Schweben und Fliegen – der uralte Traum der Menschheit geht in Gravity Rush 2 in Erfüllung. Als Kat könnt ihr die Gravitation fast nach Belieben manipulieren. Ob es ein ruhiger Flug oder eine Bruchlandung wird, lest ihr in diesem Review!

Worum geht’s in Gravity Rush 2?

Ihr beginnt das Spiel als selbsternannte Gravitationskönigin Kat. Sie und ihr Partner Syd wurden durch einen Gravitationssturm zu einer Siedlung geschleudert. Als Mitarbeiter wider Willen für den hiesigen Erzabbau müssen sie sich erst langsam in die Gemeinschaft einfinden. Schnell wird klar, dass hier etwas nicht stimmt.

Eure Hauptheldin ist es nämlich absolut nicht gewöhnt, der planetaren Anziehungskraft zu unterliegen. Sie kann nämlich nur mit ihrem treuen Sternenkater Dusty die Gravitation beeinflussen. Den hat Kat allerdings unterwegs verloren, und so bietet sich euch ein gemächlicher Einstieg. Gemeinsam mit Syd lernt ihr den losen Zusammenschluss von Banga kennen.

Dort hat die Anführerin Lisa das Sagen. Hinter ihrer rauen Schale verbirgt sich eine dramatische Geschichte, und es liegt an euch, sie zu enthüllen. Nach etwa einer Stunde Spielzeit befindet ihr euch mitten im Geschehen, Kats alte Kräfte erwachen wieder und die Action geht so richtig los. Wie das genau aussieht, seht ihr hier:

Das Grundprinzip des Schwebens

Kat, die ursprünglich aus Hekseville stammt, möchte unbedingt wieder dorthin zurück. Einerseits, da nur das Zuhause wie ein Zuhause wirkt, und andererseits ist sie auf der Suche nach Raven. Raven ist ihre Partnerin und engste Freundin – die Motivation zum Aufbruch ist also gegeben. Dazu heißt es allerdings Quests erledigen, bis die Tasten glühen.

Im Prinzip steuert sich Gravity Rush 2 zu Beginn wie ein normales Action-Adventure. Ihr bewegt euch frei in der Welt herum, könnt springen, treten und euch an Kanten hochziehen. Nach der Freischaltung eurer Gravitationskräfte jedoch bekommt ihr links oben einen neuen Gravi-Meter hinzu. Dieser lässt euch, solange er gefüllt ist, mit der Gravitation spielen.

Mit einem Druck auf R1 könnt ihr nämlich sofort in einen Schwebezustand wechseln. Drückt ihr erneut auf die Taste, fliegt ihr in diese Richtung – ein weiterer Druck lässt euch wieder still schweben. Mit der X-Taste könnt ihr schneller fliegen, mit der Quadrat-Taste einen schnellen Angriff ausführen. Alles kostet Energie, und ist diese leer, fallt ihr in die vorgesehene Richtung gen Boden.

Quelle: Sony

Nur Fliegen ist schöner

Während des freien Falls in die „richtige“, also unmanipulierte Richtung lädt sich eure Energie in kurzer Zeit wieder auf. Das bedeutet, dass ihr für eine Zeit lang kerzengerade nach oben fliegen könnt, dann kurz einen Absturz zum Aufladen hinnehmt und sofort wieder nach oben düsen dürft. Das gibt dem Ganzen einen taktischen Touch.

Vor allem in Kämpfen gegen die fiesen Nevi und andere Ungetüme müsst ihr den Balken im Griff haben. In Gravity Rush 2 schwebt nämlich jede Stadt und jede Umgebung, was euch einen Vorteil verschaffen kann. Ihr könnt sogar Hausmauern hinauflaufen oder euch unter eine Insel stellen, indem ihr einfach die Gravitation umkehrt.

Was im Freiflug-Modus wunderbar funktioniert, wird spätestens mit 15 Gegnern schon knifflig. Die Kamera verdeckt euch die Sicht in engen Passagen gerne, und ansonsten holt sie Kat zu weit heran. Fakt ist: In Gravity Rush 2 fehlt euch bisweilen der Überblick. Für ein Game, das euch komplette Bewegungsfreiheit verspricht, ist das ein Makel.

Quelle: Sony

Prügeln, fallen, prügeln

Die Ideen im Spiel sind wirklich gut, dem ist gar nichts hinzuzufügen. Da gibt es einen eingebauten Kamera-Modus, dank dem ihr wie in Final Fantasy XV ein Fotobuch anlegen könnt. Auch in manchen Missionen sind Fotos Pflicht, ihr könnt an diesem Feature gar nicht vorbei. Aber auch geheime Schätze und versteckte Goodies sind in der offenen Spielwelt zu finden.

Gravity Rush 2 bietet euch all das und noch mehr. Schleichmissionen, in denen ihr unentdeckt bleiben müsst oder Speedruns auf Zeit gilt es ebenfalls zu absolvieren. Schade ist es jedoch nur, dass die Schleichmissionen euch quasi verbieten, die Gravitationskraft zu benutzen. Für das Entlanglaufen mancher Wände ist sie gut, aber fliegen dürft ihr niemals.

