Elgato Wave Go im Test: Ein äußerst wandelbares Mikrofon

von Mandi 29.10.2026

Hersteller Elgato bringt mit dem Wave Go Bewegung in das Mikrofon-Business. Lest unseren Test des Convertible-Mikrofons!

Über das Elgato Wave Go

Elgato ist vor allem für Streaming-Zubehör, Capture Cards und Mikrofone bekannt, und hiermit gibt es auch ein echtes kabelloses Funkmikrofon. Mit dem Wave Go (zur offiziellen Website) ändert sich das nun: Für 99,99 Euro gibt es ein extrem leichtes Ansteckmikrofon, das sich per Smart Handle auch in ein Handmikrofon für Interviews verwandeln lässt. Das Konzept klingt clever, doch kann der winzige Sender auch in der Praxis überzeugen? Beim Auspacken fällt vor allem eines auf: Das Wave Go ist wirklich klein. Der Sender wiegt nur 7 Gramm und ist mit 20 × 29 × 12 mm kaum größer als eine Münze. Trotzdem liefert Elgato ein erstaunlich vollständiges Set, das aus mehreren Teilen besteht.

Neben Sender und USB-C-Empfänger liegen Smart Handle, Ladecase, Magnetplatte, Magnetclip, zwei Windschutzfelle, Transporttasche und USB-C-Kabel bei. Damit ist das Paket für Vlogs, Straßeninterviews, Podcasts unterwegs oder auch Meetings am Schreibtisch direkt einsatzbereit. Die Verarbeitung macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck, auch wenn der schwarze Kunststoff anfällig für Fingerabdrücke ist. Dafür überzeugt die Idee hinter dem Smart Handle: Der Sender wird einfach in den Griff gesteckt und wird dort nicht nur gehalten, sondern auch geladen. Aus dem dezenten Ansteckmikro wird so im Handumdrehen ein klassisches Handmikrofon. Packen wir alles erst mal aus!

Kabellos via USB-C

Technisch setzt Elgato auf eine dedizierte 2,4-GHz-Funkverbindung mit LC3-Codec statt auf Bluetooth. Das soll laut Hersteller für besseren Klang, geringere Latenz und längere Akkulaufzeit sorgen. Die angegebene Latenz liegt bei maximal 24 ms, die Funkreichweite bei rund 30 Metern. Bluetooth kommt lediglich für die Wave Go-App zum Einsatz, etwa für Einstellungen und Firmware-Updates. In der Praxis bedeutet das allerdings auch eine klare Einschränkung: Das Wave Go funktioniert ausschließlich über den mitgelieferten USB-C-Empfänger. Ältere iPhones mit Lightning-Anschluss, Kameras mit 3,5-mm-Eingang oder DSLRs bleiben außen vor. Elgato sagt selbst, dass das Mikrofon nicht für den direkten Einsatz mit professionellen Kameras ausgelegt ist. Wer primär mit dem Smartphone filmt, wird damit vermutlich gut leben können, wer aber flexibel zwischen Kamera und Handy wechseln möchte, sollte genau hinschauen.

Ein genauer Blick lohnt sich: Trotz der winzigen Bauweise klingt das Wave Go deutlich besser, als man es bei der Größe erwarten würde. So wirken die Stimmen präsent und lebensecht, mehr als bei jedem Konkurrenzprodukt beziehungsweise integrierten Mikrofonen. Auch die Lautstärke fällt beim Elgato höher aus, ohne dass dabei hörbares Rauschen entsteht. Elgato verbaut eine 6-mm-Elektret-Kondensatorkapsel mit Kugelcharakteristik, die einen Frequenzgang von 60 Hz bis 20 kHz abdeckt. Die Aufnahme erfolgt mit 48 kHz und 24 Bit. Dazu kommen automatische Helfer wie Auto Gain und eine zuschaltbare Rauschunterdrückung. Besonders praktisch: Der sogenannte EQ Shift passt den Klang automatisch daran an, ob das Mikrofon gerade am Shirt hängt oder im Smart Handle steckt. Auch bei Umgebungsgeräuschen zeigt sich das Wave Go je nach Umgebung und gewählter Einstellung von seiner guten Seite.

