Marvel’s Avengers BETA Review – Fan-Servicegame?!

von Max Hohenwarter 02.09.2020

Avengers Assemble heißt es ab Freitag im Lizenz-Servicegame von Square Enix und Crystal Dynamics! Ob Marvels SuperheldInnen Team wohl so stark überzeugt wie einst Batman in der Arkham Reihe? Lest es in Max BETA Review

Marvel’s Avengers – worum gehts?

Der sogenannte A-Day ist eigentlich ein Feiertag um die Siege der Avengers zu feiern. Bei den Feierlichkeiten, die sowohl den Prolog zu Marvel’s Avengers, als auch die erste spielbare Mission der Singleplayer-Kampagne darstellen, kommt es aber zum Fiasko. Taskmaster greift mit seinen Schergen an und verwandelt nicht nur die Golden Gate Bridge in ein Schlachtfeld, sondern sorgt auch für den Absturz des Helicarriers.

Hierbei findet Captain America den Tod und eine Giftgaswolke breitet sich über San Francisco aus die für Mutationen bei der Bevölkerung sorgt – sie werden zu sogenannten Inhumans. All diese Katastrophen, für die die Avengers verantwortlich gemacht werden, führen zum Zerfall der HeldInnentruppe. Eine der Inhumans und nebenbei das größte Avengers Fangirl, namentlich Kamalah Khan alias Ms. Marvel, ist sich aber sicher, dass die SuperheldInnen reingelegt wurden und will diese Verschwörung aufdecken und ihre StrippenzieherInnen stoppen.

Marvel’s Avengers Screenshot Copyright by MARVEL/Square Enix/Crystal Dynamics

Square Enix hat sich für den Action-Titel Marvel’s Avengers die Lizenz des Comicverlags gesichert. Somit erklärt sich auch, warum die HeldInnen nicht ihren jeweiligen Hollywood-SchauspielerInnen gleichen. Die Sprecher der englischen Originalversion, zu denen nicht nur Troy „Nathan Drake“ Baker (Bruce Banner/Hulk) und Nolan „Joel“ North (Tony Stark/Iron Man) zählen, leisten gute Arbeit und verleihen der interessanten Story mit toll gesprochenen Dialogen viel emotionalen Tiefgang.

Konfuse Klopperei

Doch schauen wir uns nun das Gameplay mal an. Ihr übernehmt in der erwähnten Prolog-Mission nach und nach die Rollen von Thor, Hulk, Iron Man und Black Widow. Dieses Durchwechseln beschränkt sich aber wohl auf dieses Level. Später seid ihr zwar auch mit einer HeldenInnenauswahl unterwegs, so ausgiebig wie im Intro wird aber vermutlich nicht mehr geswitcht.

Marvel’s Avengers Screenshot Copyright by MARVEL/Square Enix/Crystal Dynamics

Jede/r der HeldInnen bringt natürlich seinen/ihren eigenen Kampfstil mit sich, was sich auch auf die Arten, wie ausgewichen und gekontert wird, auswirkt. Während Thor Mjöllnir auf die GegnerInnen wirft, fliegt Tony Stark in seinem Iron-Man-Anzug durch die Lüfte und feuert mit seinen Repulsoren. Black Widow ist eine sehr agile Nahkämpferin, die auch mal ihre Pistolen sprechen lässt, Ms. Marvel verteilt mit ihren Gummifäusten ordentliche Backpfeifen und Hulk – naja – der smasht.

Marvel’s Avengers Screenshot Copyright by MARVEL/Square Enix/Crystal Dynamics

Es kracht also gewaltig. Auch hinsichtlich Effekten kann man diese Aussage über Marvel’s Avengers treffen. Allerorten explodiert, blitzt, funkelt und leuchtet es. Partikel und pompöse Präsentation immer und überall! Optisch lässt Marvel’s Avengers keine Wünsche offen. Technische Probleme gab es auf meinem PC kaum, außer einem Crash to Desktop. Aufgrund der optischen OIpulenz gab es gelegentliche Framerateeinbrüche, allerdings ist mein Testsystem auch schon fast vier Jahre alt und dennoch konnte ich großteils flüßig in 4K auf vollen Details zocken.

Leider muss ich aber sagen, dass diese Effekthascherei nur schwerlich über das etwas schwammige Kampfsystem hinwegtäuscht. Das hat mich trotz der Vielfalt an Attacken der HeldInnen in meiner Anspielsession am meisten gestört. Irgendwie ist mir das Trefferfeedback einfach zu wenig griffig, aber vielleicht legt sich das mit zunehmender Spieldauer, sobald man den Dreh raus hat. Zudem hat Marvel’s Avengers ein relativ komplexes Lootsystem. Dieses ist aber eher redundant. Zum einen sind die positiven Effekte der Items in der Beta eher klein und kaum spürbar, zum anderen sieht man keine optischen Veränderungen beim Anlegen der Ausrüstung. Wozu also das Ganze?

