Ghost in the Shell 25-Jahre-Jubiläumsedition (Blu-ray) im Test

von Natalie Lamprecht 24.04.2015

Wenn ein Klassiker wie der Science-Fiction-Anime Ghost in the Shell 25 Jahre alt wird, muss das gebührend gefeiert werden: Zu seinen zweieinhalb Dezennien spendierte nipponart dem Streifen eine Jubiläumsedition. Was diese und Ghost in the Shell im Speziellen können, erfahrt ihr in meinem Review.

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Facts

Genre: Sci-Fi, Drama
Publisher: nipponart
Regisseur: Mamoru Oshii
Release: 12. Dezember 2014

25 Jahre Ghost in the Shell

1989 läutete Masamune Shirow mit dem ersten Band seines Mangas Ghost in the Shell die Geburtsstunde eines Franchises ein, das bis heute als Meilenstein gilt. Die Anime-Umsetzung von Mamoru Oshii aus dem Jahr 1995 gilt zusammen mit Katsuhiro Otomo Akira als Grundstein der Sci-Fi-Animes: Ihnen ist es wohl zu verdanken, dass sich Animes zunehmend internationaler Popularität erfreuten. Nun lässt Dreamworks mit einem Projekt aufhorchen, das Fans von Ghost in the Shell wohl gleichzeitig freuen und skeptisch machen wird: Das Filmstudio arbeitet derzeit an einer Live-Action-Adaption des Anime-Kultstreifens, der 2017 erscheinen soll. Regie führt Rupert Sanders – und in die Hauptrolle soll die liebliche Scarlett Johansson schlüpfen. Wer die kühle, analytische, fast herbe Protagonistin des Films, Motoko Kusanagi, kennt, wird verstehen, weshalb diese Wahl bei Animefans für große Skepsis sorgt. Aber vielleicht überrascht uns Johansson ja genauso wie die wahre Identität des Puppetmasters, um den sich die Geschichte von Ghost in the Shell unter anderem dreht …

Der Mensch in der Maschine

Die Geschichte ist im Japan der nahen Zukunft, im Jahr 2029, angesiedelt, in der es gang und gäbe ist, den menschlichen Körper mit Technologie zu optimieren: Cyborgs, Mensch-Maschine-Wesen, deren künstliche Bestandteile bestimmte Fähigkeiten verbessern oder übermenschliche Fähigkeiten erst möglich machen, bevölkern den Schauplatz der Handlung. Ein solcher Cyborg ist auch die Protagonistin Motoko Kusanagi: Ihr menschlicher Geist – als Ghost bezeichnet – lebt in einer einem (sehr schönen) weiblichen Körper nachempfundenen Vollkörperprothese, der sogenannten Shell. Gemeinsam mit dem Team der Sektion 9, deren Einsatzleiterin sie ist, ist sie für die innere Sicherheit des Landes verantwortlich. Diese Spezialabteilung des japanischen Geheimdienstes hat die Aufgabe, Terrorattacken unter Rückgriff auf neueste Technologien und Waffen zu verhindern – dementsprechend besteht Sektion 9 hauptsächlich aus kybernetisch veränderten Menschen.

Eben diese „Public Security Section“, wie sie auch genannt wird, wird auf den Plan gerufen, als ein Cyberterrorist sich in Cyberbrains von Menschen – darunter auch von hochrangigen PolitikerInnen –, einhackt und sie dazu zwingt, Verbrechen zu begehen; da die solcherart Manipulieren ihre Erinnerungen (und somit Identität) verlieren und wie Marionetten dem Willen des Hackers folgen, wird er bald als Puppetmaster bezeichnet. Vor allem Major Kusanagi, deren einziger menschlicher Bestandteil ihr Ghost, ihre Persönlichkeit, ist, nimmt die Angriffe des Puppetmasters persönlich: Denn wenn auch dieser Teil mitsamt allen Erinnerungen ausgelöscht wird, was verbleibt dann Menschliches in der Shell? Sektion 9 begibt sich also auf die Spuren des Cyberterroristen und damit auch auf die Spuren der Frage danach, wie viel Mensch in einer Maschine übrig sein darf, um noch als solcher bezeichnet zu werden. Die Antwort auf die Frage, wer der Puppetmaster ist und was seine Beweggründe für seine Taten sind, wird auch eine – wenn auch nicht die – Antwort auf die Frage nach dem Wert bzw. der Definition von Leben und Menschsein liefern.

