Hellmut: The Badass from Hell im (Switch) Test – frustrierender Rogue-Lite-Klon

von David Kolb 27.06.2019

Hellmut: The Badass from Hell ist ein Rogue-Lite-Dualstickshooter, wie man ihn auf Steam zigfach bereits kennt. Was im Kern ein solides Spiel ist, endet durch den unausgegorenen Schwierigkeitsgrad in Frustration.

Viele Indie-Fans, wie auch ich einer bin, werden verträumt an die frühen 2010er Jahre zurückdenken. 2010 befand sich Minecraft noch in einer frühen Alpha und ein bisschen später erschienen Indie-Hits wie Bastion, The Stanley Parable, Don’t starve, Hotline Miami oder The Binding of Isaac. Jeder Steamsale wurde von mir damals noch bejubelt und eifrig mitverfolgt. Der gerade laufende Summersale zieht an mir bedeutungslos vorbei. Das hat einen Grund, denn die damalige Indieszene brüstete sich mit frischen Ideen, aber auch einem knackigen Schwierigkeitsgrades abseits des Mainstreams.

Spieleschwemme

Für mich persönlich war es eine sehr interessante Zeit, mit vielen neuen Entwicklungen. Es war damals noch spannend und interessant einmal pro Woche auf Steam zu schauen und nach neuen Spieleperlen zu tauchen. Ja, das ist eine verklärte Ansicht meinerseits, denn schon damals war bei weitem nicht als rosig und auch heute gibt es noch viele neuartige Entwicklungen. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass wir heute eine Spieleschwemme haben, wo viel kopiert, ja sogar geklont wird.

Zu oft gesehen

Und warum erzähle ich euch das alles? Weil heutzutage gefühlt jeder zweite Indieentwickler an einem Metroidvania-Puzzlegame oder einem Rogue-Lite arbeitet. Früher habe ich mich über Binding of Isaac und Hotline Miami gefreut, die originelle Ansätze und kreative Ideen bzw. auch einen harten Schwierigkeitsgrad mit sich brachten. Heute gibt es viele unoriginäre Klone und einer davon ist Hellmut: The Badass from Hell. Auf den ersten Blick kein schlechtes Spiel, bin ich schon nach kurzer Zeit mehr als gesättigt und ich werde euch auch erklären warum das so schnell ging.

Helmut wird zu Hellmut

Um das zu beschreiben, beginnen wir ganz am Anfang, kurz nachdem ich das Spiel auf meiner Switch gestartet habe. Dann nämlich sehe ich in typischer 16-Bit-Retrokulisse den Wissenschaftler Helmut. Der strebt nach ewigem Leben und bekommt das auch von einem Dämon geschenkt. Immer wenn Helmut stirbt wird er wiederbelebt, allerdings dabei in alle Einzelteile zerlegt, was ihm natürlich nur wenig weiterhilft. Durch das „Auge des Ka-Ra“, einem weiteren Monster, bekommt er einen neue Form als fliegender Schädel mit offengelegter Wirbelsäule und Gehirn. Ab diesem Zeitpunkt (ca. nach fünf Minuten) ist die Story im Prinzip gänzlich zu ignorieren. Es gibt keine Twists, keine wirkliche Handlung, ich werde im Laufe des Spiels von endlosen Monsterhorden angegriffen, that’s it. Das Spiel lässt die Story sausen und konzentriert sich also voll und ganz aufs Gameplay.

Wandlungsfähiger Hellmut

Im Tutorial lerne ich die Steuerung und die genannten Hintergründe, des nun verwandelten Hell Mutants Hellmut kennen. Es wird schnell klar, dass das freiliegende Gehirn, plus Wirbelsäule nicht die beste Gestalt ist,um zahllose Dämonen niederzumetzeln. Deshalb bekommt Hellmut von Ka-Ra zwei ganz neue Hüllen spendiert, den Rat King und das Stitchmonster. Das ist ein cooler Ansatz, denn von Beginn an habe ich dadurch mehrere taktische Möglichkeiten. In der Form des Rattenkönigs schieße ich aus einer Schrotflinte besagte Ratten auf meine Feinde. Die Hülle hat außerdem auch mehr Lebenspunkte als Hellmut und kann mit seinem Spezialangriff drei explosive Ratten abfeuern. Gerade in engen Räumen lässt sich gut mit dieser Form kämpfen.

