Doom (PS4) im Test

von David Kolb-Zgaga 18.05.2016
DOOM Teaser

Der Name Doom steht für Brutalität, Gewalt und Indizierung, aber auch für technische Innovation, 3D-Gameplay und die Mitbegründung eines gesamten Genres. 23 Jahre nach dem Erstlingswerk, das nebenbei erwähnt erst seit 2011 vom Index genommen wurde, erscheint es, als eine Art Reboot erneut – Doom. Aber ist es überhaupt noch möglich in unserer gegenwärtigen Medienlandschaft zu schocken, bzw. können die doch schon angestaubten Mechaniken überhaupt in die Neuzeit übertragen werden?

Trashig, spaßig, pfeilschnell

Um gleich eine der Fragen zu beantworten, ja die Gameplaymechaniken machen auch 2016 noch Spaß! Doom wirft euch sofort mitten ins Geschehen und ehe ihr euch verseht, habt ihr schon eine Menge an Imps, Hellknights und anderem Dämonengesocks auf dem Gewissen. Dabei spielt sich das Spiel sehr knackig und flott, zwar nicht auf einem Geschwindigkeitsniveau eines Quakes, das muss aber auch gar nicht sein. Wer hier nicht ständig in Bewegung ist, um Ecken strafed und um die vielen Feinde herumtänzelt, wird knallhart auseinander genommen. Meistert man diese Vorgehensweisen aber, so wird man mit einem richtig coolen Flow belohnt, der durch die Glory-Kills seinen immer wiederkehrenden Höhepunkt findet. Schwächt man einen Gegner, beginnt dieser nämlich orange zu leuchten und dann ist es ratsam in den Nahkampf überzugehen. Neben einem Finishing-Move, d.h. einer Animation, wo Gliedmaßen abgetrennt werden und/oder Köpfe zerplatzt werden, erhält der Marine auch ein bisschen Leben zurück. Das ist überlebenswichtig, denn wie sich das für einen Oldschool-Shooter gehört, regeneriert die Spielfigur kein Leben.

Brutal ohne zu schocken

Da wir nun endgültig beim Gewaltfaktor angelangt sind, wer nicht auf Blood and Gore steht, der sollte die Finger davon lassen, denn in Doom kann es schon mal passieren, dass man die Eingeweide eines Gegners in dessen Mund rammt und diese quasi an ihn selbst verfüttert. Mit einem gewissen Augenzwinkern wird hier Gewalt zelebriert und ich muss mir immer wieder selbst eingestehen, dass mir so eine Art von Spielerlebnis viel Spaß bereiten kann.  Diese Faszination ist es jedoch wert, diese an einem anderen Tag, in einem eigenen Artikel aufzuarbeiten… Fest steht aber, dass Doom zwar sehr brutal ist, jedoch die Zeiten von Indizierungen (zum Glück) der Vergangenheit angehören.

Hello old friend

Überhaupt ist Doom ein richtiges Blockbusterspiel: Hirn aus, Waffen im Anschlag und ab geht die wilde Fahrt! Achja, Story gibt es auch und diese ist mit dem Adjektiv „nett“ wahrscheinlich noch am besten bedient. Dr. Samuel Hayden und die Antagonistin Olivia Pierce geben euch immer wieder mal kryptische Hinweise zur Story und der weiteren Vorgehensweise. Das ist wie schon gesagt, ganz nett, reißt aber niemanden so richtig vom Hocker. Die altbewährte Beschreibung, auf dem Mars wird ein Tor zur Hölle geöffnet, trifft auch hervorragend auf das neue Doom zu. Viel wichtiger und interessanter als die Story ist dann aber, die Vergabe der Waffen. Zu Beginn startet man noch mit einer Art Pistole und bald darauf einer Shotgun. Nach und nach findet der Marine dann alte Bekannte, wie den Rocketlauncher, die Plasmagun und selbstverständlich auch die BFG 9000. Das ist vor allem deshalb interessant, da Doom spielerisch nicht allzu viel Abwechslung bietet. Die Aufgaben sind zumeist ähnlich und laufen darauf hinaus, dass ihr mit eurem Marine jeden Dämon auslöscht, der nicht bei drei wieder zurück in die Hölle fährt.

