Gran Turismo Sport (PS4): Wenig Umfang, viel Detail

von Mandi 29.10.2017

Was lange währt, wird endlich gut? Frei nach diesem Motto kam nun Gran Turismo Sport für die PS4 in den Handel. Das lang ersehnte Racing-Game soll Fans nach Jahren des Wartens begeistern. Ob es das packt, lest ihr im Review! Hier geht’s zur offiziellen Website.

Das Erlebnis von Gran Turismo Sport

Bislang waren alle Gran Turismo-Spiele von der fast selben Bauart. Es gab einen klassen Karriere-Modus, in dem ihr eure Führerscheine verdient. Dann waren da die legendären Cups, mit denen ihr euer Preisgeld in die Höhe schnellen ließt. Stück für Stück konntet ihr euch nach oben arbeiten.

Jeder Ableger der Reihe hatte technisch gesehen eines gemein: Gran Turismo war immer eines der schönsten, wenn nicht sogar das schönste Rennspiel seiner Generation. Schon zu PS1-Zeiten wurde gezeigt, was alles in der Hardware steckte, wenn man sie nur ordentlich kitzelte. Die Jungs und Mädels von Polyphony Digital hatten das seit jeher drauf.

Gran Turismo Sport legt nun ein Scherflein drauf, so die EntwicklerInnen. Vieles soll anders werden, anderes wiederum gleich bleiben. Ein neuer Fokus wird gesetzt, ein anderer geschwächt – klingt, als wäre dieser Sport-Titel doch etwas anderes. Erwartet uns hier ein Gran Turismo 8 oder ist es tatsächlich ein völlig neuer Ableger?

Die Kategorien

Nach dem Starten von Gran Turismo Sport folgen sofort die ersten Videos. Die Introsequenz lässt sich mit dem Wort car porn bestmöglich beschreiben. Hochauflösende Bilder und Videos stimmen euch zu warmen Pianoklängen auf das folgende Erlebnis ein. Haltet ihr die Kreistaste gedrückt, startet ihr den Titel.

Im Menü selbst findet ihr drei Obermenüs, die ihr anwählen könnt: Arcade, Kampagne und Sport. In der Arcade-Sparte findet ihr Einzelrennen, Zeitrennen, Driftrennen, einen Splitscreenmodus, benutzerdefinierte Rennen sowie eine VR-Tour. Gleich vorweg: Die ist es nicht wert. Eingeschränkte Optionen und die grafischen Einbußen sind einfach Spaßkiller bei Gran Turismo Sport.

In der Kampagne – das Wort täuscht – habt ihr nur die Möglichkeit, einzelne Sequenzen in der Fahrschule, den Missionen und der Streckenerfahrung abzufahren. Dies gestaltet sich als ein sehr bruchstückhaftes und daher nicht befriedigendes Erlebnis. Im Menü „Sport“ geht es in den Online-Modus. Hier ist allerdings etwas zu beachten, was bislang nicht so den Fokus bei Rennspielen erhalten hat.

Der Online-Modus: Sehr ausführlich

Bevor euch Gran Turismo Sport auf die Online-Strecken loslässt, müsst ihr die Rennetikette via Videolektionen durchlaufen und somit eure Qualifikation verdienen. Hier wird euch Sportsgeist nähergebracht, und ihr müsst jede Regel beachten. Es darf also nicht sein, dass ihr euch rücksichtlos durch die Rivalen und Rivalinnen drängelt. Da Motorsport ein kontaktloser Sport ist, soll das auf keinen Fall passieren!

In Gran Turismo Sport werdet ihr nämlich nicht nur an eurem Können gemessen, sondern auch an eurem Sportsgeist. Dieses Ranking bestimmt, ob ihr mit anderen sportlich fairen FahrerInnen zusammengematcht werdet oder nicht. Hier haben sich die EntwicklerInnen einiges einfallen lassen, und die Onlinespiele sind bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich spaßiger zu fahren als bei der Konkurrenz!

Sehr selten kommt es vor, dass ihr jemandem begegnet, der euch mit Absicht von der Strecke rammt. Ihr könnt euch aber sicher sein, dass ihr dieser Type nicht mehr begegnen werdet. Abgesehen von der Online-Sektion unterscheidet sich Gran Turismo Sport dann nicht mehr großartig vom Offline-Game: Ihr spielt Einzelrennen oder auch längere Turniere, ganz wie ihr wünscht.