Eigentlich ziemlich cool…

Das Stitchmonster spielt sich dagegen anders, weil es riesig ist und sehr an Frankensteins Monster erinnert. Der Koloss verfügt über bedeutend mehr Lebenspunkte, ist aber auch um einiges langsamer und träger. In der Hülle des Stitchmonsters werfe ich Hämmer auf meine Gegner und presche mit einem Ansturm-Tackle in gerader Line durch die Feindlinien. Im Laufe des Spiels bekomme ich noch mehr Hüllen, die teilweise mehr, teilweise weniger ausgefallen sind, aber sich zumeist angenehm voneinander unterscheiden. Die Hüllen sind am Blatt Papier eine gute Idee, die leider nicht gut umgesetzt wurde.

… ändert aber doch nichts

Egal mit welcher Hülle ich gerade Monster verkloppe, es fühlt sich schon nach kurzer Zeit monoton und immer gleich an. Das liegt vor allem daran, dass ich ständig durch zufällig generierte,  verschachtelte Gänge laufe, zig Monster dabei abknalle und am Ende einen hammerharten Bossfight vor der Brust habe. So fantasievoll die Hüllen auch sein mögen, die Gegnerwellen entwerten die eigentliche Vielfalt und der Schwierigkeitsgrad ist bockschwer und leider unausgegoren. Dadurch entsteht ein Dualstick-Shooter inklusive Bullet Hell, wo es mir an Abwechslung fehlt und ich schon sehr bald frustriert am Gamepad sitze. In jedem neuen Raum kommen wieder neue Gegner und das Spiel geht wieder von vorne los – immer und immer wieder. Im Gegensatz zum guten Enter the Gungeon, gibt es keine Ausweichrolle oder ähnliches. Dadurch muss ich Hellmut wahnsinnig exakt durch die dutzenden Kugeln und Geschosse durch manövrieren und so versuchen dabei nicht getroffen zu werden. Das ist mühsam und so wird mir das Gameplay mit der Zeit zu anstrengend.

Verschwindender Loot

Noch dazu kommt, dass alle Feinde Münzen und Kristalle fallen lassen, die aber nach kurzer Zeit blinkend verschwinden. Mit diesen Items leiste ich mir im Shop neue Waffen mit beschränkter Munition, Gesundheitspacks und sogar eine Wiederbelebungsmünze. Ich lerne schnell, dass diese Hilfsgegenstände bitter nötig sind, ich aber durch das verschwinden von Münzen und Kristallen sehr offensiv spielen muss, da ich diese ansonsten nicht aufsammeln kann. Was eigentlich eine clevere Gameplayidee ist, verkommt mit dem harten Schwierigkeitsgrad zu einem unangenehmen Balanceakt, wo ich mich oft um meine Beute betrogen fühle.

Hellmut: The Badass from Hell Fazit

Jede Form, die ich Hellmut hinzufüge gibt mir quasi ein neues Extraleben, mit der man sterben kann und dann mit der nächsten Form weiterspielt. Dadurch kommt ein wenig Taktik in Spiel und auch die Angriffsmuster der Monster bleiben immer gleich und sind somit fair. Durch die zufällige Gegnerkonstellation und die schiere Masse stoße ich aber trotzdem schnell an meine Grenzen und dann bleibt auch der Spielspaß schnell auf der Strecke. Es wirkt dann ganz einfach unausgegoren und durch den Zufall auch wenig befriedigend. Ich kann Hellmut: The Badass from Hell niemandem wirklich empfehlen. Es ist im Grund nicht unfair aber bockschwer und bei einem Tod geht es ganz von vorne wieder los. Wie mein Kollege Mandi schon geschrieben hat, können nur wirkliche Hardcore-ÜberlebenskünstlerInnen hier für 30 Euro zugreifen.  Weniger masochistisch veranlagte Menschen, die das Genre interessiert, sollten bei Enter the Gungeon, The Binding of Isaac oder dem Musikbeat orientiertem Crypt of the NecroDancer bleiben. Von den gefühlt hundertausend Rogue-Lite-Klonen habe ich vorerst einmal genug.

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