Dreams Test (PS4): Ein wahrer Tausendsassa

von Mandi 19.02.2020

In Dreams erwartet euch so etwas wie das Netflix für Spiele. Der Clou? Sämtlicher Content wurde im Game selbst erstellt – von Media Molecule und der Community.

Was Dreams ist – und was nicht

Media Molecule, das Studio hinter der LittleBigPlanet-Reihe, hat mit Dreams eine neue Community zum Leben erweckt. Schon LittleBigPlanet 3 hat es findigen Köpfen ermöglicht, Genre-Grenzen zu sprengen. Was ihr hier also nicht erwarten dürft – das machten die Vorgängertitel anders -, ist eine ausgedehnte Einzelspielerkampagne. Nein, Arts Traum (so heißt nämlich das Tutorial-Level) soll euch eher rein den Mund wässrig machen und zeigen, was ihr in diesem Game so alles erstellen könnt. Richtig, in Dreams könnt ihr nämlich so gut wie alles selbst von Grund auf kreieren. Hier geht’s zur offiziellen Website!

Die Community ist dem Ruf schon seit der Beta-Phase gefolgt und so gibt es nun verschiedenste Levels zu begutachten. Manche haben nicht viel Gameplay zu bieten – erwähnenswert sind da beispielsweise die Food Porn-Levels. Dort wird euch so fotorealistisch wie nur möglich ein Frühstück oder ein Tisch mit Essen präsentiert, und ihr könnt die Stage begutachten – ganz so, wie es der oder die Erschaffer beabsichtigen. Doch das ist nur ein kleiner Teil des Ganzen: Sidescrolling-Flug-Arcade-Action, Adventures, Rätselspiele, ja sogar RPGs mit eigenen Inventaren und Mechaniken sind in Dreams erschaffbar und dank der Community bereits spielbar. Trailer gefällig?

Ab ins Traumiversum

Eingangs werdet ihr gefragt, ob ihr heute lieber Traum-Surfen oder Traum-Formen wollt. Wie der Name schon sagt, unterscheidet ihr hier, ob ihr lieber spielen oder erschaffen möchtet! Ihr steuert euren eigenen kleinen Wichtel wahlweise via Bewegungssteuerung oder Analogsticks, und ein wenig anpassbar ist die Figur obendrein. Zwischen frech, süß und aufgeweckt ist alles möglich! Wenn ihr lineares Gameplay und vorhersehbare Handlungen erwartet, seid ihr in Dreams mehr als nur schief gewickelt.

Das Tutorial-Level (Arts Traum) schickt euch in mehreren Instanzen durch liebevoll gestaltete Welten. Mal knallbunt, mal düster, mal wie ein Adventure und mal sehr actiongeladen spielt ihr mit verschiedenen Charakteren eine Storyline durch. Nach etwa eineinhalb Stunden habt ihr den von Media Molecule vorbereiteten Traum abgeschlossen, und es liegt an euch, was ihr nun tun wollt. Es ist so gut wie alles möglich: Möchtet ihr die Kreationen anderer erkunden, oder lieber gleich selbst etwas erschaffen?

Eine einzige Kreativwerkstatt

Ähnlich wie LittleBigPlanet zuvor steckt in Dreams unheimlich viel Potential. Ihr sammelt Preisblasen in den einzelnen Stages, die ihr fortan für die Erschaffung eurer eigenen Levels verwenden könnt. In Arts Traum etwa gibt es ganze 176 Preisblasen zu sammeln, das ist schon eine ordentliche Fülle für den Anfang! Eure Wichtel-Figur kann nämlich so gut wie alles in den Träumen übernehmen und/oder beeinflussen. Ihr könnt als Pixar-Lampe herumhüpfen, als Kugel herumrollen oder gleich als Kampfflugzeug durchstarten.

