Elden Ring Tagebuch Eintrag 2 – der Weg ans Licht

von Mathias Rainer 07.03.2022

Am 25. Februar begann ich als Befleckter eine Reise in das Zwischenland. Wie es mir dabei ergangen ist erfahrt ihr in meinem Elden Ring Tagebuch. Im allerersten Eintrag widmeten wir uns im Detail der Charakter-Erstellung. Bestens gerüstet geht es nun aber hinaus in die vom japanischen Entwicklerstudio From Software geschaffene offene Welt. Zumindest dachte ich das. Denn Elden Ring ist – obgleich an einigen Stellen doch einsteigerfreundlich – ein Souls-Game durch und durch.

Auf meiner Erkundungstour durch das Startgebiet Limgrave erlebte ich eine Reihe wunderbarer Abenteuer. Nicht alle davon gingen gut für mich aus. Aber lest am Besten selbst, wie es mir ergangen ist. Eines muss an dieser Stelle jedoch noch gesagt werden: falls ihr vorhabt das Game selbst noch zu spielen, solltet ihr an späterer Stelle zu diesem Beitrag zurückkehren. In den Tagebuch-Einträgen werden nämlich sämtliche Ereignisse und Erfahrungen meinerseits ungefiltert geteilt – und dabei wird natürlich auch vollumfänglich gespoilert.

Elden Ring Tagebuch Eintrag Nr. 2 – der Weg ans Licht

From Softwares Statement

Hidetaka Miyazaki gilt spätestens seit Bloodborne von 2014 als der Mastermind hinter einem der prägendsten Genres der letzten 10 Jahre. Er und sein Team wagten sich mit Elden Ring nun gänzlich neuen Weiten zu – der von vielen gehassten und dennoch allseits beliebten offenen Welt. Und soviel sei an dieser Stelle schon einmal vorne weggenommen. From Softwares neuester Streich wischt gleich im ersten Anlauf mit deinem Lieblings-Open-World den Boden auf.

Egal ob das ein The Elder Scrolls V: Skyrim ist, ein Assassin’s Creed Valhalla, Ghost of Tsushima oder gar ein The Witcher 3: Wild Hunt – sie alle erreichen nicht im Ansatz die Faszination, welche die Zwischenlande auf einen Abenteurer ausüben. Selbst der bei vielen Zockern inklusive mir inoffizielle Genre-Krösus The Legend of Zelda: Breath of the Wild kann dem nun dargebotenen nicht das Wasser reichen. Warum das so ist, lege ich euch konkret anhand meiner Erlebnisse in Limgrave dar.

Der Weg ans Licht

Der rasche, vorprogrammierte Tod gehört in From Software-Spielen mittlerweile zum guten Ton. Bei aller zu erwartenden Zugänglichkeit hat sich dieser Umstand auch diesmal nicht verändert. Nach einem für Soulsborne-Verhältnisse ungemein aussagekräftigem Intro starte ich inmitten einer kleinen Kapelle, erbaut auf messerscharfen Klippen. Der Boden ist gepflastert mit den leuchtenden Nachrichten der zahlreichen Spieler vor mir, welche allesamt ihrer Vorfreude Ausdruck verleihen wollten. “Wie ein Traum …”. Es ist jedoch ruhig, zu ruhig. Und natürlich werde ich nach der Überquerung der ersten Hängebrücke sofort von einer überdimmensionalen Spinne samt Schild und Schwert komplett aufgeschlitzt. Das schöne Gesicht im Charakter-Editor ganz umsonst zusammengestellt?

Aber nein, ich bin an dieser Stelle natürlich nicht endgültig tot. Wie bereits in den Games zuvor will uns Miyazaki mit dieser wiederkehrenden Lehrstunde gleich zum Start eines mit auf den Weg geben – der Tod ist ein ständiger Begleiter in seinen Spielen und gehört dazu wie das Amen im Gebet. Ich erwache also in einer Höhle erneut. Nach einem kurzen Tutorial, welches für mich als alten Souls-Veteranen mit vielen Aha-Momenten verbunden war (“das ist also das Bonfire in Elden Ring?”, “ok, rechts unten ist meine Seelen-Anzeige, … ähm ich meine natürlich Runen”), geht es auch gleich hinaus an die Oberfläche und hinein ins Licht. Wir stehen auf einer Anhöhe und blicken hinaus in die große Weite, welche sich kilometerweit vor uns ausbreitet. Limgrave. Und dahinter, ragt der goldene Erdenbaum majestätisch auf.

