Gears of War 4 (Xbox One) im Test

von Matthias Jamnig 06.10.2016

Gears of War 4 ist in vielen Belangen ein Neuanfang für die altehrwürdige Shooter-Reihe. Mit The Coalition ist ein neues Entwicklerstudio für das Spiel verantwortlich, mit Play Anywhere findet die Franchise erstmals den Weg auf den PC und obendrein sollen natürlich auch diverse Neuerungen den Umbruch widerspiegeln.

Gears of War 4 Test

Actiongeladene Einbahnstraße – die Kampagne

SpielerInnen, die mit den Vorgängern vertraut sind, kennen das: Gears of War ist seit jeher nicht berühmt dafür, großzügige Open-World-Szenarien mit vielschichtigen Entscheidungsebenen anzubieten. Der vierte – oder zählt man Judgement dazu, eigentlich fünfte – Teil der Reihe macht da keinen Unterschied. Das Protagonisten-Trio JD, Del und Kait folgt einer sehr linearen Handlungs- und Schauplatzabfolge, während man munter zahllose Gegnerhorden in gewohnter Manier niedermetzelt.

Trotz dieser Einbahnstraßen-Mechanik macht das etwas verbesserte aber dennoch unheimlich vertraute Gameplay Spaß – sehr viel Spaß sogar. Bereits in den ersten Sequenzen, die einen spielbaren Rückblick auf vergangene Gears of War-Titel bilden, fühlt sich Vieles vertraut an. Das gesamte Look-&-Feel ist Franchise-typisch. Hier ein bisschen aufgehübscht, da ein bisschen verbessert, aber im Großen und Ganzen fügt sich diese Iteration nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger.

Alte Bekannte und ein abruptes Ende

Im Laufe der Kampagne tauchen zudem viele alte Bekannte auf, die den Hauch der Nostalgie noch verstärken. Nach etwa zwei Stunden ist man in der Story gefangen und von der Action gefesselt. Nach vier Stunden hat man sich einige Male erschrocken, Stellungen verteidigt, mit einem riesigen Mech Gott gespielt, einige epische Stürme über- und auch ein wenig Emotion erlebt. Und nach nicht einmal sechs Stunden ist es aus. Einfach so. Viele Fragen bleiben offen, kein Gefühl des Abschlusses stellt sich ein. Man hat den Eindruck, dass man den Hintergründen näher kommt und endlich Antworten auf viele Fragen bekommt. Aber nein… es kommt der Nachspann.

Summa summarum ist der Story-Modus, den man übrigens dankenswerter Weise auch zu zweit via Couch-Koop oder online bestreiten kann, eine wilde Achterbahnfahrt, die abrupt am Höhepunkt eines Loopings endet. Das beste Cover-Shooter-Gameplay auf der Xbox One, eine solide Story, gute Charaktere – ok, den linearen Einbahn-Spielverlauf muss man mögen – und ein über die Maßen unbefriedigendes Ende kennzeichnen diesen Teil des Spiels.

Klassenkampf und Hordentrieb – der Multiplayer

Aufgeteilt in den altbekannten jedoch grunderneuerten Horde- und einen Versus-Modus verspricht der Multiplayer ein etwas langanhaltenderes Spielvergnügen. In ersterem könnt ihr nun aus einer von fünf Klassen wählen, die verschiedene Rollen im Kampf gegen die anstürmenden Gegnerhorden übernehmen (sollten). Warum sollten? Wir alle kennen den größten Nachteil einer solchen Mechanik: ahnungslose Random-Komparsen, die keine Ahnung von Zusammenspiel haben. Mit einer eingespielten Truppe – ob nun lokal oder online – versprechen die Neuerungen ein tiefergehendes, taktisches Erlebnis. Mit einem zufällig zusammengewürfelten Haufen bleibt wohl am Ende mehr Frust als Lust.

Gears of war 4 test

Neben dem Horde-Modus, der bekanntlich Spieler gegen KI-Gegnerwellen antreten lässt, dürft ihr euch aber natürlich auch gegenseitig die Lancer-Kettensäge über den Brustkorb ziehen. Im Versus-Modus sorgen verschiedene Matcharten für Abwechslung. Da gibt es zum Beispiel den klassischen Kampf um Kontrollpunkte – erzielte Siegpunkte entscheiden hier über Sieg oder Niederlage – oder auch etwas ausgefallenere Varianten. So müssen euch im sogenannten Arms Race etwa drei Abschüsse jeweils mit allen 13 Waffen gelingen – und das natürlich bevor es dem anderen Team gelingt.

In den Multiplayer hat The Coalition auf jeden Fall mehr Arbeit gesteckt als in die Kampagne. Inwieweit sich dieser als langlebig erweist, bleibt natürlich abzuwarten. Aber man muss den EntwicklerInnen hierfür ein Lob aussprechen. Die Modi machen alle Laune – mit den oben genannten Einschränkungen. Und natürlich kommt vor allem im Horde-Modus ein gewisser Nostalgie-Bonus zum Tragen.

Blitz und Donner – Grafik und Sound

Optisch kann Gears of War 4 mit den aktuellen Top-Titeln nicht mithalten. Die Settings sind zwar schön gestaltet. Aber am Ende des Tages bleibt die Präsentation hinter dem zurück, was heute möglich beziehungsweise im Triple-A-Segment üblich ist. Das ein gutes Spiel nicht immer das ultimative Grafikerlebnis sein muss, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Das Soundgewand hingegen lässt keine Wünsche offen. Sowohl die deutschen Synchronstimmen und die musikalische Untermalung als auch die Soundeffekt überzeugen auf ganzer Linie.

Gears of War 4 – Das Fazit

Von der Kampagne ein klein wenig enttäuscht und von den zahlreichen Multiplayer-Möglichkeiten positiv angetan – so oder so ähnlich würde ich meinen finalen Eindruck zusammenfassen. Gears of War 4 ist leider nicht die epische Franchise-Wiedergeburt, auf die ich gehofft hatte. Aber es ist ein gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht. Der Neuanfang ist getan und er zeigt sowohl Stärken, auf die man aufbauen kann, als auch Schwächen, die es in Zukunft auszumerzen gilt. Am Ende bietet Gears of War 4 einen rudimentären Kampagnenansatz, der storyverwöhnte EinzelspielerInnen wohl eher enttäuschen wird, aber auch einen großartigen Tummelplatz für Multiplayer-Begeisterte.

Wertung: 7.5 Pixel

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[…] 1, aber auch Gears of War 4 und Call of Duty: Infinite Warfare um bis zu 45% günstiger. Wer JD Phoenix also noch nicht ins Feld gegen den Abschaum des Universums geschickt hat, sollte das jetzt für […]

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