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Doom of War

Immer dann, wenn das Spiel droht, etwas eintönig zu werden, bekomme ich neue Gadgets und Waffen, die das Weiterspielen wieder spannend gestalten. Da ständige Munitionsknappheit herrscht, will jede Waffe zur richtigen Zeit eingesetzt werden, um die größtmögliche Effizienz zu erreichen. Besonders cool sind die zusätzlichen Waffen, wie z.B. die Kettensäge und die vorhin angesprochene BFG 9000. Diese können, wegen Munitionsknappheit, nur sehr selten eingesetzt werden, sind dafür aber umso mächtiger. Die Kettensäge beispielsweise kann einen ganzen Hellknight in Sekundenschnelle in zwei Teile spalten. Das mag abermals merkwürdig klingen, aber gerade diese Animation ist unglaublich befriedigend mit anzusehen, vergleichbar mit einem Fatality-Move aus Mortal Kombat. Das ist aber nicht nur etwas fürs Auge, durch dieses Manöver hinterlässt der entzweite Gegner außerdem jede Menge überlebensnotwendige Munition fallen.

Doom in der Gegenwart

In Dooms besten Momenten hetzt man mit hohem Tempo durch die Levels, kombiniert verschiedene Waffentypen und tötet Dämon, um Dämon. Der Flow ist dann richtig gut und die vielen, kleinen Bewegungen gehen mit dem Gamepad elegant von der Hand. Dann jedoch bremst sich das Spiel ein wenig selbst aus, denn die Levels sind verschachtelt und die, aus Nostalgiegründen, beliebten Schlüsselkarten wollen gefunden werden. Einerseits ist das Fluch, andererseits jedoch auch Segen, denn es gibt viele Collectibles und geheime Räume zu entdecken. Zusätzlich bietet jeder Abschnitt eigene Herausforderungen (töte 5 Dämonen mit einem Glory-Kill etc.) oder sogar Arenaabschnitte, in denen ihr z.B. innerhalb einer gewissen Zeitspanne 20 Imps töten müsst. Diese Herausforderungen gewähren Waffen- und Charakterpunkte, mit denen ihr dem Marine und dessen jeweilige Waffen euren eigenen Stempel aufdrücken könnt. Darf es etwas mehr Geschwindigkeit sein oder doch mehr Robustheit gegen Explosionen? Viel ist möglich und das ausbauen der Talente motiviert, noch wichtiger sind aber die Waffenupgrades. Jede Waffe verfügt in Doom über einen Sekundärmodus, der immer weiter ausgebaut werden kann. Bei der Shotgun z.B., kann zwischen explodierenden Schüssen oder einem Triple-Schuss gewählt werden, was taktisch gut abgewogen werden sollte. Insgesamt schafft es Doom daher seine Mechaniken angenehm an die jetzigen Genrestandards anzupassen, ohne dabei aufdringlich zu werden – vieles davon kann, muss aber nicht gemacht werden.

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Gemeinsam durch die Hölle

Trotz all dieser Features, muss jedoch gesagt werden, dass die Kampagne von Doom eine gewisse Repetition nicht verbergen kann. Zu oft musste ich nach dem Weg suchen und durch die teils wirren Abschnitte laufen. Zudem ist das Artdesign der Gegner zwar cool ausgefallen, die Anzahl an verschiedenen Gegnertypen bleibt aber eher gering. Für mehr Abwechslung soll dann der Multiplayer sorgen – was für mich leider nicht ganz zutrifft. Das soll aber nicht heißen, dass der Multiplayer schlecht ist, ich spiele Doom aber vorrangig wegen seiner Kampagne und sehe die online Matches eher als Beiwerk (und bin mir dabei auch völlig bewusst, dass das für viele nicht der Fall sein dürfte). Die sechs Modi Team-Deathmatch, Vorherrschaft , Kriegspfad, Freeze Tag und Clan-Arena sind angenehm abwechslungsreich gestaltet und bieten für jeden Geschmack etwas an. Neben den sehr klassischen Modi wie Vorherrschaft und Team-Deathmatch, gibt es z.B. auch Freeze Tag, wo Gegner nicht getötet, sondern in einen Eisblock verwandelt werden. Eingefrorene Feinde lassen sich durch Nahkampf und Beschuss in der Gegend rumschubsen, wodurch es möglich wird sie in tödliche Fallen zu bugsieren. Eine weitere, kreative Schöpfung ist Kriegspfad, das eine Abwandlung von King of the Hill ist. In Kriegspfad ist die erobernde Zone mobil und verfolgt, wie der Name schon sagt einen deutlich gekennzeichneten Pfad.