Über die Wave Go-App

Unser Testgerät kam im Oktober 2026 zu uns und wurde von der Wave Go-App sofort erkannt. Sofort waren Updates für die einzelnen Komponenten des Mikrofons erhältlich, die wir natürlich sofort installierten. Also kam der Griff (TX1) auf die Version 2.10.0, der integrierte DSP war auf der Version 2.2.0, und sowohl beim Empfänger (RX) als auch beim Sender (TX1) war die Version 2.1.9 aktuell. In der Übersicht seht ihr eure aktuellen Mikrofone samt Akkustand und gleichzeitig dürft ihr die Effekte für alle verbundenen Mikrofone einstellen. Dazu zählen im Fall des Wave Go ein Schalter für Auto Gain sowie eine Rauschunterdrückung in den Varianten Hoch, Mittel, Niedrig und Aus.

Jedes einzelne Mikrofon lässt sich auch auf Knopfdruck stummschalten und wieder aktivieren, und in den generellen Einstellungen findet ihr technische Informationen zu den verbundenen Sendern oder Griffen vor. Hier lässt sich dann auch manuell nach Firmware-Updates suchen, und ihr könntet die Darstellung (hell, dunkel oder dem System folgend) sowie den Release-Kanal (Stabil oder Beta) wechseln. Zu guter Letzt gibt es neben Hilfestellungen, Datenschutzerklärungen und Open-Source-Lizenzen dann auch die Angabe der Version der Wave Go-App, in unserem Fall unter iOS war das die Wave Go 1.0.0 (101).

Akku, der mitdenkt

Beim Akku setzt Elgato auf ein cleveres Ökosystem. Der Sender hält allein laut Datenblatt rund 8 Stunden durch, für einen vollen Drehtag also mehr als genug. Steckt er im Smart Handle, lädt dieser ihn automatisch nach und ermöglicht so laut Hersteller bis zu 40 Stunden Gesamtbetrieb. Das Ladecase versorgt zusätzlich beide Komponenten gleichzeitig mit Energie. So etwas kennen wir im Alltag ja schon von den kabellosen Kopfhörern! Auch die Schnellladung ist praxisnah: Bereits 10 Minuten am Kabel reichen für etwa eine Stunde Aufnahme. Wer längere Livestreams oder ganztägige Dreharbeiten plant, kann zudem den USB-C-Empfänger mit Durchgangsladung nutzen und das Smartphone während der Aufnahme weiter mit Strom versorgen. Das macht das Wave Go besonders interessant für alle, die unterwegs lange Sessions absolvieren wollen.

Die offiziellen 30 Meter Funkreichweite klingen erst einmal ordentlich, doch wie so oft gilt auch hier: Die Praxis sieht anders aus als das Datenblatt. Wir testeten die Verbindung innerhalb unseres Hauses und stellten dabei fest, dass bereits eine Wand das Signal deutlich schwächt. Bei etwa zehn Metern und einer Wand dazwischen verschlechterte sich der Ton spürbar, bevor die Verbindung ganz abbrach. Für Vlogs im Freien oder Interviews auf offener Fläche dürfte das kaum ein Problem sein. Wer aber etwa durch mehrere Räume streamt, Interviews in großen Gebäuden führt oder das Mikrofon und den Empfänger räumlich trennt, sollte die Grenzen kennen. In solchen Szenarien sind Systeme mit stärkerer Funkstrecke oder der Möglichkeit, mehrere Empfänger zu nutzen, eventuell die bessere Wahl.

Streamer-Eignung und mehr

Ein weiterer Pluspunkt: Das Wave Go ist nicht nur auf mobile Aufnahmen ausgelegt. Am PC oder Mac funktioniert es per USB-C auch als Desktop-Mikrofon und lässt sich in Elgatos Wave Link-Software einbinden. Dort lassen sich virtuelle Audio-Kanäle verwalten, Effekte wie Voice Focus gegen Raumhall aktivieren und das Mikrofon sogar mit einem Stream Deck steuern. Für alle, die ohnehin schon im Elgato-Universum unterwegs sind, ist das ein echtes Argument. Die Wave Go-App gibt es für Android ab Version 8.0 sowie für iOS und iPadOS ab Version 17. Darüber lassen sich Einstellungen vornehmen und Updates einspielen. Allerdings gibt es auch einen minimalen Haken für Profis: Das Mikrofon bietet keinen internen Speicher. Fällt die Funkverbindung aus oder vergisst man, die Aufnahme am Smartphone zu starten, ist der Ton einfach weg. Wer ein Backup direkt am Mikrofon benötigt, muss sich anderweitig umsehen, das räumt auch Elgato selbst in den FAQ ein.

