Matterfall (PS4) im Test: Bombastische Challenge

von Mandi 17.08.2017

Housemarque, bekannt für ihre Dual-Stick-Shooter-Games, weicht mit Matterfall nicht vom Genre ab. Das Game wirft euch fast wie Metroid in eine futuristische Welt, und es gilt zu überleben! Ob sich der Kampf lohnt, lest ihr im Review. Hier geht’s zur Website des Spiels!

Worum geht’s in Matterfall?

Matterfall steckt euch in die Haut der Söldnerin Avalon. Ihr müsst Zivilisten vor dem absoluten Chaos retten, welches entstand, als die Menschheit ein paar Fehler machte. Fehler eins war, Alientechnologie ohne das nötige Verständnis einzusetzen. Der zweite Fehler war, sie als Waffe zu missbrauchen. Fehler drei: Forschung damit zu betreiben. Nun befindet ihr euch im absoluten Ausnahmezustand, und ihr müsst durch Levels rauschen, um die Zivilisten zu erretten.

Dabei lassen sich die Kräfte in Matterfall recht einfach einteilen, und zwar in Gut (blau) und Böse (rot). Alles, was blau ist, entspricht der Kraft eures Charakters und ihr könnt damit interagieren. Beispielsweise lassen sich Lifte aktivieren, Plattformen erstellen oder Explosionen auslösen. Rote Materie hingegen ist schlecht, denn sie schadet euch und greift euch nahezu unentwegt an. Allerdings seid ihr mit allen Wassern gewaschen und ihr könnt euch durchaus zur Wehr setzen.

Mit eurem Sprintangriff könnt ihr die zahlreichen Feinde kurz betäuben. Das seht ihr, indem sie blau anlaufen und für ein bis zwei Sekunden so bleiben. Sie sind nicht nur wehrlos und somit einfacher zu töten, sondern bringen euch auch noch mehr Punkte ein! Was sich anfangs noch relativ einfach anhört, wird spätestens in der zweiten Welt und deren Level sehr fordernd. Jeder Feind hat eigene Projektile, die er auf euch feuert – und ihr müsst eure Sprünge schon sehr genau planen…

Der Grafikstil

Housemarque hat mit Matterfall ein futuristisches Spektakel geschaffen, das mit Signalfarben arbeitet und farbenfroh seine Aufmachung darbietet. Die Feinde und deren Geschosse sind entweder gelb oder markant rot gehalten, während eure Fähigkeiten fast ausschließlich hellblau sind. Dabei ist zu erwähnen, dass Matterfall zu jeder Zeit in 60 Bildern pro Sekunde dargestellt wird. Hier hat das Entwicklerstudio die höchste Priorität angesetzt – so sehr, dass die Auflösung nur die zweite Geige spielt.

Das bedeutet im Klartext: Es gibt keine 4K-Auflösung, sondern „nur“ 1080p – und dafür benötigt ihr eine PS4 Pro-Konsole. Eine reguläre PS4 (auch die Slim-Variante) schafft grade mal 900p, hält aber dafür ebenfalls die 60 fps-Grenze ein. Das lässt sich eigentlich nur dadurch erklären, dass viele Leucht- und Schatteneffekte am Werk sind. In der ersten Welt sind die Stages noch nicht so ausgereift und man kann sich noch wundern, wieso hier eine solche Entscheidung gefällt wurde.

Spätestens in der zweiten Welt wird aber klar, dass die Technik durchaus an ihre Grenzen gelangen kann. Wenn ihr nämlich zig Feinde mit einem Schlag vernichtet und jeder einzelne in seine Moleküle zerlegt wird, sorgt das für bombastische Augenblicke! Dass diese grafische Opulenz aber auch zu viel des Guten sein kann, ist völlig klar. Es gibt allerdings kein Zeitlimit, ihr könnt euch also theoretisch so viel Zeit lassen, wie ihr für Matterfall benötigen wollt.

Spielerisch erste Sahne

Waghalsige Sprungsequenzen wechseln sich mit actionreichen Schlachten gegen eine Vielzahl an Feinden ab. Damit ihr hier eine Chance habt, wurde der Sprung auf die R1-Taste gelegt. Das mag zunächst eine seltsame Entscheidung sein, wird aber im Laufe des Spiels zu einer Selbstverständlichkeit. Hier muss man Matterfall ein hohes Lob aussprechen: Die Steuerung reagiert tadellos auf eure Eingaben und euer Charakter wird nach einer knappen Stunde zu einer Verlängerung eurer Gedanken.

