Gigaset GL7 Test: Klassischer Formfaktor, smarte Funktionen

von Mandi 29.06.2022

Auf der Suche nach einem Klapphandy mit smarten Funktionen? Das Gigaset GL7 schickt sich an, diese Nische zu füllen!

Auf der offiziellen Website des Geräts wirbt der Hersteller für sein Gigaset GL7. Zu den Vorzügen gehört neben dem klappbaren Formfaktur auch der Internetzugang, WhatsApp und Facebook. Zudem gibt es eine SOS-Funktion, dank der ihr bis zu fünf Nummern rasch anrufen könnt – ist eine nicht erreichbar, wird sofort die nächste angewählt. Darüber hinaus sind drei Direktwahltasten für wichtige Telefonnummern mit von der Partie wie auch eine eigene WhatsApp-Taste. Ihr seht schon, die Zielgruppe für dieses smarte Phone scheint sehr eng gefasst zu sein. Doch für alle, die ein Klapphandy brauchen oder wollen und darüber hinaus WhatsApp nicht missen möchten: Kann das Gigaset GL7 was? Das klären wir in diesem Test!

Über das Gigaset GL7 

Der erste Eindruck des Handys ist natürlich von seiner mittlerweile andersartigen Bauweise dominiert. Im zugeklappten Zustand ist das Gerät mit 24 mm ziemlich hoch, und ihr seht unterhalb der 2 MP-Kamera und dem Blitz einen Bildschirm mit 1,77 Zoll Bildschirmdiagonale. Auf diesem sind auf einen Blick der Ladezustand, die Uhrzeit und das aktuelle Datum zu sehen. Die Kanten sind recht aufgeräumt: Rechts befindet sich die Lautstärkeregelung, linksseitig gibt es einen 3,5 mm-Kopfhöreranschluss, unten ist der Ladeanschluss und oben ist das Scharnier angebracht. Schwungvoll lässt sich das Gigaset GL7 aufklappen, und eine gute Hälfte des Handys gehört dem 2,8 Zoll großen Hauptbildschirm, der keine Touch-Funktionalität aufweist. 

Die untere Hälfte des Geräts ist voll mit großen, leicht drückbaren Tasten. Sie sind beleuchtet, gut lesbar, alle leicht erfühlbar und ebenso einfach erreichbar, hier muss man sich nicht strecken oder Verrenkungen vollführen. Übrigens kommt das Handy mit einer Ladeschale, wo ihr das Produkt dann einfach im zugeklappten Zustand reinstellt. Da gibt es keinen Kampf mit dem Ladeanschluss, das ist ideal für alle, denen die USB-Anschlüsse zu klein und fummelig sind. An der Rückseite des Gigaset GL7 befindet sich eine runde SOS-Taste gleich neben dem verbauten Lautsprecher. Haltet ihr diese rund zwei Sekunden lang fest, würdet ihr die bis zu fünf abgespeicherten Telefonnummern der Reihe nach anrufen. Das ist sinnvoll und ist extrem einfach durchzuführen – ideal für eine breite Zielgruppe!


Zu den smarten Funktionen

Dank dem Betriebssystem KaiOS kommt ihr auf eine Art App Store für Feature-Phones. So können auch Klapphandys – sie haben noch längst nicht ausgedient! – in den Genuss von WhatsApp, YouTube, Facebook, Google Maps und dergleichen kommen. Natürlich gibt es dann klassische Match-3-Games, aber auch Quizzes und sogar eine Reddit-App für alle, die sie wollen. Damit nicht genug, ihr könnt auch einen Browser auf dem Gigaset GL7 starten. Ob ihr nun Google bemühen, eure Lieblings-Nachrichtenseite oder einfach auf Beyond Pixels surfen wollt: Das geht alles! Mit eurer Telefonnummer könnt ihr ein KaiOS-Konto erstellen, um Zugriff auf Store und Diebstahlsicherung zu haben. Gesteuert wird alles mit den physischen Tasten, da es by design ja keine Touch-Funktion bei diesem Gerät gibt.