Bild und Ton

Das Bild der 25-Jahre-Jubiläumsedition stellt die altbekannte DVD-Version in den Schatten, ist aber dennoch nicht überragend. Vergleicht man die überarbeitete Version von Ghost in the Shell mit den Restaurierungen des bekannten Studio Ghibli, ist hier noch viel Luft nach oben. Das Bild der neuen Ghost in the Shell-Fassung ist gut und erstrahlt endlich im HD-Licht, weist aber kleine Schwächen bei den Schwarzwerten und den Kontrasten auf. Beim Ton hingegen gibt es nichts zu monieren, denn nipponart spendierte der Neuauflage neben der japanischen Originalfassung mit der VHS- und der DVD-Tonspur zwei wählbare deutsche Synchronisationen – die alte und die neue. Ich bevorzuge im Übrigen die ältere Tonspur, da ich Kusanagis Stimme hier treffender finde; aber das ist wie immer Geschmackssache.

Extras

  • Zwölfseitiges Booklet (im Mediabook integriert)
  • Making-of
  • Zwei Originaltrailer
  • Mediabook mit leicht ablösbarem FSK-Logo

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Zusammenfassung

Ghost in the Shell ist ein Meilenstein im Animegenre und ein Meisterwerk, das generell in keiner Filmsammlung fehlen sollte, wie ich finde – oder zumindest in keiner Sammlung, die ihren Fokus auf Anime bzw. Science-Fiction und einen gewissen Stolz hat. Allein die Eingangssequenz, in der der Cyborgkörper Kusanagis fast im wörtlichen Sinn aus der Taufe gehoben wird – Mutter ist hier die Technologie, die solche Körper erst möglich macht –, ist schon eine starke Metapher und ein Foreshadowing auf die Hauptthematik des Films: die Frage danach, was uns zum Menschen macht und wie (neue) Technologien, die in den Körper eingreifen, die Antwort darauf mitkonturieren. Das musikalische Hauptthema – ein choraler Gesang auf Altjapanisch, der auf angenehme Weise durch Mark und Bein geht – sowie der unterkühlte Cyberpunkstil, konterkariert von fast meditativen Aufnahmen der städtischen, zunehmend technologisierten Lebenswelt der ProtagonistInnen, runden den Film und den darin bearbeiteten Stoff perfekt ab.

Die Aufmachung der 25-Jahre-Edition ist mit dem Mediabook und dem Booklet mit vielen Infos zum Film und seiner Entstehung schick, der sonstige Inhalt eher minimalistisch: Zur Feier des 25-jährigen Bestehens hätte ich mir etwas mehr Bonusmaterial (auch im wahrsten Sinn des Wortes, mit Haptischem wie Postkarten, Postern, aber auch Audiokommentare, Konzeptgrafiken etc.) gewünscht. Dennoch: Ghost in the Shell ist einer dieser Filme, der ohnehin schon toll ist, aber mit jedem Mal Ansehen noch besser wird – man entdeckt immer wieder neue Facetten, und dass man in dieser Jubiläumsversion munter zwischen den verschiedenen Synchronisationen wechseln und sie vergleichen kann, spricht definitiv für sie. Wer also auf intelligente Science-Fiction steht, deren philosophische Fragestellungen so zeitlos und gleichzeitig zeitgeistig sind, wie Motoko Kusanagi cool ist – sehr cool, nur um das klarzustellen –, und diesen Klassiker im aufpolierten HD genießen will, kommt an der 25-Jahre-Jubiläumsedition von Ghost in the Shell nicht vorbei.

Wertung: 8.5 Pixel

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