Mad Max (PS4) im Test

von Max Hohenwarter 23.09.2015

Mad Max erlebte nach 30 Jahren mit dem spektakulären Reboot Mad Max: Fury Road des ursprünglichen Serienschöpfers George Miller eine Renaissance. Zeitlich zwischen dem Kino- und Blu-ray-Release des Films eingebettet, brettert der wortkarge Max Rockatansky in seinem schwarzen Interceptor nun auch auf PS4, Xbox One und PC durch den postapokalyptischen Outback und lehrt den Warlords das Fürchten. Ob die Open-World-Tour-de-Force aus dem Hause Avalanche Studios auch eine krasse Karosse oder eher eine kümmerliche Rostlaube ist, lest ihr in meinem PS4-Review.

Ey Mann, wo ist mein Auto?

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Die Story von Mad Max basiert eher lose auf dem Film, die Ausgangslage ist aber die gleiche: Max Rockatansky düst in seinem endzeittauglichen Ford Interceptor auf der Suche nach den Plains of Silence – einem utopischen Ort wo er seine Erlösung von seinen quälenden Albträumen zu finden, glaubt – durch das karge australische Ödland. Er wird von einer „War Party“ des Warlord Scabrous Scrotus, dem dritten und nicht minder psychopathischen Sohn Immortan Joes aus Mad Max: Fury Road, in die Mangel genommen und muss sich den „War Boys“ geschlagen geben. Max wäre allerdings nicht „Mad“, wenn er nicht bis zum letzten Atemzug versuchen würde, seinen treuen Interceptor zu beschützen.

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Scrotus ist ein Sack!

Verbissen kämpft er sich an Bord des Landmovers und liefert sich einen Standoff mit dem Stammesführer. Scrotus ist ein ziemlicher Sack und daher macht er die Drecksarbeit nicht selbst, sondern hetzt Herrn Rockatansky erstmal seinen Kampfhund auf den Hals.

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Als dieser von Max abgewehrt wird, tritt Scrotus ihn ohne Mitleid vom Laster und kümmert sich doch selbst um den verbissen kämpfenden „Road Warrior“. Es entbrennt ein unerbittlicher Schlagabtausch, in dessen Folge Max dem verrückten Clanführer seine eigene Kettensägenlanze in den Schädel rammt. Letzten Endes folgt er aber doch dem Hund nach und bleibt gebeutelt im Staub liegen. Hilflos muss er mitansehen, wie sein heiß geliebtes schwarzes Vehikel am Horizont immer kleiner wird.

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Auf den Hund gekommen!

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Als er irgendwann aus seiner Ohnmacht erwacht, rappelt er sich auf und tut das, was er am besten kann: Überleben! Zuerst will Wasser gefunden werden, um Max’ Durst zu stillen und ihm etwas Leben einzuhauchen. Zum Glück findet er unweit auch etwas Hundefutter und weil man in der Postapokalypse nicht wählerisch sein darf, stopft er sich den Glibber gierig in den Rachen. Neben diesen beiden lukullischen Leckereien verlängern maximal noch proteinreiche Maden Max’ Überlebenskampf. Kaum bei Kräften hört unser Recke nicht weit entfernt ein gequältes Jaulen – Scrotus getretenen Kampfhund. Als er diesem Wimmern nachgeht, sieht Max einen buckligen Ödländer, der in Dinki-Di sein schmackhaftes Abendessen sieht.

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Bevor der geschlagene Vierbeiner zu Hundesteak verarbeitet wird, reißt Max den Ödland-Quasimodo von ihm weg. Doch anstatt sich zu wehren, hat der Humpelnde, während Max ihn so unsanft anpackt, eine Vision. Er stellt sich als Chumbucket vor und erklärt Max, dass er in ihm den Propheten seines abstrusen, Auto-kratischen Kults gefunden zu haben meint, der seine blechgewordene Gottheit, das Magnum Opus vollendet und zum finalen Kampf gegen Scrotus und seine Gastowners führt. Weil Max mit dem Warlord ohnehin noch ein Hühnchen zu rupfen hat und seines getreuen Fahrzeugs beraubt schnell ein neues braucht, lässt er sich auf den wahnhaften Krüppel ein. Hier beginnt das eigentliche Abenteuer von Mad Max.