Zudem müsst ihr eure Eingaben, sei es nun eine Web-Adresse, das aktuelle Kennwort oder die Namen eurer Kontakte, mit der guten, alten T9-Tastatur machen. Das heißt: 1x die 6 drücken für ein M, 2x die 3 für ein E, 1x die 8 für ein T, 3x die 6 für ein O und so weiter. Auch Jahre, nachdem man dieses System zuletzt verwendet hat, geht das Prozedere recht schnell erneut in Fleisch und Blut über. Natürlich wirkt man wie ein Wahnsinniger, wenn man Passwörter wie Mein-sicheres-Pass&wort-1990 mit T9-System ins Gigaset GL7 eintippselt. Das macht zwar Spaß, aber es gibt einen guten Grund, warum sich die aktuellen Smartphones durchgesetzt haben. Wer sich schon jetzt so wie ins vorige Handy-Jahrtausend zurückkatapultiert fühlt: Wartet erst ab, bis ihr den Bildschirm des Produkts miterlebt habt!

Im Vergleich zu einem Smartphone

Denn der große Vorzug des Gigaset GL7 ist auch zugleich seine große Achillesferse. Während Texte wie etwa bei WhatsApp und bei Suchmaschinen ordentlich lesbar sind, ist die Qualität nicht wirklich atemberaubend. Die Schärfe der Auflösung lässt zu wünschen übrig, und bei längeren Chats scrollt man schon eine Weile herum. Doch dann gibt es auch noch andere Apps, wie etwa Google Maps oder etwa YouTube. Maps ist, so finde ich, noch halbwegs nutzbar, denn sogar die Routenplanung lässt sich nach einigen Eingaben und vielen Klicks auf die Bestätigen-Taste hinkriegen. Eine Live-Navigation gibt es allerdings nicht, zur raschen Suche von Tankstellen oder Restaurants reicht das Gebotene aber aus – auch googlen könnt ihr im Notfall!

Kommen wir zum Beispiel YouTube: Ein großer Vorteil des Bildschirms des Gigaset GL7 ist, dass ihr keine große Mobilfunkverbindung braucht. Denn YouTube wird euch standardmäßig immer mit 240p-Auflösung beglücken – mehr schafft dieses Handy nicht. Das bringt uns aber auch zum großen Nachteil: Obwohl der Video-Player vorinstalliert ist, machen Videos auf diesem Gerät keinen Spaß. Dazu kommt, dass der Suchgigant sehr gerne Werbungen oder Buttons platziert, die dann proportional gesehen sehr viel Platz auf dem Bildschirm verbrauchen. Das macht das Erlebnis dann doch ein wenig hakelig und steht der Prämisse, dass dieses Gerät einfacher als ein Smartphone zu bedienen sei, im Weg. Ein kleinerer Bildschirm, der noch dazu unschärfer ist, kann hier niemals den Sieg davontragen.

Zweitbildschirm und die Performance

Während die Multimedia-Funktionen also, wie es zu erwarten war, etwas schwächeln, tut sich das Gigaset GL7 in anderen Sachen wohltuend hervor. Da ist zum Beispiel mal der Zweitbildschirm, der zwar kleiner, aber um nichts weniger nützlich ist. Eingehende Anrufe erkennt ihr bereits im zugeklappten Zustand, Nummern oder Namen werden auf dem externen Bildschirm angezeigt. Klappt ihr dann das Handy auf, wird der Anruf entgegengenommen. Wenn ihr mit dem Gespräch fertig seid, klappt ihr das Produkt einfach zu, und dann ist es beendet. Das könnt ihr mal theatralischer und mal dezenter machen, ein angenehmes Feeling! Es ist einfach und praktisch zugleich: Bildschirm und Tastatur werden optimal geschützt. Auch versehentliche Anrufe gibt es aufgrund der Bauweise nicht.