Games 2022

Quelle: www.fromsoftware.jp – der erste Blick über die offene Welt von Limgrave.

“Du bist jetzt frei, Gamer”

Diese Message gibt uns From Software ab diesem ersten Luftzug an der Oberfläche von Limgrave ganz unterschwällig mit auf den Weg. Ich stehe hier auf dem Hügel und das Rauschen des Meeres hinter mir. Kein Questmarker, der mir sagt in welche Richtung ich mich unverzüglich als erstes hinbegeben sollte. Kein überladenes HUD, welches mir bereits zahlreiche Fragezeichen auf einer Mini-Map anzeigt, wo eventuell etwas “interessantes” lauern könnte. Nur ein einzelner NPC steht etwas weiter unten am Hügel und wartet anscheinend auf jeden neuen Befleckten, der aus der Krypta hochgekrochen kommt. Varré – so sein Name – gibt uns in einigen wenigen Dialogzeilen ein ungefähres Ziel an die Hand. Als Teil eines größeren Ganzen ist es unsere Bestimmung, der neue Eldenlord zu werden – oder beim Versuch zu verenden.

Stormveil Castle ist das erste große Ziel. Dessen Gebieter Godrick der Verpflanzte besitzt eine der großen Runen – Bruckstücke des zersplitterten Elden Rings – welche uns zusammengesetzt zum großen Herrscher machen sollen. Alles große Namen, die mir jetzt zu Beginn des Spiels noch keinerlei Anhaltspunkte liefern. Aber das bin ich ja von Miyazaki mittlerweile gewohnt. Ich freue mich aber schon jetzt darauf alle Bruchstücke der Story, Lore und natürlich auch des Elden Rings, zusammenzufügen. Nebenbei bemerkt Varré auch, dass wir noch ohne Finger-Jungfer sind und daher aufgrund mangelnder Stärke wohl bald einmal im Dreck verrecken werden. Ein Hint für mich an dieser Stelle, dass wir ohne adequate Feuerhüterin wohl kein Level aufsteigen werden. Aber woher spontan eine nehmen?

Unaufgeregtes Crafting

Auch dafür liefert Elden Ring keine Antwort. Zwar mit einem konkreten Grund aber ohne Ziel mache ich mich deshalb einfach einmal auf den Weg. Der bloße Entdeckerdrang (oder ist es das unterschwällig tolle Game-Desing) führt mich wie wahrscheinlich die allermeisten Spieler zu Beginn in den Norden. Am ersten echten Checkpoint in einer abgebrannten Kirche treffe ich auf den Weihnachtsmann. Kein Witz, der Typ sieht auf den ersten Blick tatsächlich so aus. Gleich wie Santa Klaus hat Kalé auch ein paar Goodies für mich im Gepäck. Zwar nur gegen Runen (die Seelen bzw. die Währung im Spiel) aber das ist in Ordnung.

Der Preis stimmt und bekomme für gutes Geld ein Crafting-Kit in die Hand gedrückt. Wie für ein waschechtes Open-Wold-Game üblich gehört natürlich die zyklische Herstellung von Objekten zum guten Ton. Ehrlich jetzt From Software? Müsst ihr auf diesen Zug unbedingt mitaufspringen? Ich stelle aber sehr schnell fest, dass mich das Crafting-System im Spiel – obwohl ich es tatsächlich andauernd für die Herstellung von Pfeilen verwende – überhaupt nicht nervt. Die Herstellung geht dank einfachem Menü-Aufbau in Sekundenschnelle. Auf der anderen Seite habe ich auch ohne gefertigte Gegenstände nie das Gefühl, dass mir irgendwelche Objekte gerade im Inventar fehlen. Gut gerüstet mache ich mich weiter auf gen Norden.

