Landwirtschafts-Simulator 15 (PS4) im Test

von Michi Haid 15.07.2015

Publisher astragon und das unabhängige Entwicklerstudio Giants Software haben es sich auch dieses Jahr nicht nehmen lassen und einen neuen Landwirtschafts-Simulator-Ableger auf den Markt gebracht. Dieses Mal erscheint die Simulation des agrikulturellen Lebens auch für die neueste Konsolengeneration, man kann sich also gemütlich auf die Couch legen und von dort aus den Traktor über das Feld jagen.

Um nicht unter die Räder der Zeit zu kommen und die Spielerschaft bei der Stange zu halten, hat man das Spiel um einige neue Features erweitert. Zum Beispiel wurde der Fokus auf einen komplett neuen Aufgabenbereich gelegt: die Forstwirtschaft. Wem das Grubbern, Pflügen, Säen, Düngen, Ernten, Abtransportieren, Kühe- und Schafefüttern, Eierverkaufen oder Rasenmähen zu wenig abwechslungsreich ist, der darf sich in den Wald begeben und Bäume abholzen, was die Motorsäge hergibt. Passend dazu wurden auch die realistischen Abbilder forstwirtschaftlicher Maschinen und Werkzeuge in das Spiel implementiert. Das Ergebnis sind beachtliche 48 lizenzierten Marken sowie mehr als 100 originalgetreue Fahrzeuge und Geräte.

Doch kommen wir nochmals zurück zum Wald, der bekanntlich voller Bäume ist. Um sich an der Schnitzerei zu erfreuen, geht es auf eine der beiden verfügbaren Karten (die skandinavische Landschaft Bjornholm oder das amerikanische Westbridge Hill). Der Unterschied ist, dass Westbridge Hill kleiner als Bjornholm ist und auch keine Forstwirtschaft anbietet. Dafür gibt es jedoch größere Äcker, und man kann sich auf dem Feld richtig austoben. Wer sich jetzt aber als ForstwirtIn betätigen will, reist nach Bjonrholm, kauft sich eine Motorsäge und geht Leatherface-mäßig im Wald ab. Bäume werden gefällt und Äste entfernt, ehe es für den Baumstamm „ab damit zum Sägewerk“ heißt. Für sauber geschnittene Baumstämme gibt es mehr Kohle als für schlechte Schnittarbeit. Der Rest vom Schützenfest wird zum Biomasseheizwerk transportiert und dort gegen Bares eingetauscht. Wer beim Landwirtschafts-Simulator 2013 schon den Forstwirtschafts-Mod ausgetestet hat, dürfte bei der Bedienung der dazugehörigen Fahrzeuge und Geräte keine Probleme haben. Gehört ihr aber zu den Neulingen unter den ForstwirtInnen, dann werdet ihr einiges an Zeit in die Steuerung und korrekte Kontrolle der Fahrzeuge investieren müssen. Hier bedarf es einer Einarbeitungszeit – besonders bei Geräten wie dem Scorpionking Harvester. Wenn ihr dieses kostspielige Monstrum aber einmal im Griff habt, läuft das Fällen und Entasten der Bäume automatisch ab. Ihr müsst dann nur noch die gewünschte Schnittlänge einstellen.

Wer den Landwirtschafts-Simulator noch nie zuvor gespielt hat, kann sich zwar mittels Tutorial einen groben Überblick über einige der wichtigsten Features verschaffen, wie aber alles wirklich miteinander zusammenhängt, muss man sich selbst mühsam beibringen. Auch die Bedeutung der Symbole auf der Übersichtskarte muss man erst entschlüsseln, indem man mit dem Traktor mit 40 km/h über die Straßen fegt und jeden einzelnen Punkt ansteuert. GTA-Spieler werden auch Optionen wie das Setzen einer Markierung auf der Karte vermissen, um sich besser orientieren zu können.

Genug vom Aufguss

Grundsätzlich muss man sagen, dass sich beim Sprung vom Landwirtschafts-Simulator 2013 auf 2015 nicht allzu viel verändert hat. Die Forstwirtschaft erweitert zwar insgesamt den Tätigkeitsbereich des/der Hobbylandwirts/-in, dafür werden andere Dinge im Spiel schon zu lang unverändert präsentiert. So müsst ihr die Schafe nicht per Hand scheren, und die Milch der Kühe wird automatisch abgezapft und verkauft. Die Tiere werden frei Haus geliefert und müssen (oder dürfen) nicht vor Ort abgeholt und zum Bauernhof transportiert werden. Die Präsentation abseits vom Feld ist ebenfalls gewohnte Kost: Hie und da fährt ein Auto vorbei, und die Bevölkerung flaniert geisterhaft entlang ihrer eingeschränkten Wege. Auch die Implementierung eines Radios wäre vielleicht eine willkommene Abwechslung vom Alltag gewesen.

Hochglanz, bitte!

Auf der Habenseite steht die eindrucksvolle Fahrzeug- sowie Gerätegrafik. Auch der Motorensound der unterschiedlichen Traktoren und Vollernter, die sich wunderschön voneinander unterscheiden lassen, sprechen für sich. Dem Schmutz im neuen Landwirtschafts-Simulator 15 gebührt eine besondere Hervorhebung. Je länger man mit dem Traktor auf dem Feld unterwegs ist, umso schmutziger wird dieser. Wer bei seinem Fuhrpark Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt, kommt nicht um den Kauf eines Kärcher-Hochdruckreinigers herum – dieses Feature gab es jedoch auch schon im 2013er-Ableger als herunterladbaren Mod. Wer sich von diesem Gerät einen Reinigungssimulator erwartet, wird zudem enttäuscht sein: Einmal um das Fahrzeug zu laufen reicht, um dem Schmutz den Garaus zu machen. Dennoch finde ich Idee an und für sich recht nett.

Fazit

Alles in allem zeigt sich der Landwirtschafts-Simulator 15 in gewohnter Manier. Die gute Grafik und ein überzeugender Motorensound gehörten schon immer zu den fetten Pluspunkten dieses Spiels. Dazu hat es jetzt mit der Forstwirtschaft auch ein neuer Arbeitsbereich in das Spiel geschafft, der nicht nur für Abwechslung, sondern auch für eine alternative Geldquelle sorgt. Da viele Neuerungen bereits im Vorgänger durch herunterladbare Mods spielbar sind, wird sich für Landwirtschafts-Simulator-VeteranInnen die Frage stellen, ob sie sich diesen Teil unbedingt kaufen müssen. SpielerInnen, die ihre ersten Schritte im Simulationsgenre wagen, können bei diesem Titel aber bedenkenlos zugreifen und sich auf den virtuellen Traktor schwingen.

Wertung: 8 Pixel

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