Apropos Anrufe: Es gibt auch eine Freisprechfunktion, die in leisen Umgebungen sehr gut funktioniert. Zudem bietet das Gigaset GL7 tatsächlich eine Dual-SIM-Funktion und einen separaten Speicherkarten-Slot, wenn ihr mal mehr Speicher brauchen würdet. Das kann schnell sein, da ihr nur 4 GB Speicherplatz bekommt. Die schwachbrüstige Kamera des Handys (2 MP Auflösung) braucht diesen Platz bei Vielnutzung rasch auf. Ja, für das verbaute Display des Geräts reicht die Qualität, aber wenn man diese Bilder verschickt, kommen die Schwachstellen schnell zutage. Und weil wir gerade beim Wort „schnell“ sind – performant ist dieses Gerät nicht wirklich. Auf fast all eure Eingaben und angewählten Menüs müsst ihr immer ein bisschen warten. Ist das noch zeitgemäß im Jahre 2022?

Real Talk: Das, oder doch ein Smartphone?

Das bringt uns zu einem großen Punkt dieses Reviews: Für wen ist das Gigaset GL7 tatsächlich gedacht? Denn man merkt rasch, dass im Vergleich zu waschechten Smartphones – selbst im gleichen Preissegment – die smarten Funktionen rasch ins Hintertreffen geraten. Videos, soziale Medien, selbst große Gruppenchats machen auf einem größeren Bildschirm einfach mehr Spaß. Also kann das Gigaset-Handy etwas Anderes besser, richtig? Die technische Ausstattung ist auch nicht besonders knackig, was Display, Prozessor oder Kamera angeht. Doch als Feature-Phone hat das Handy seine ganz eigenen Vorzüge. So gibt es kein Problem mit der Größe des Geräts, zusammengeklappt passt das Handy schnell in jede Tasche – so, wie es schon 2005 der Fall war!

In Wahrheit dürft ihr nicht den Vergleich zu anderen Smartphones ziehen, sondern zu Klapphandys. Denn mit dem Gigaset GL7 erwartet euch genau das, was Gigaset bewirbt: Ein gutes altes Klapphandy, das zufällig auch smarte Funktionen bietet. Ja, natürlich könnt ihr im Notfall auch ein YouTube-Video auf diesem Gerät ansehen oder Facebook nutzen, gar keine Frage! Allerdings sind eigentlich alle, die ein Smartphone ohne Tasten nutzen können, mit einem solchen auch besser bedient. Doch es gibt Menschen unter uns, die eben die Haptik von Knöpfen wollen oder sogar brauchen. Hier ist es dann gut, dass es Hersteller wie Gigaset gibt, die für diese (zugegebenermaßen kleine) Nische Geräte herstellen. So stellt man sicher, dass niemand unter uns den Anschluss verliert!

Was es noch zu sagen gibt

Das Gigaset GL7 lädt seinen Lithium-Ionen-Akku sehr gemächlich auf. Dieser fasst laut Herstellerangaben 1.400 mAh und bietet sowohl eine Standbyzeit von bis zu 300 Stunden, aber auch eine Sprechzeit bis zu 9 Stunden. In meinem Test konnte ich pro Stunde etwa 20 % Zuwachs an Akkuladung verzeichnen, nur bei den letzten zehn Prozent schien es schneller zu gehen. Alles in allem ist das in der heutigen Zeit eine sehr spannende Komponente – während andere Hersteller (hey, Xiaomi) schon nach 20 Minuten von null auf 100 geladen haben, lässt man sich hier bewusst Zeit. Aber die Ladeschale macht das Aufladen zu einer unproblematischen Angelegenheit – perfekt für Leute, die ihre Geräte ohnehin über Nacht laden lassen.

Vor allem ist die Akkulaufzeit dafür nicht übermäßig gut ausgefallen, was meiner Meinung nach eine vertane Chance darstellt. Denn obwohl die Smart-Funktionen und der Bildschirm eigentlich nicht auf dem aktuellen Stand der Zeit sind, sorgt die Hardware dafür, dass die Laufzeit in der Praxisnutzung nicht wesentlich höher ausfällt. Wer also viel im Internet macht, saugt auch den Akku dementsprechend rasch leer – so weit nichts Neues! Das Display des Gigaset GL7 punktet mit schönen Farben, könnte aber für Menschen mit beschränktem Sehvermögen Bedienelemente und Schriften etwas zu klein darstellen. Wer nicht recht technikaffin ist, wird das Tippen per T9-System ebenfalls als gewöhnungsbedürftig empfinden.

