Evolve (PS4) im Test

von postbrawler 20.03.2015

Evolve_TeaserAlien, Predator, Godzilla – das Szenario Menschen gegen übermächtiges Monster fasziniert schon seit Generationen CineastInnen und VideospielerInnen gleichermaßen. Doch selbst einmal in der Rolle des Monsters Jagd auf Marines zu machen, das war bisher nur in wenigen Spiele-Erlebnissen möglich. Das Entwicklerstudio Turtle Rock nimmt sich nach erfolgreichen Ausflügen ins Genre der asymmetrischer Multiplayer-Shooter nun dieses Szenarios an und liefert mit Evolve einen Next-Gen-Shooter für PC, PS4 und Xbox One ab, der es mit früheren Werken wie Counter Strike und Left 4 Dead aufnehmen soll. Ob das klappt, lest ihr in meiner Review.

Vier gegen einen

Bei Left 4 Dead hat das Prinzip schon recht gut funktioniert. Statt zwei unterschiedliche Fraktionen mit annähernd gleichwertigen Klassen und Schießprügeln aufeinander loszulassen, stehen sich mit Zombies und Überlebenden völlig unterschiedliche Spielweisen gegenüber. Evolve führt das Prinzip noch einmal zurück ans Reißbrett: Anstatt in etwa gleich viele SpielerInnen pro Fraktion gegeneinander antreten zu lassen, gibt es in einer Partie Evolve nur einen einzigen Gegenspieler – das Monster. Dem gegenüber stehen vier Marines mit unterschiedlichen Waffen und Spielstilen. Ziel des Monsters ist es, sich rasch zu entwickeln und anschließend den Marines eine Abreibung zu verpassen. Diese wiederum müssen das Monster rasch aufspüren, um es an der namensgebenden Verwandlung zu hindern. Das Monster startet etwas früher ins Spiel und muss durch das Erledigen von Wildtieren Erfahrungspunkte sammeln und seine Fähigkeiten verbessern. Solang das Monster nicht voll entwickelt ist, haben die Marines leichtes Spiel. Die ersten Minuten einer Evolve-Partie gleichen daher einem Katz-und-Maus-Spiel in den Außenarealen des Alien-Planeten Shear.

Leveldesign

Besagte Außenareale fallen dabei sehr weitläufig aus. Über Korridore miteinander verbundene Arenen lassen Evolve anfangs sehr unübersichtlich und verwirrend wirken. Auch der Umstand, dass man es in der ersten Hälfte einer Partie hauptsächlich mit der wenig wehrhaften Fauna des Planeten zu tun bekommt, lässt anfangs kaum Spannung aufkommen. Blutspuren, aufgeschreckte Vogelschwärme und Geräusche zeigen den Jägern den Aufenthaltsort des Monsters. Treffen die kämpfenden Parteien jedoch aufeinander, wird es rasch sehr hektisch und actiongeladen. Als Monster springt, klettert oder fliegt man durch die Gegend und nutzt auch die Vertikale, um die Überhand und den Überblick zu erhalten. Auch die Marines kommen dank Jetpacks in höher gelegene Regionen und können so das Monster von allen Seiten in die Mangel nehmen. Nach einiger Zeit findet man sich beiderseits ganz gut zurecht und weiß die Zeichen zu deuten, um rasch ins Kampfgeschehen zu finden.

Evolve 03

Gameplay

Als Monster bewegt man sich im Third-Person-Modus voran und setzt je nach Gattung auf starke Nahkampfattacken oder fiese Distanzangriffe. Der Goliath ist ein klassischer Melee-Kämpfer und kann seine Feinde beispielsweise mit Felsbrocken bewerfen. Bevorzugt man den geflügelten Angriff, ist der Kraken die erste Wahl für Monster-SpielerInnen. Er kann Marines mit einer Energievortex wegstoßen und Blitzschläge austeilen. Der Wraith (Geist) ist eine Stealth-Klasse und schleicht sich gern aus dem Hinterhalt an seine Opfer an. Zu guter Letzt der Behemoth, ein Trägerkoloss, der viel Schaden einstecken kann, bei dem Rückzug aber keine ernst zu nehmende Option darstellt. Die Jäger auf der anderen Seite setzen sich aus Assault-, Trapper-, Medic- und Supporteinheiten zusammen, von denen es wiederum je drei charismatische Vertreter gibt. Aus zwölf wählbaren Spielcharakteren können für eine Partie vier besetzt werden. Dabei gilt es vor allem auf eine harmonische Mischung zu achten, denn jede Ausrichtung bringt ihre ganz spezifischen Fähigkeiten und Waffen mit sich. Auch die gegenseitige Absprache und Koordination sind für den Erfolg der Hunter-Gruppe wichtig. Für SpielerInnengruppen bietet sich daher die Fraktion der Jäger an, während passionierte EinzelspielerInnen eher zum Monster greifen.

Grafik

Evolve kann durchaus als hübsches Spiel bezeichnet werden. Sowohl das Leveldesign als auch die Ausarbeitung der Charaktere und Monster sind stilsicher und auf der Höhe der Zeit. Lediglich bei den Animationen vermisst man ein wenig die Liebe zum Detail, hier wäre beispielsweise eine klarere Unterscheidung der Klassen aus der Ego-Perspektive wünschenswert gewesen. Auf der Präsentationsebene hat Evolve auch mit dem Größenunterschied der Monster zu den Marines zu kämpfen. In der Rolle eines voll entwickelten Monsters wirken die menschlichen Gegenspieler fast wie lästige Mücken und sind mit freiem Auge kaum voneinander zu unterscheiden. Erst wenn man gelernt hat, die Namensplaketten der springenden Pünktchen mit den Klassen in Verbindung zu bringen, hat man einen möglichen Anhaltspunkt für die Kill-Reihenfolge.

Fazit

Ich bin mir nicht sicher, was ich von Evolve halten soll. Als begeisterter Spieler der Left 4 Dead-Reihe hatte ich hohe Erwartungen an das Spiel. Diese wurden nicht unbedingt voll enttäuscht, denn Evolve macht Spaß. Mich verwirren aber die Katz-und-Maus-Spielchen einer Evolve-Partie, denn viel zu oft rennt man von einem Levelende zum anderen, ohne wirklich das Gefühl zu haben, gerade einen Shooter zu spielen. Auch das stumpfe Töten von Crittern hat mehr etwas von einem MOBA als von einem flotten Multiplayer-Shooter, und dann ist da noch der Mangel an Übersicht aus Sicht des Monsters, der mir den Spaß daran rasch wieder genommen hat und mich ins Lager der Marines wechseln ließ. Evolve ist weder selbsterklärend noch motiviert es mich auf lange Dauer. Das schnelle Hop-on-Hop-off-Spielprinzip eines Left 4 Dead konnte hier leider nicht eingefangen werden. Für E-SportlerInnen mag Evolve ein tolles Spiel sein. GelegenheitsspielerInnen sollten sich aber auf ein paar frustrierende Einlernstunden gefasst machen.

Wertung: 7.5 Pixel

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