecken. Diese Wände sind nur so offensichtlich, dass sie in der trostlos, detailarmen Welt selbst von nicht erfahrenen SpielerInnen sofort erblickt werden. Wichtig dafür ist nur, dass ihr auf einem Eisplaneten einen Feuerstrahl mitnehmt, um etwaige Eisblöcke zu schmelzen. Genau anders herum läuft das auf dem Feuerplaneten – was für eine Überraschung!

Blastball als Rettung?

Wenn man es selbst nicht besser machen kann, sollte man andere kopieren. Diesen Leitsatz nahmen sich die EntwicklerInnen wohl zu herzen. Da man schon „die Kugel mit dem Blaster durch die Gegend befördern“-Mechanik im Singleplayer verankert hat, kann man sie ja auch für einen Rocket League-Klon recyclen. Ist dadurch auch ein Mehrwert für die SpielerInnen geschaffen? Dieses Mal muss ich „Ja“ sagen! Wie mich auch schon Blitzball bei Final Fantasy X gefesselt hat, spiele auch ich immer wieder gern eine Runde Blastball. Es ist und bleibt ein billiger Klon, aber das optionale Minispiel lockert die Spielsessions zumindest ein wenig auf.

Zusammenfassung

Nur um das gleich vorweg klarzustellen, ich bin kein großer Metroid-Fan. Ich habe mir also nichts von Metroid Prime: Federation Force erwartet. Mein Urteil fällt daher ganz ohne falscher Erwartungshaltung aus. Ich beurteile ein Spiel, das für mich gut und gerne auch Robot-SciFi-Shooter heißen könnte. Aber, auch das muss ich sagen: Wenn man schon einen so klingenden Namen verwendet, sollte das Spiel zumindest Verbindungen zur Metroid-Welt haben. Und da sind mir Textnachrichten, in denen von Spionage-Ergebnissen einer Samus Aran die Rede sind, oder die Primes, wovon man ja einen steuert, zu wenig.

Abseits davon überzeugt mich das Spiel ganz ohne dem Namen auch kaum. Wie ihr meinem Test entnehmen könnt, hatte ich bis auf wenige Ausnahmen keinen Spaß mit dem Spiel – egal ob alleine oder gemeinsam. Das Spiel ist zu geradlinig, die Rätsel eher frustrierend als fordernd, nur drei unterschiedliche Levelsettings sind für mich auch etwas zu wenig und die Idee, den Gyrosensor in diesem Ausmaß mit dem 3D-Effekt zu kombinieren, ist einfach eine Design-Fehlentscheidung. Auf die nicht vorhandene Story und die namenlosen Protagonisten (z.B. Commander) gehe ich erst gar nicht ein. Kurz und knapp: Metroid Prime: Federation Force fehlt die Seele.

Wertung: 4.5 Pixel

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Reavox922

Hab mir das Spiel mit grooser erwartung gekauft,wurde aber so richtig enttäuscht. Sie hätten ja ein Metroid Prime Hunters 2 machen können.Denn das war seinerseits auf dem DS ja ein echter Erfolg.