Die Technik des Gigaset GL7

Dieses Handy kommt in Titangrau und bietet ein 2,8 Zoll (7,3 cm) großes TFT-Farbdisplay mit 320 x 240 Bildpunkten (240p) Auflösung. Sein 1,77 Zoll (4,5 cm) großer Zweitbildschirm außen hat eine Auflösung von 160 x 128 Bildpunkten. Bei einem Gewicht von 126 Gramm misst das Handy übrigens 117 x 58 x 24 mm (geschlossen) beziehungsweise 206 x 58 x 12 mm (offen). Der Arbeitsspeicher misst 512 MB, und der interne Speicherplatz 4 GB (bis zu 128 GB erweiterbar). Als Betriebssystem kommt beim Gigaset GL7 KaiOS 2.5.3.2 zum Einsatz, und euch wird vom Fleck weg einiges geboten. So sind WhatsApp, Facebook, Google Maps, YouTube und ein Browser vorinstalliert. Nach einer Anmeldung via KaiOS-Konto dürft ihr auch eine Diebstahlsicherung nutzen, den Store könnt ihr auch so verwenden. 

Heruntergeladene Apps werden übrigens mal in die App-Liste, aber auch mal unter „Extras“ (wo auch der Rechner, eine To-Do-Liste, eine Aufnahme-App und mehr sind) abgelegt, ein wenig Suche lässt sich also nicht ganz vermeiden. Bis zu 2000 Telefonbucheinträge, 500 Anruflisten-Einträge und SMS werden unterstützt, es gibt über zehn vorinstallierte Klingeltöne. Auf Wunsch könnt ihr entweder polyphone oder MP3-Klingeltöne verwenden, und auch ein UKW-Radio ist mit von der Partie. Als Kamera kommt ein 2 MP-Sensor zum Einsatz, der nur bei optimalen Bedingungen annehmbare Bilder schießen kann. Abgerundet wird das Ganze durch Bluetooth 4.2, einer Freisprechfunktion, Dual-SIM-Funktionalität, WLAN 802.11n-Funktion (2,4 GHz) und GPS.

Das Fazit: Wer es braucht, wird glücklich damit

Gleich vorweg: Wer ein reguläres Smartphone bedienen kann oder will, sollte zu diesem greifen. Den Kampf mit einem Touchscreen verliert das Gigaset GL7, wenn es um die Smart-Funktionen geht. Doch das will der Hersteller auch gar nicht anfechten, viel eher geht es hier um die Leute, die herkömmliche Tasten wünschen oder gar benötigen. Als Klapphandy, das zufällig auch Internet, WhatsApp und Google Maps beherrscht, macht dieses Produkt seine Sache sehr gut. Die Bedienung ist einfach gehalten, das WhatsAppen funktioniert wie gehabt, und selbst Videos und andere Dinge lassen sich problemlos auf diesem Gerät abspielen. Dass die Bedienung aber im Vergleich zu einem Touchscreen wesentlich umständlicher ist, sei es Menüführung oder T9-Tastatur, versteht sich dabei von selbst.

Die Bauweise gibt nun mal gewisse Dinge vor, so gehen manche Sachen leichter von der Hand und andere machen weniger Sinn. Sind euch die Limitierungen bewusst, gibt es nur noch wenig am Gerät auszusetzen. Ja, natürlich könnten ein schärferer Bildschirm, ein schnellerer Prozessor, mehr Speicherplatz, eine bessere Kamera oder ein stärkerer Akku vorhanden sein. Das hätte den Mehrwert für ein Produkt, das man vermutlich so oft in den Händen hat wie kein anderes in dieser Zeit, wesentlich erhöht. Doch das hätte auch den Preis in die Höhe getrieben, und 109 Euro ist meiner Meinung nach ein fairer Preis für das gebotene Handy. Wer also ein Klapphandy will oder braucht und zudem smarte Funktionen nicht missen möchte, kann sich das Gigaset GL7 durchaus einmal ansehen!

Wertung: 7.5 Pixel

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