Engel mit gestutzten Flügeln

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Wie bereits erwähnt, wird es fortan unsere Aufgabe sein, Chumbuckets Magnum Opus zu vollenden. Da die Karre aber bei Mad Max erstem Lokalaugenschein nur aus einem Chassis mit Motor besteht, gilt es zu allererst einmal eine passende Karosserie zu besorgen. Die finden wir auf einem Schrottplatz der degenerierten Bussards, einer weiteren Gang im Wasteland. Neben diesen Gasmasken tragenden Stachelfetischisten treiben in der Wüstenlandschaft noch die Mitglieder der „Road Kills“ und die bereits erwähnten „War Boys“ von Scrotus ihr Unwesen. Solange unser treues Gefährt, die „Angel Combustion“, jedoch nicht mit etlichen Upgrades, die wiederum wertvollen Schrott – die Währung des Ödlandes – kosten, aufgewertet ist, sollten wir die adrenalingeladenen Dogfights mit den anderen Banden eher vorsichtig bestreiten.

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Wo wir schon von Upgrades sprechen: das Levelsystem von Mad Max ist einfach nur großartig und sehr umfangreich. Das Magnum Opus kann im Verlauf des Spiels mit etlichen Offensiv- und Defensivsystemen, Panzerungen, neuen und vor allem stärkeren V6 und V8 Motoren, Reifen, Aufhängungen, anderen Karossen und natürlich verschiedensten Verzierungen und Decals eurem persönlichen Spielstil angepasst werden. Besonders gelungen ist dabei die Erzengel-Sektion, die es erleichtert, unterschiedliche Konfigurationen eurer Benzinschleuder als „Preset“ einfach und schnell auszuwählen, umzubauen und für die entsprechende Aufgabe anzupassen.

Mad Max hat so ′nen Bart

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Auch euren Max dürft ihr nach Lust und Laune „verbessern“. Seien es stärkere Rüstungen, zusammenklamüserte Schlagringe, größere Munitionstaschen oder stärkere Schrotflinten. Natürlich gibt es auch rein kosmetische Anpassungen, wie einen Bart, Ölflecken und andere Kriegsbemalung im Gesicht oder eine stylisches Bandana samt Fliegerbrille. Auch eure Kampffestigkeit könnt ihr mit unterschiedlichen Kontern und Finishern verfeinern. Um im Ödland gegen die zahlreichen Feinde eine Chance zu haben, könnt ihr den Straßenkrieger auch noch mit passiven Upgrades wie höherer Lebensenergie, mehr regenerierter Gesundheit durch Hundefutter, effizienterem Spritverbrauch und etlichen anderen Verbesserungen verpassen.

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Und genau hier liegt die Besonderheit im Leveling. Um diese Eigenschaften zu verbessern braucht ihr sogenannte „Griffa Tokens“, die ihr durch das meistern diverser Herausforderungen oder unterschiedlicher Rennen erlangt und nicht nur durch schnödes XP-Farming.

Öde Aufgaben

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Zugegeben, die Story und auch allgemein die Beweggründe von Mad Max, sich durch das Wasteland zu kämpfen, sind ziemlich generisch: eine klassische, relativ flache Rachestory ohne wirkliche Wendungen und auch das Finale fällt sehr schnell sehr stark ab! Die Storymissionen sind zwar, dank der wunderbar ins dystopische Setting passenden Haupt-Charaktere – besonders Chumbucket sei hier erwähnt – und aufwendig geschnittenen Zwischensequenzen, einigermaßen schön inszeniert. Die sonstigen Aufgaben wiederholen sich aber bis zum Erbrechen. In jedem der vier großen Herrschaftsgebiete eurer Verbündeten, samt deren Subregionen, müsst ihr das Bedrohungslevel senken, indem ihr beispielsweise schreckliche Totems niederreißt, Konvoirouten „befriedet“, Scharfschützen von ihrem hohen Thron holt oder – und das habe ich als ganz besonders nervig empfunden –Minenfelder aufspürt und entschärft.