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Quad Damage VS Loadouts

Der bisher größte Kritikpunkt von Quake– und Doom-Fans dürfte wohl die Geschwindigkeit sein, denn für einen Arena-Multiplayer-Shooter spielt sich Doom gar nicht mal so schnell. Dafür flutscht aber alles hervorragend, von der ersten Sekunde an gehen Doppelsprünge und andere Manöver locker von der Hand. Ein Zugeständnis an die Moderne sind die Hackmodule, die nach jeder Partie verteilt werden und stark an die Burn Cards aus Titanfall erinnern.  Außerdem erhält man zusätzlich auch Erfahrungspunkte, die neue Waffen und Granatentypen freischalten. Zu Beginn jedes Respawns wählt man aus verschiedenen Loadouts aus und erhält so von Beginn an zwei Waffen (z.B. Shotgun und Scharfschützengewehr). Retro-Fans kritisieren diese Art der Gameplaymechanik, da man sich in den 90ern noch jede Waffe einzeln auf der Map einsammeln musste. Zum Sammeln gibt es aber dennoch viel, denn Rüstungsupgrades, Quad Damage und sogar Superwaffen liegen verteilt auf der Map und können in einer Partie schon mal den Unterschied machen. Das mächtigste Pick-Up ist jedoch die Dämonenrune. Die ermöglicht es SpielerInnen sich in mächtige Dämonen, wie  den Reaper zu verwandeln. In dieser Form hält man nicht nur mehr aus, man macht auch unfassbar viel Schaden. Das geht sogar so weit, dass diese Verwandlungen ein Match komplett kippen kann. Das spielt sich zwar cool, ist jedoch meiner Meinung nach ein bisschen zu mächtig ausgefallen. Trotzdem – schafft man es die Dämonenrune an sich zu reißen, ist das ein großartiges Gefühl, denn das Gameplay als mächtiger Dämon macht sehr viel Spaß.

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Rosa Blümchenshotgun

Was außerdem in keinem modernen Online-Shooter mehr fehlen darf (ja CS:GO, ich schaue in deine Richtung) sind Waffenskins. Der rosa Shotgun, mit Blümchenmuster steht so nichts mehr im Wege! Damit auch spielerisch für neue Inhalte gesorgt ist, gibt es Snap Map, den Leveleditor von Doom. Dieser ist überraschend einfach zu bedienen, denn in meinen ersten Versuchen hatte ich immer ein bisschen das Gefühl, als würde ich Legosteinchen miteinander verbinden. Der Editor gibt euch viele Möglichkeiten, so können z.B. unterschiedliche Monster und hilfreiche Gegenstände platziert werden. Ob sich Snap Map langfristig durchsetzen kann, lässt sich jetzt noch nicht sagen, es ist aber für kreative Gamer ein schönes zusätzliches Feature.

Fazit

Meiner Meinung nach ist die Kampagne von Doom, die stärkste Komponente des Spiels. Das Gameplay dort ist simpel, schnell, brachial und liefert genau das ab, wofür das Franchise schon seit 1993 steht. Es mag ein bisschen seltsam klingen, aber es macht einfach Spaß Dämonen auf brutalste Art und Weise den gar auszumachen, während im Hintergrund Heavy Metal Musik läuft. Der Singleplayer-Modus schafft es ausgezeichnet die Essenz von Doom einzufangen, auch wenn das hin und wieder repetitives Gameplay zur Folge hat. Der Multiplayer, wie auch Snap Map sind eine schöne Erweiterung, werden meiner Meinung nach aber nach einigen Stunden belanglos. Das liegt aber auch an meinem, persönlichen Geschmack, denn was Multiplayer angeht, bevorzuge ich eher taktisch angelegte Matches, wie z.B. bei Battlefield. Trotzdem haben es Bethesda und id Software gut hinbekommen, Doom in die Neuzeit  zu transferieren. Fans von brachialer, schneller Action sollten sich das nicht entgehen lassen.

Wertung: 8.1 Pixel

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