Egal, ob ihr nun eine Flugsimulation, einen Arcade-Racer wie WipEout, ein Rollenspiel, ein 3D-Adventure oder Pixelgrafik erstellen wollt, alles scheint möglich zu sein. Jeder Traum kann in mehrere Teile unterteilt werden, das passiert durch Checkpoints, die durch den oder die Ersteller gesetzt werden. Vorhandene Träume und ihre Versionen können durchgesehen werden, Kommentare und Fotos können geteilt werden, und wenn ihr aufhört, speichert es den Fortschritt zum letzten Checkpoint!

Kein Spiel, eher eine Community

Der Knackpunkt an Dreams ist, dass ihr hier kein Game per se kauft. Viel eher ist dieser Titel ein Einstieg in eine Kreativcommunity, die täglich wächst. Es gibt völlig kindgerechte Träume, und andere sind wieder eher düster und erwachsen gehalten. Je nachdem, welche Träume ihr euch aussucht, so gestaltet sich auch euer Erlebnis. Daher ist es schwierig, eine Empfehlung für oder gegen Dreams auszusprechen. Alle SpielerInnen werden ihren ganz eigenen Weg durch die Träume finden.

Media Molecule hilft dabei, indem vorhandene Träume grob kategorisiert werden. Awards werden vergeben, Träume stehen auch für euch zur Abstimmung bereit, und ihr solltet vor der Entscheidung natürlich sämtliche zur Abstimmung stehenden Träume gespielt haben. Per Daumen hoch setzt ihr das Zeichen dafür, dass euch der Level gefallen hat, und Kommentare sowie Fotos geben der Community weiteren Einblick in euer Dreams-Erlebnis.

Die Technik hinter Dreams

Wenn man die bisherigen Games von Media Molecule mit Dreams vergleicht, so ist der aktuelle PS4-Titel ungleich ambitionierter. Da so gut wie alles möglich ist – Fotorealismus, Pixelgrafik, Bewegungsunschärfe -, hängt auch hier wieder alles vom Traum ab, in dem ihr euch befindet. Die Optionen sind jedenfalls da und werden von der Community auch schon sehr gut eingesetzt. Genauso verhält es sich mit dem Sound: Je mehr Mühe sich beim Erstellen der Levels gegeben wird, umso überzeugender wirkt die einzelne Stage beim Spielen.

Der Punkt der Steuerung ist jedenfalls voll erfüllt. Euer Wichtel lässt sich anstandslos über den Bildschirm bewegen, die Befehle werden einwandfrei umgesetzt und die allermeisten Träume steuern sich ganz gut. Nur bei einigen wenigen Figuren hat man das Gefühl, eine schwangere Kuh zu steuern. Ebenso die Kamera kann vom Ersteller des Traums entweder frei steuerbar gemacht oder auch fixiert werden – hier lässt sich auch keine definitive Aussage treffen. Schwierig!

Fazit: Kein Spiel, sondern so viel mehr

In Dreams geht es im Prinzip darum, in kurzer Zeit die kreativen Ergüsse von anderen zu erleben. Ihr entscheidet selbst, in welche Richtung euer Erlebnis geht – dabei ist jeder Traum wirklich unterschiedlich. Als Spiel hat Dreams eine offensichtliche Schwäche: Es gibt kaum einen roten Faden, und als Story ist der Tutorial-Traum von Art einfach zu wenig. Als Inspiration für das, was im Game so alles möglich ist, funktioniert die gebotene Einleitung jedoch wunderbar.

Das ist es auch, was ihr im Endeffekt über diesen Titel wissen müsst. Ihr kauft weniger ein Spiel mit einem vorgegebenen Anfang und einem vorgegebenen Ende, viel eher ist Dreams als eine Eintrittskarte für eine Community zu sehen, die mit endloser Kreativität jede Woche wieder etwas völlig Neues aus dem Spiel lockt. Ähnlich wie der Online-Modus in LittleBigPlanet 3 wisst ihr oft nicht, was euch in den einzelnen Levels erwartet. Wenn ihr aber offen für Neues seid und einen Hang zum Basteln habt, solltet ihr euch Dreams für PlayStation 4 auf jeden Fall näher ansehen.

Wertung: 8.5 Pixel

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