Mit 99,99 Euro positioniert sich das Wave Go klar im günstigen bis mittleren Segment der kabellosen Mikrofone. Ein zweiter Sender für Gespräche zu zweit kostet bei Elgato 29,99 Euro, im Bundle mit dem Hauptset sogar nur 14,99 Euro. Das ist ein fairer Preis, besonders wenn man bedenkt, dass Smart Handle, Ladecase und Windschutzfelle bereits im Lieferumfang enthalten sind. Insgesamt kann man dem Mikrofon fast nur Rosen streuen, denn sowohl Klang, Präsenz von Stimmen wie auch die Rauschunterdrückung machen enorm etwas her. Dass das Elgato Wave Go allerdings anfällig für Fingerabdrücke ist und es keinen internen Speicher gibt, zeigt einfach nur, dass der Hersteller sein Produkt preisbewusst und zielgruppenorientiert anbietet. Dass ihr das Mic sowohl an einer Person befestigen, aber auch via Smart Handle als Handmikrofon verwenden könnt, spricht auf jeden Fall für die Vielseitigkeit dieses 2-in-1-Mikrofons.

Elgato Wave Go: Die Technik

Das Elgato Wave Go ist ein kabelloses Convertible-2-in-1-Mikrofonsystem bestehend aus Sender (TX), USB-C-Empfänger (RX) und Smart Handle. Die Kapsel ist ein 6-mm-Elektret-Kondensator mit Rundum-Charakteristik, 60 Hz bis 20 kHz Frequenzgang, unter 1% THD bei 1 Pa/1 kHz, 70 dB(A) SNR im Handbetrieb bzw. 68 dB(A) im Clip-On-Betrieb und maximal 115 dB SPL. Es zeichnet mit 48 kHz und 24 Bit auf, die integrierte Signalverarbeitung umfasst EQ-Shift, Auto-Gain, Rauschunterdrückung, Dynamikbereichssteuerung und Low-Cut-Filter. Die Funkverbindung arbeitet im 2,4-GHz-ISM-Band (2402–2480 MHz) mit LC3-Codec, maximal 24 ms Latenz, 2 Mbit/s GFSK-Rate, 13 dBm EIRP und rund 30 m Reichweite. Das ist ordentliche Leistung in einem äußerst kleinen Gewand, und ausdauernd ist das Produkt auch!

Beim Akku verfügt der Sender über 80 mAh für etwa 8 Stunden Betrieb, das Smart Handle über 900 mAh für rund 40 Stunden bzw. etwa fünf vollständige Ladevorgänge des Senders, zusammen sind bis zu 48 Stunden möglich. Der TX lädt in etwa 1,5 Stunden, das Smart Handle in etwa 2,5 Stunden, zehn Minuten Schnellladen liefern rund eine Stunde Nutzung. Der Durchladebetrieb erfolgt mit 5 V/1 A (5 W), das beiliegende USB-C-zu-USB-C-Kabel ist nur zum Laden ausgelegt (maximal 5 V/2 A bzw. 10 W). Der Sender wiegt 7 g (10 g mit Platte, 11 g mit Clip) und misst 20 × 29 × 12 mm, der Empfänger wiegt 7 g bei 40 × 28 × 9 mm, das Smart Handle 62 g bei 26 × 180 mm und die Tragetasche 195 g bei 205 × 40 × 60 mm. Betrieb und Laden sind für 0–40 °C spezifiziert, die App benötigt Android 8.0 oder neuer bzw. iOS 17 oder neuer.

Ein Convertible macht Spaß

Das Elgato Wave Go ist kein Mikrofon für jeden Anwendungsfall, aber für sein Kernziel macht es enorm vieles richtig. Seid ihr also dabei, ein Gerät für mobile Aufnahmen mit dem Smartphone zu erstehen, seid ihr hier an der richtigen Adresse. Es ist winzig, leicht, klingt erstaunlich gut und bietet mit dem Smart Handle einen echten Mehrwert, den viele Konkurrenten vermissen lassen. Wer Vlogs, Interviews, kurze Social-Media-Videos oder auch mal ein Meeting vom Schreibtisch aus aufnehmen möchte, bekommt hier ein rundes Paket für 99,99 Euro.

Natürlich gibt es auch bewusst genommene Abkürzungen, die manchen auffallen könnten. Diese sind auf jeden Fall klar umrissen und schlagen sich im fehlenden Bluetooth, im Verzicht auf Kamera-Kompatibilität und im fehlenden internen Speicher nieder. Wer diese Punkte kennt und akzeptiert, erhält mit dem Wave Go eines der interessantesten kompakten Funkmikrofone des Jahres. Elgato beweist damit, dass man auch im kleinen Format große Ideen umsetzen kann und dass ein Mikrofon beileibe nicht groß sein muss, um groß aufzutreten.

Wertung: 9.0 Pixel

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