Daher weht also der Loot-System-Wind

Marvel’s Avengers bietet aber auch einen Koop-Modus für bis zu vier SpielerInnen. Am Wartable, den man im Helicarrier findet, kann man sich mit MitspielerInnen in einem von drei Multiplayer-Modi durch Wellen an A.I.M. SchergInnen prügeln. Als Belohnung winken dafür Verbesserungen des HeldInnen-Rosters, von denen ihr auch im Singleplayer profitiert. Beispielsweise könnt ihr eure Avengers mit neuem Loot ausstatten, Ressourcen zum Verbessern desselben grinden und diverse Cosmetics freischalten.

Marvel’s Avengers Screenshot Copyright by MARVEL/Square Enix/Crystal Dynamics

Die Missionen spielen auf der gesamten Welt, laufen aber immer nach demselben Muster ab. Dringe in ein Gebäude ein, halte einen Punkt und/oder zerstöre irgendwelche Forschungsserver. Ob das Langzeitmotivation bietet, ist fraglich. Blöd ist zudem, dass nicht mehrere Iron-Mans oder Hulks im selben Match spielen können, sprich dass man sich mit seinen MitspielerInnen absprechen muss, wer nun wen spielen darf – ist irgendwie wie in Kindertagen. Dabei wäre es angesichts eines Comic-Multiversums sogar absolut einleuchtend, wie mehrere gleiche HeldInnen im selben Match anwesend sind. Warum Marvel’s Avengers diese Option nicht bietet verstehe ich nicht.

Marvel’s Avengers ist grindig wie Destiny!

Der Multiplayer-Part von Marvel’s Avengers ist aber an und für sich eine sehr gute Erklärung für das eingebundene Loot-System. Meiner Meinung nach war das eine relativ unnötige Idee einen Multiplayerpart zu integrieren, aber von Seiten Square Enix aus gesehen auch eine sehr – vor allem wirtschaftlich – nachvollziehbare.

Punkt 1) Looten bedeutet meistens Beten zum RNGesus, sprich Grind, Grind, Grind, Rinse and Repeat. So abgenudelt diese Spirale auch sein mag. Sie greift halt immer noch und hält ZockerInnen bei der Stange.

Punkt 2) Schafft es Marvel’s Avengers im Multiplayer die Fans lange genug an das Game zu binden, wird irgendwann der Wunsch nach Individulisierung bei den GamerInnen greifen und auch wenn man viele Cosmetics ingame freischalten kann, werden wohl doch viele der Versuchung erliegen, Echtgeld für exklusive Skins, Emotes, Namensschilddesigns und dergleichen ausgeben.

Auch was zukünftige HeldInnen betrifft, gibt es eine Moneycow, die gemolken werden kann. Die Charaktere und sämtliche zusätzliche Inhalte werden zwar für alle KäuferInnen kostenfrei sein, allerdings wird es sogenannte Premium Hero Challenge Cards geben.

Hierbei wird es ähnlich wie bei The Division 2 eine freischaltbare Premium Reward-Track geben auf der es durch das Bestreiten von Herausforderungen exklusive Cosmetics zu ergattern gibt. Was die sechs ab Launch verfügbaren HeldInnen angeht, so werden bei diesen die Premium Hero Challenge Cards gleich freigeschaltet sein. Bei DLC-Charakteren wird für den Unlock aber ein Preis von 10 Euro veranschlagt.

Vorläufiges Fazit zu Marvel's Avengers auf Basis der BETA

Mit der Comiclizenz zu Marvel’s Avengers, einer spannenden, effektreich inszenierten Story, tollen (englischen) Synchron-SprecherInnen und zwar etwas schwammigem, aber doch ganz kurzweiligem Gameplay wird Square Enix SingleplayerInnen vermutlich durchaus befriedigen.

Da aber mit Gewalt die Multiplayer-Cash-Cow gemolken werden wollte, frage ich mich, ob nicht einige Spielelemente in der Kampagne doch zu aufgesetzt wirken und eben genau auf den Zweck der Spielerbindung durch Grind und Cosmetics gemünzt sind um ja das meiste aus einem Lizenzgame-Lappen zu wringen, die dem Gesamtwerk letztlich schaden.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe viel Zeit in Destiny und auch The Division 2 versenkt und habe an und für sich Spaß an Loot-Games, aber bei Marvel’s Avengers bin ich etwas zwiegespalten, ob dieser Aspekt auch genügend kommuniziert wurde und dadurch aus einem ursprünglich tollen Einzelspieler-Abenteuer nicht ein durchschnittliches Servicegame entstand. Aber immerhin kommt bei einem derartigen Spiel der Fanservice auch nicht zu kurz.

Wertung: 7.8 Pixel

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