Die Technik von Gran Turismo Sport

Wie schon immer bei Gran Turismo-Titeln ist auch bei Gran Turismo Sport das Fahrgefühl ein Traum. Nichts schlägt das Feeling, wenn ihr eine Kurve optimal erwischt und merkt, wie der Grip und die Geschwindigkeit die Balance halten. Die Ideallinie ist wirklich wichtig und zeigt euch Grenzen ganz klar auf. Dafür ärgert euch nichts mehr, als wenn ihr zig Runden lang in Führung liegt und dann wegen eines Fahrfehlers das Podium verpasst.

Optisch lässt der Titel nichts anbrennen. Schon in Full HD-Auflösung sieht Gran Turismo Sport richtig knackig aus, doch in 4K-Auflösung mit HDR verdient das Game den Zusatz „Real Driving Simulator“. Kein Wunder, dass Polyphony Digital einen Fotomodus spendiert hat – vor unterschiedlichen Landschaften und Beleuchtungen sehen eure Traumautos zum Anbeißen aus!

Die Ladezeiten sind teils auf der längeren Seite zu finden, gerade im Kampagnenmodus fahrt ihr oft nicht so lange, wie ihr die Strecke laden müsst. Die gebotene Grafik und die Erfahrung macht das zwar wett, dennoch ist hier einiges an Verbesserungspotenzial zu orten. Die Menüs sind gewohnt übersichtlich, aber kleinteilig gehalten – das Autokaufen beispielsweise jagt euch durch mehrere Untermenüs.

Safety und Fairness first

Die Online-Rennen sind das Fleisch von Gran Turismo Sport, daran führt kein Weg vorbei. Damit einher geht aber auch die Rennetikette und der Umstand, dass es bei menschlichen GegnerInnen kein Rubberbanding gibt. Bessere FahrerInnen sind in der Regel im vorderen Feld zu finden, während Leute ohne Erfahrung in der Regel die letzten Plätze belegen. Da Gran Turismo Sport nichts für Arcade-Fans ist, heißt ein Sieg üben, üben, üben.

Die jahrelang erlernten Manöver wie Rammen, Blockieren, Abdrängen, Schlangenlinie und Drängeln dürfen im Online-Modus nicht eingesetzt werden. Hier zählt dann nur noch das tatsächliche Können, eure Fähigkeit, die Ideallinie und den perfekten Bremspunkt zu erwischen sowie eure Kenntnis der jeweiligen Strecke. Klingt langweilig? Da Gran Turismo Sport hauptsächlich aus dem Online-Modus besteht, sollte euch dieser Umstand lieber gefallen.

Daher verwundert es kaum, dass Gran Turismo Sport zwei Wertungen anführt: Die Fahrerwertung (eure Platzierungen) und eure Sportsgeistwertung (eure Fairness). Die täglichen Rennen könnt ihr jederzeit fahren, sofern ihr zur Startuhrzeit erscheint – klar, immerhin laufen diese Rennen live ab! Zur Belohnung könnt ihr euch dann neue Autos leisten, mit denen ihr wieder Rennen absolviert.

Fazit: Gran Turismo Sport ist anders

Ihr habt es schon geahnt: Leider ist Gran Turismo Sport in vielen Fällen eine abgespeckte Version geworden. Im Vergleich zu den mit Zahlen versehenen Ablegern bietet die Sport-Variante wenige Strecken, weniger Autos (nur Sportautos, wer hätte das gedacht), weniger Karriere-Modus und somit auch weniger Reiz, das Spiel zu kaufen. Allerdings konzentriert sich Gran Turismo Sport auf andere Dinge, und das ist eben der Online-Modus.

Kommt ihr damit klar, euch zu festgelegten Uhrzeiten mit anderen SpielerInnen zu messen, so bietet euch Gran Turismo Sport mehr Freude als jeder andere Titel zuvor! Vor allem die Teilung zwischen Fahrerwertung und Sportsgeistwertung macht richtig Spaß, und es motiviert zu sehen, wie eine der Wertungen nach oben geht (oder gar beide). Gibt euch das allerdings gar nichts, so solltet ihr euch nochmal genau überlegen, was ihr von diesem Spiel erwartet.

Technisch ist das Spiel gewohnte Oberklasse und das Handling stimmt so gut wie immer. Abgesehen von den Boliden jenseits von Gut und Böse – hier habt ihr teils das Gefühl, auf Seife zu fahren. Wenn ihr PS4-BesitzerInnen auf der Suche nach einem optisch ganz starken Rennspiel seid, solltet ihr euch Gran Turismo Sport näher ansehen. Seid ihr darüber hinaus auch noch Fans von Online-Racing, führt an diesem Titel absolut kein Weg vorbei!

Wertung: 8.5 Pixel

für Gran Turismo Sport (PS4): Wenig Umfang, viel Detail