The Last of Us Remastered (PS4) im Test

von postbrawler 08.09.2014

Joel und Ellie geben ein tolles Team ab

Last-Gen strikes back

Wie viel wurde nicht schon diskutiert über die Geschäftemacherei der Publisher: Billige, lauwarme Aufgüsse vergangener Spieleperlen werden mit kaum bis gar keinem Aufwand „remastered“ und für schlappe 50 Euro noch einmal auf den Markt geworfen. Was Lou Bega schon mit Mambo No. 5 machte, kann doch auch hier nicht verkehrt sein. Und seien wir mal ehrlich: Wer hat nicht schon als stolze/r BesitzerIn einer PS4 insgeheim darauf gehofft, die alte Spielebibliothek wieder zu entmotten, um lieb gewonne Charaktere und Geschichten vergangener Tage erneut zu sehen bzw. erleben zu können? Daher mag es naheliegend sein, dass The Last of Us, ein Spielejuwel der PS3-Ära, auch SpielerInnen der PS4 zur Verfügung gestellt wird. Doch ein „remastered“ im Namen will auch verdient sein.

Rechtfertigt „remastered“ ein Vollpreisprodukt?

An der Qualität der Vorlage besteht dabei kaum ein Zweifel: The Last of Us war das letzte große Werk von Adventure-Spezialist Naughty Dog (den MacherInnen der Uncharted-Serie), das exklusiv für die PS3 erschien und sowohl SpielerInnen als auch FachkritikerInnen gleichermaßen begeisterte: eine zum Schneiden dichte Atmosphäre, glaubhafte ProtagonistInnen und eine Grafik, die das letzte bisschen Lebenssaft aus der alternden Hardware herauszupressen vermochte. Um dem Erfolg gerecht zu werden, spendierte man dem Spiel in der PS4-Variante Full-HD-Auflösung, 60 FpS, und hie und da ein paar knackigere Texturen. „Next-Gen“ wird daraus zwar immer noch nicht, aber ein kleiner Schritt zur Anerkennung des Prädikats „remastered“ ist schon einmal getan. Zusätzlich legte man dem Paket den Story-DLC Left Behind bei – easy win! Zu guter Letzt dürfen sich die Fans noch über einen wenig innovativen, dafür sehr praktischen und spaßigen Fotomodus, der es erlaubt, einfach Screenshots direkt aus dem Spiel heraus zu machen, freuen. Fertig ist ein Gesamtpaket, das zum Preis eines Blockbuster-Vollpreistitels angeboten wird. Hier offenbart sich die Zweischneidigkeit des Schwertes: Ich habe The Last of Us auf der PS3 nicht gespielt – für mich hat sich die Investition in die PS4-Version und das Warten darauf also gelohnt. Wer aber das Original schon besitzt und nicht jedes Mal seine PS3 hervorkramen möchte, um es zu spielen, wäre mit einer Upgrade-Option für weniger Geld besser bedient.

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Alte Bugs und neue Tücken

Mit den genannten Neuigkeiten ist schon fast alles gesagt, was es zu The Last of Us Remastered zu sagen gibt. Da sich das Spiel als Vollpreistitel eher an NeueinsteigerInnen richtet, sei hier nochmals kurz auf die Handlung eingegangen. The Last of Us spielt in einem fiktiven Nordamerika der nahen Zukunft, in dem fast alle Menschen durch einen mysteriösen, pilzartigen Virus dahingerafft oder in umhertorkelnde Zombies verwandelt wurden. Der griesgrämige Mittvierziger Joel führt als einer der wenigen Überlebenden eine Existenz als Waffenschieber und Söldner. Dabei bringt ihn das Schicksal mit Ellie, einem Mädchen im Alter Joels tragisch verunglückter Tochter, zusammen, die er im Auftrag einer mysteriösen Widerstandsbewegung aus der Stadt eskortieren soll. So entfaltet sich ein dramatischer, vielschichtiger und wendungsreicher Plot rund um das ungleiche Duo, der für gut 20 Stunden Spielzeit (inklusive der Spieldauer von Left Behind) großartig unterhält.

Technisch ist The Last of Us Remastered ein schönes Spiel, das stimmige Landschaften, glaubhafte Emotionen und knallharte Action auf die Mattscheibe zaubert. Jedoch trüben einige Patzer das sonst makellose Spielerlebnis: Die unbarmherzige Steuerung beispielsweise wurde leider unangetastet in die PS4-Variante übernommen, und auch Probleme wie in der Ferne aufpoppende Gegenstände, unschöne Clipping-Fehler oder flackernde Beleuchtungs-Bugs haben es in die Portierung geschafft. Mangelhafte Gegner-KI verzeiht man einem Zombiespiel noch eher, aber ein bisschen mehr Mühe hätten sich die EntwicklerInnen bei der einen oder anderen Schwachstelle des Originalspiels schon machen können. Dass der Motion-Controller der PS4 nun zum gelegentlichen Wachrütteln der Batterien in Joels Taschenlampe herhalten muss, wirkt in Anbetracht sonstiger Altlasten fast schon wie ein schlechter Witz.

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Fazit Bernhard:

Als Neueinsteiger konnte ich dem Zauber der Erzählung dieses zu Recht als „Meisterwerk“ bezeichneten Spiels voll und ganz verfallen. Die nicht ganz „Next-Gen“-gerechte Grafik, die portierten Bugs oder eine zu kurze Add-on-Spielzeit zu monieren ist Jammern auf extrem hohem Niveau. Für mich hat The Last of Us Remastered mitten ins Schwarze getroffen und meine Erwartungen voll erfüllt. Wäre auch noch etwas mehr Energie in die Politur der wenigen Mängel geflossen, könnte ich mir künftig auch Einleitungen wie die obige ersparen. Dennoch sei The Last of Us Remastered allen ans Herz gelegt, die das Original noch nicht kennen.

Fazit Max (Original gespielt):

The Last of Us ist zweifelsohne ein großartiges, wenn nicht sogar das besterzählte Spiel, das die Konsolenwelt bis dato sehen durfte. Tief greifende Emotionen – ich persönlich habe beim Intro sogar Tränen in den Augen gehabt –, geile und nun durch die PS4 sogar noch leicht verbesserte Grafik, kurz: ganz großes Gaming-Kino. Im Gegensatz zu meinem geschätzten Kollegen Bernhard hatte ich aber schon das Vergnügen, den Titel vergangenes Jahr auf der PS3 zu spielen. Fast schon beneide ich ihn, dass er dieses Meisterwerk kürzlich zum ersten Mal – denn nur dann ist es eine wirkliche Offenbarung – in aufpolierter Optik erleben durfte. Und da liegt genau der Hund begraben: Das Spiel kam erst vor einem guten Jahr heraus, und auch der Story-DLC „Left Behind“ ist noch nicht allzu alt. Das Spiel ist nach wie vor dasselbe, es enthält lediglich alle bisherigen DLCs. Diese Tatsache rechtfertigt selbst für ZockerInnen der PlayStation-3-Version, an denen diese bisher vorbeigegangen sind, den Kauf zum Vollpreis nicht. Vielleicht wäre meine Meinung hierzu anders, wenn es eben nicht erst ein Jahr her wäre und die grafische Überarbeitung mehr als eine erhöhte Hertz-Zahl und höher aufgelöste Texturen bieten würde. Zum jetzigen Zeitpunkt und zum Preis von knapp 60 Euro lohnt dieser Second Flush nicht.

Wertung: 9 Pixel

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