Der Grinch Kinokritik: Im Rauchfang stecken geblieben?

von Matthias Tüchler 16.11.2018

Wie schon Jim Carrey im Jahr 2000, schlüpft nun Otto Waalkes in die Rolle des Grinch. Von den Machern von Despicable Me erzählt Der Grinch das Original Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat von Dr. Suess auf moderne Art und Weise nach. Doch trifft die Animations-Gospel von Illumination Studios den charmanten Ton des Originals oder den amüsanten Wahnsinn von Jim Carrey?

Wie der Grinch den Plot vergaß

Leider wirkt Der Grinch sehr übereilt und einige Plot-Entscheidungen machen für uns keinen Sinn. Der Grinch hat in dieser neuen Variante eine recht traurige Hintergrundgeschichte, die ihn zu dem gemacht hat, was er ist. Zudem wird in der Neuauflage von Beginn wiederholt deutlich gemacht, dass ihm seine Einsamkeit durchaus nahe geht. Die Freude an der Gemeinheit, die Jim Carrey vermittelt hat, geht dabei gänzlich verloren.

Der Grinch

Auch das Verhältnis der Whos zum Grinch wirkt etwas merkwürdig, da er ihnen zwar bekannt ist, seine Ablehnung von Weihnachten und seine Gemeinheit allerdings offenbar bis zum dritten Akt keineswegs. Als der Grinch also Weihnachten stiehlt, da gibt es keinerlei Verdacht oder Mutmaßungen, die ihm gegenüber ausgesprochen werden. Selbst Cindy-Lou begegnet ihm nur flüchtig zu Beginn des Filmes und der rührende Kampf eines idealistischen kleinen Mädchens gegen die Vorurteile der Gesellschaft, geht völlig verloren.

Slapstick & Fusselflaum

Wie man es von Illumination aus den Minions kennt, arbeitet Der Grinch vordergründig mit Slapstick- bzw. physischem Humor. Während dieser natürlich Geschmackssache ist, finden wir es sehr schade, dass der gesellschaftskritische Augenzwinker-Humor aus dem Jim Carrey Streifen fehlt. Ohne Elemente wie die Rivalität des Bürgermeisters und des Grinch um Martha May oder der übertriebene Materialismus der Who-bilierung bleibt Der Grinch leider fast ausschließlich für Kinder amüsant.

Der Grinch

Keine Abstriche macht Illumination bei der Animation. Vom grünen Pelz des Grinch, über die Fussel seiner Bettdecke bis hin zum feinen Flaum auf Cindy-Lou’s Gesicht ist jede kleinste Faser lebhaft farbig zu erkennen. Auch der bekannte drollige Stil gemischt mit irren Erfindungen, wie man sie aus Despicable Me oder den Minions kennt, passt hervorragend in Der Grinch.

Weihnachtsbotschaft in wuschlig-Grün

Trotz der oberflächlichen Story und dem simplen Humor transportiert Der Grinch eine nach wie vor herzerwärmende Botschaft: Bei Weihnachten geht es nicht um Geschenke und Fresserei sondern um Gemeinsamkeit, Mitgefühl und Besinnlichkeit. Nach wie vor muss man lächeln, als der Grinch am Ende in Whoville am Festtisch sitzt. Zu schade, dass das Gewicht dieser Wandlung vom übereilten Plot stark abgeschwächt wird.

Kurz gesagt: Wer die Minions mochte, der wird auch Der Grinch mögen, der leider vor allem für Kinder ein unterhaltsamer Weihnachtsfilm ist

Wertung: 5 Pixel

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Was, wer behauptet, dass es zu Weihnachten nicht ums Essen geht?! ;P

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