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Spaß bereiten hingegen die Befreiungen der Lager. Dort müsst ihr entweder Ölpumpen und Transfertanks in die Luft jagen, die Armee von Scrotus Speichellecker „Stank Gum“ dezimieren oder einen von Scrotus besonders starken „Top Dogs“ zum Duell fordern. Das macht Laune und lockert das immer gleiche Abgrasen der Locations etwas auf. Auf euren Treks durch das Ödland seid ihr außerdem immer auf der Suche nach plünderbaren Behausungen und Camps und manchmal findet ihr darin Teile, um die Festungen eurer Mitstreiter auszubauen, was euch bei jedem Besuch die Wasser- und Munitionsvorräte aufstockt und Lebenssaft wiederherstellt. Alles in allem sind diese repetitiven Aufgaben aber wohl für die meisten, die nicht wie ich zu den Komplettierungsfanatikern zählen, sehr ermüdend. Etwas Abwechslung in Form von weiteren Nebenquests hätte da schon noch gut getan.

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Ottfried Fischer meets wonderful Wasteland

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Wie es in Games dieser Bauart üblich ist, ist die Open World der eigentliche Star und so unglaublich sich das jetzt anhören mag, das Ödland ist landschaftlich echt sehenswert. Angefangen bei mit Schiffswracks übersäten, ausgetrockneten Meeren, über zerrüttete, bergige Landschaften, ruinösen Highways samt verfallenden Überbleibseln früherer Behausungen bis hin zu der beeindruckend düster gestalteten Dump mit ihrer bedrohlich flammenspeienden Gastown-Raffinerie bietet das ganz und gar nicht öde Outback einiges. Der Himmel ist egal zu welcher Tages- und Nachtzeit extrem ansehnlich. Die Effekte von voluminösen Staubwolken, die ihr auf euren Querfeldein-Trips hinterlasst, genauso wie das absolut atemberaubende Feuer, das samt dichtem Rauch aus ausgebrannten und von Max verschrotteten Fahrzeugwracks züngelt und nicht zuletzt die apokalyptischen Stimmungen, die ein gewaltiger Sandsturm heraufbeschwört, sind wahre Augenweiden.

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Selbiges kann man zumindest von den (Gesichts-)Animationen der Charaktere nicht behaupten. Auch wenn die Nahkämpfe in die ihr laufend verwickelt werdet, sehr brachial und extrem brutal im WWE-Stil zur Schau gestellt sind und mit markigen Knochen- und Wirbelbruch-Sounds inszeniert werden, sind die Bewegungen selbst ein bisschen hakelig animiert und von butterweicher Grazie meilenweit entfernt. Besonders in den Zwischensequenzen von Mad Max könnte man meinen, dass fast alle Storycharaktere den einen oder anderen Schlaganfall erlitten und ihr mimisches Ausdruckspotenzial von Ottfried Fischer erlernt haben.

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Fazit:

Mad Max ist ein gelungenes, wenngleich auch nicht perfektes Open-World-Spiel, in welchem sich Publisher Warner Bros. Interactive bei einigen Spielelementen an hauseigenen Titeln bedient. Die öden und sich bis zum Erbrechen wiederholenden Pflichtaufgaben sind aus Mittelerde: Mordors Schatten herübergewandert und das Freeflow-Kampfsystem der Batman: Arkam-Reihe entlehnt.

Mad Max macht aber auch vieles anders, als die bewährten Marken und geht mit genügend eigenen und vor allem coolen Spielideen, wie dem umfangreichen Charakter- und Fahrzeug-Upgrade-System oder den actiongeladenen Wasteland-Dogfights mit den abgefahrenen, postapokalyptischen Kutschen an den Start. Die grafische Präsentation hat einige sehr schöne Momente und weiß in Summe – vor allem durch das verhältnismäßig abwechslungsreiche Ödland – zu überzeugen.

Einen Abzug gibt es aus technischer Sicht aber dennoch, denn vor allem gegen Spielende geht die Framerate bei Mad Max oft in den Keller und spielt dort vermutlich mit den Bussards Karten, denn solche Aussetzer ziehen sich teils minutenlang.

In Summe hatte ich aber großen Spaß an Mad Max und habe es so sehr genossen, dass ich mir wirklich jeden Winkel des australischen Ödlands angesehen und – soweit man das so nennen kann – abgegrast habe. Wer über großteils repetitive Aufgaben hinwegsehen kann, beziehungsweise sie auf eine paradoxe Art und Weise, so wie ich, genießt, dem sei diese dystopische Tour-de-Force ans Herz zu legen, wenn er oder sie auf effektgeladene Action und überzeugende postapokalyptische Schauplätze steht und in seinen/ihren Adern verbleites Benzin fließt.

Wertung: 8.5 Pixel

für Mad Max (PS4) im Test