Melina & Torrent

Immer in Richtung Norden und entlang der Felswand führte mich mein Weg bis an das steinerne Sturmtor.  Als Keil in die Felswand gehauen fungiert dieses Konstrukt als Abwehrbollwerk für die dahinterliegende Festung Stormveil oberhalb der Klippe. Ich werfe nur einen kurzen Blick hinter die Kulissen und merke schnell, der Weg hinauf wird von zahlreichen Gardisten und einem riesigen Troll bewacht. Ich kann diesen Weg jetzt mit aller Gewalt versuchen denke ich mir. Aber es wäre ja keine waschechte offene Welt, wenn es nicht irgendwo einen leichteren alternativen Weg geben würde oder? An dieser Stelle weiß ich noch nicht, dass sich mein Vertrauen in die Entwickler auszahlt.

Wie aufs Kommando erscheint beim Bonfire (ähm ich meine Ort der Gnade) eine junge Frau und stellt sich uns als Finger-Jungfer vor und bietet uns ihre Dienste an. Gegen die Bedingungen sie bis zum großen Erdenbaum mitzunehmen wird sie uns die Kraft der Runen schenken. Das ist der fancy Dark-Fantasy-Ausdruck für leveln. Na was für ein Zufall. Da trifft es sich auch gut, dass ich bis zum Sturmtor schon ein paar Runen bei unachtsamen Gegnern eingeheimst habe und diese per Schleichangriff abgemurkst habe. Eine Mechanik, die sich das Game beim früheren From Software Game Sekiro abgeguckt hatte. Prinzipiell eine gute Sache, weil sie einem im Spiel oft mehrere Möglichkeiten beim Vorgehen in einem gegnerischen Lager gibt.

Zu oft komme ich jedoch gerade zum Start des Spiels unbeabsichtigt auf den L3-Button. Dieser wird im Spiel für das Ducken genutzt. Nicht gerade hilfreich, wenn ich mitten in einem Kampf auf einmal unbeabsichtigt entscheide mich vor dem Gegenüber hinzuhocken. Mit Fortdauer und besserer Kontrolle der Belegung passierte mir das aber immer seltener. Ganz ablegen konnte ich das bisher nach über 40h jedoch noch nicht gänzlich. Eine Änderung mit der ich hingegen sofort warm wurde ist das von Melina an uns überreichte Spektralross Torrent. Mit dem gehörnten Pferd können wir uns in der weitläufigen Welt sehr viel zügiger von Ort zu Ortschaft begeben. Das Tier ist dabei auch erstaundlich mobil. Besonders komfortabel ist hierbei sogar, dass Torrent wenn herbeigerufen direkt unter unserem Hintern spawnt.

Vorbei ist die Zeit wo Plötze oder Epona in 20 Metern Entfernung einfach stehen blieben und man erstmal zu denen hinlatschen musste. Ordentlich aufgelevelt und mit einem mobilen Untersatz ausgestattet sehe ich mich nun endgültig mit einer nach allen Seiten und 360 Grad offenem Limgrave konfrontiert. Die Welt steht mir zur Erkundung offen. Wohin geht die Reise nun als erstes? Direkt hoch zu Stormveil Calste? Oder in die entgegengesetzte Richtung hinab zu den Sümpfen? In der Ferne schimmert ein niederer Erdenbaum. Auf meinem Weg zum Sturmtor kam ich an einer Höhle vorbei, welche auch erkundet werden will. Außerdem erblickte ich relativ nah an der Krypta einen in goldener Rüstung gehüllten Reiter. Zu Fuß schien der Kampf zu Beginn relativ aussichtslos zu sein. Nun mit meinem treuen Torrent vereint könnte das aber ein ausgeglichener Kampf werden.

Quelle: www.fromsoftware.jp – mit Spektralross scheint der Kampf gegen den Baumwächter machbar.

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