Die Storymissionen sind ebenfalls gut durchgemischt, sie haben allerdings ein wiederkehrendes Thema. Ihr werdet meist mit einer Unzahl an Fieslingen konfrontiert, die ihr zu verprügeln habt. Das ist die ersten vier, fünf Stunden lustig, doch danach wird es zu einer Qual. Dazu kommt, dass ihr manche Herausforderungen nicht schaffen könnt.

Quelle: Sony

Ein Geschwindigkeitsproblem

Gravity Rush 2 lässt die Heldin Kat gerne da und dort scheitern. Für euch als SpielerIn ist das eine Designentscheidung, die an eurer Motivation nagt. Ihr habt alles richtig gemacht, und trotzdem verliert ihr den Kampf? Solche kritischen Momente kann ein Spiel höchst zwei Mal vertragen, und auch nur an Wendepunkten in der Story. Gravity Rush 2 spielt nur zu gerne mit dieser Eigenart.

Das actionreiche Spielprinzip mit hoher Geschwindigkeit passt gut und ihr gewöhnt euch rasch daran. Es wechselt sich dann aber mit gemütlichen Foto-Shootings oder Suchmissionen ab. Dieser Tempowechsel mag für manche willkommen sein, für andere ist er nur nervig. Ebenso ist der Quest-Cursor teils aktiviert, und bei manchen Missionen nicht.

Das ist eine fiese Entscheidung der Designer. Da die Karte mehr als 2,5 Mal so groß ist wie im Vorgänger, sind natürlich auch die Städte und Umgebungen größer geworden. Ein Marker zeigt euch oft das nächste Ziel an, manchmal aber auch nicht. Dann gilt es, die BewohnerInnen zu befragen. Das nimmt meiner Meinung nach wieder unnötig Tempo aus dem Game.

Quelle: Sony

Combos und Action sondergleichen

Genug gelästert: Gravity Rush 2 macht den Action-Teil ziemlich gut. Abgesehen von der nervösen Kamera, die euch bei manchen Manövern die Sicht raubt, macht dieser Part mit Abstand am meisten Spaß. Ihr prügelt euch mit Kat durch Horden von Gegnern, könnt sie mittels Gravitationsumkehr einfach wegschleudern und mehr.

Durch das kluge Level-up-System im Spiel könnt ihr Kombinationen verstärken. Es bleibt euch überlassen, ob ihr Schläge aus der Luft, am Boden oder eure Spezialattacken aufwertet. Blaue, rote und grüne Kristalle können auch im Kampf eure Gravitationskraft, eure Spezialleiste und euer Leben auffüllen. Es ist in manchen Missionen kritisch, diese zu sammeln.

Die Hauptstory wird in comichafter Erzählung vorangetrieben. Die Vertonung ist mit Lauten versetzt, da braucht es keine Übersetzung. Egal, welche Mission ihr in Gravity Rush 2 spielt, ihr werdet immer mit passender musikalischer Untermalung versorgt. Der Stil ist eher elektronisch angehaucht und trifft die Anime-Optik sehr gut.

Quelle: Sony

Online-Missionen und Herausforderungen

Spielt ihr grade nicht an der Hauptstory weiter, könnt ihr euch an über 50 Nebenmissionen versuchen. In diesen Nebenmissionen könnt ihr euch eigene Belohnungen wie verstärkende Talismane verdienen. Sie sind zwar nicht notwendig, nützlich sind sie jedoch allemal! Damit nicht genug, gibt es auch etwas, was Gravity Rush 2 einen asynchronen Mehrspielermodus nennt.

In diesem könnt ihr beispielsweise den Highscore von anderen SpielerInnen knacken, was das Abbauen von Erz betrifft. Auch das Fotoshooting hat es in den Online-Modus geschafft. Hier gilt es, das schönste Foto zu schießen, was andere bewerten können. Auch Herausforderungen sind mit von der Partie.

Es kann genauso vorkommen, dass ihr ein Foto von jemand anderem seht. Das könnte ein interessanter Ort sein, nach Schätzen Ausschau zu halten. Der Wechsel zwischen Offline- und Onlinespiel gestaltet sich nahtlos. Genauso reibungslos und flüssig spielt sich Gravity Rush 2 selbst, technisch ist hier alles sauber gehalten.

Quelle: Sony

Gravity Rush 2: Flug mit Turbulenzen

Auch, wenn ihr den Vorgänger nicht gespielt habt, macht dieses Spiel Sinn. Ihr werdet ganz sachte an das Thema herangeführt, und das Tutorial macht euch zu MeisterInnen der Gravitation. Die Geschichte an sich ist nicht sonderlich erwähnenswert – sie wird comichaft vorgetragen und wartet mit so mancher Überraschung auf.

Während der Abwechslungsreichtum der Spielmodi grundsätzlich gegeben wäre, schafft es Gravity Rush 2 nicht ganz, ihn einzusetzen. So wirken die Missionen eher willkürlich aneinandergewürfelt, was euch teils aus dem Spielrhythmus reißen kann. Optisch sowie akustisch hält sich der Titel einwandfrei und kann bestimmt neue Fans begeistern.

Gravity Rush 2 lässt sich am besten genießen, wenn ihr es nicht stundenlang in einer Session spielt. Die Kämpfe gegen zahllose Gegner und die teils überforderte Kamera machen manche Missionen anstrengend. Dafür gewinnt das Spiel bei der Bewegungsfreiheit und der kreativen Gravitations-Manipulation. Fans des ersten Teils und Action-HeldInnen dürfen bedenkenlos zugreifen!