Ihr rutscht und springt herum, dass es eine Freude ist – und das ist auch bitter notwendig. Um nämlich die zahlreichen Gegner überleben zu können, müsst ihr auch Schwerelosigkeit meistern. Schritt für Schritt werden euch die Grundlagen gelehrt, und nach drei Levels habt ihr das Gros des Games verstanden. Ein Doppelsprung hilft euch in Notsituationen weiter, der Spurtangriff lässt sich auch mit anderen Richtungen kombinieren, Granatwerfer und andere Hilfsmittel kommen hinzu: Plötzlich findet ihr euch im Kugelhagel wieder und ihr überlebt öfter, als ihr es zuvor annehmen würdet.

Projektile lassen sich genauso mit einem Spurtangriff stören wie die Feinde selbst, und wenn alles nichts hilft, könnt ihr immer noch die Flucht ergreifen. Während das reine Durchspielen von Matterfall noch nicht das Problem darstellt (wobei es für Ungeübte bestimmt extrem knifflig wird, seid gewarnt!), ist die Hatz nach dem Highscore des Pudels Kern. Um den Punktemultiplikator zu erhöhen, müsst ihr einige Feinde zugleich zur Strecke bringen und dürft dabei selbst nicht getroffen werden.

Langzeitmotivation und Kampagne

Neben dem puren Überleben solltet ihr in Matterfall eurer Hauptaufgabe nachgehen, namentlich dem Retten von Zivilisten. Diese halten sich in den Stages versteckt, oder besser gesagt sind sie in lila Kristallen gefangen. Um sie daraus zu befreien, müsst ihr mit eurer Materie-Kanone eine Weile darauf zielen und ordentlich Stoff geben. Obwohl ihr die Zivilisten nicht retten müsst (das Ziel ist eigentlich optional), belohnt euch Matterfall mit starken Power-ups, die ihr in späteren Levels und vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden bestens gebrauchen könnt.

Habt ihr das Game also durchgespielt, könnt ihr es euch zur Aufgabe machen, sämtliche Zivilisten zu befreien und somit euren Charakter optimal aufzurüsten. Doch auch andere Boni warten auf euch, beispielsweise ein satter Punktebonus, wenn ihr eine Stage ohne zu sterben abschließen könnt. Während die Kampagne nach zwölf Etappen beendet ist, könnt ihr aber auch die Jagd nach dem weltweiten Highscore anstreben. Wenn euch das gefällt, müsst ihr viele Dinge beachten.

Euer Punktemultiplikator füllt sich nur, wenn ihr viele Feinde zugleich zerstört. Gleichzeitig dürft ihr nicht getroffen werden. Schafft ihr es bis an die Spitze des Multiplikators, wird der Wert sogar noch verdoppelt. Ihr habt eine Spezialfertigkeit, die eure Zeitwahrnehmung kurz verlangsamt und eure Schüsse verdreifacht. Diese bringt in schwierigen Situationen ebenfalls massiv Punkte. Ein Checkpoint heilt euch vollkommen auf und speichert das Spiel bis dorthin. Nur dann habt ihr eine Chance, die Rangliste bis ganz nach oben zu erklettern…

Fazit: Matterfall ist solide Arbeit

Während die Spieldauer mit knapp drei Stunden nicht allzu hoch veranschlagt ist, ist das für Matterfall (Preis: 20 Euro) total in Ordnung. Es macht Spaß, während ihr es spielt, und es ist für die Fans ein forderndes Spektakel. Die Bossgegner sind im Prinzip durchschaubar und lassen euch niemals Rätsel raten, es geht einfach nur um den richtigen Tanz zwischen Ausweichen, Vorstoßen und Abschießen. Die wahre Herausforderung liegt im Training eurer Reflexe sowie dem Erreichen des absoluten Highscores.

Grafisch ist Matterfall fast eine Augenweide, wenngleich bei den Hintergründen und der Abwechslung teils gespart wurde. Die Modelle der Feinde zerbröseln wunderbar, die Farben knallen so richtig und das Spielgeschehen läuft stets flüssig ab. Die Soundkulisse hängt hier leicht hinterher, doch bevor die Hintergrund repetitiv werden kann, ist das Game ohnehin bereits vorbei. Die Steuerung wiederum ist super gelungen, mit zwei Sticks und den Schultertasten bewaffnet kommt ihr bestens durch Matterfall.

Matterfall ist ein Spiel mit einer ganz eigens definierten Spielgruppe. GelegenheitsspielerInnen sollten lieber die Finger von diesem Spiel lassen, auch wenn ihr Entspannung sucht, seid ihr hier definitiv falsch. Gehört ihr zu den Leuten, die Bestenlisten erobern und ihre Reflexe testen wollen, dann solltet ihr euch dieses Game holen. Viel Wiederspielwert bietet Matterfall nicht, denn wenn ihr den Abspann gesehen habt, ist eigentlich alles gesagt. Doch solange ihr spielt, zählt all das nicht. Bloß nicht getroffen werden.

Wertung: 7.5 Pixel

für Matterfall (PS4) im Test: Bombastische Challenge