Deponia Doomsday (PC) im Test

von David Kolb 06.03.2016

Deponia_Doomsday_Teaser

Daedalics Deponia-Trilogie ist für mich eine der großartigsten Adventureserien der Videospielneuzeit. Über drei Teile hinweg durfte ich mit Rufus, dem arroganten, aber liebenswerten Protagonisten, meine Schadenfreude teilen, Unsinn anstellen und vor allem sehr viel lachen. Ob das mit Deponia Doomsday erneut gelingen kann, erfahrt ihr in meinem Test.

Hussa, er ist wieder da!

Wer Goodbye Deponia durchgespielt hat, der weiß, dass das Ende zwar abrupt, aber sehr deutlich fertig erzählt wurde. Umso überraschender kam für mich in diesem Jahr die Ankündigung von Deponia Doomsday, denn wie kann es Deadalic gelingen, die Serie schlüssig und sinnvoll weiterzuerzählen? Ganz „einfach“, mit Zeitanomalien und Traumsequenzen! Aus diesem Grund spielt Deponia Doomsday auch vor, nach und während den Geschehnissen der Trilogie: Die fliegende Stadt Elysium ist abgestürzt, grässliche Fewlocks bevölkern den Schrottplaneten Deponia und Rufus ist scheinbar der letzte (menschliche) Überlebende. Er sieht für sich nur noch einen Ausweg: Deponia muss gesprengt werden.

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Erschrocken wacht Rufus in seinem Bett auf Deponia auf. War das ein Traum oder doch eine Vision? Glücklicherweise kann Rufus dies sogleich überprüfen, denn der skurrile Professor McChronicle hat einige Zeitanomalien ausfindig gemacht. Praktisch, dass Rufus eine Zeitmaschine findet und sich sofort aufmachen kann, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehörig durcheinanderzubringen.

Zeitreise mit viel Fanservice

So verwirft Daedalic quasi alles, was bisher geschehen ist und dann auch wieder nicht, denn Rufus beeinflusst die Geschichte am laufenden Band und verändert so ständig die Zeitlinien. Mal ist er mit Toni zusammen, kurz darauf ist sie wieder seine toughe Ex-Freundin. Wer die Vorgänger nicht gespielt hat, schafft es zwar durch das Spiel, wird aber wenig verstehen und verpasst enorm viel Fanservice, in Form von Anspielungen, Zitaten und Referenzen auf alte Beziehungen. Für Fans hingegen ist es großartig, denn der typisch, zynische Humor und die Slapstickeinlagen von Rufus schlagen wieder voll ein. Schön ist auch zu sehen, dass Daedalic sich selbst nicht ganz ernst nimmt und Rufus immer wieder durchblicken lässt, dass das Alles-War-Nur-Ein-Traum-Szenario nicht gerade der kreativste Einfall ist. Allerdings wurde gerade diese Idee gut umgesetzt, denn so wie der Protagonist, weiß auch der/die SpielerIn nie genau, welche Ereignisse tatsächlich die Realität beeinflusst haben und welche nicht.

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Day of the Deponia

Aber nicht nur die Story profitiert von den zeitlichen Anomalien, auch die Rätsel bekommen so eine ganz neue Dimension. Wer dabei an das großartige Day of the Tentacle denken muss, liegt absolut richtig, denn Deponia Doomsday wirkt für mich wie eine Verbeugung vor dem Lucas Arts Klassiker. So kann es vorkommen, dass durch die Verschiebung der Zeitebenen, die Rätsel anders gelöst werden müssen, da die alte Variante so nicht mehr funktioniert. Zusätzlich dazu muss jederzeit beachtet werden, wie die Handlungen die Zukunft oder Vergangenheit beeinflussen können. Dabei kann der zeitliche Unterschied zwischen fünf Minuten und einigen Jahren hin und her springen. Nur ganz selten schleichen sich unlogische Kopfnüsse ein (wer kommt denn auf die Idee, dass die Suche nach Stroh, mit einem pinkfarbenen Strohhalm gelöst ist?), denn viele der Rätsel fühlen sich trotz oder gerade wegen der Zeitverschiebungen sehr intuitiv an. Daedalic schafft es vortrefflich, mit den Zeitsprüngen zu spielen und den SpielerInnen interessante Twists und Mechaniken zu präsentieren. Trotz des vielen Lobs kommt Deponia Doomsday aber nicht ganz an das fantastische Rätseldesign von Day of the Tentacle heran.

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Was für ein pseudopoetischer Unfug!

Beim Humor hingegen kann Deponia Doomsday im Vergleich zum Retrogame voll mithalten. Auch wenn dies bereits der vierte Teil mit Rufus ist, ist er als tollpatschiger, viel zu selbstbewusster Antiheld noch immer großartig in Szene gesetzt. Humor in Videospielen ist ein kompliziertes Thema, aber die AutorInnen von Daedalic schaffen es immer wieder Gags und One-Liner abzufeuern und diese im Kontext der Geschichte einzubauen. Während vieler, verwirrender und mysteriöser Ereignisse, ist Rufus einem rosa Elefanten auf der Spur, der ihn terrorisiert. Quasi selbstverständlich besitzt der Elefant einen Porzellanladen, wo Rufus in seiner gewinnenden und gleichzeitig trottligen Art alles zerstört und das mit dem Spruch: „Ein rosa Elefant mit einem Porzellanladen? Was für ein pseudopoetischer Unfug!“ goutiert. An einigen Stellen durchbricht er auch die vierte Wand und macht sich über sein Publikum und seine eigenen Schreiber lustig. Das ist genau mein Humor, der dann auch noch mit stumpfsinnigen Gags à la Antiwitzen garniert wird, weshalb ich mal schmunzelnd, mal laut lachend vor meinem Bildschirm sitze.

Look und Synchro wie immer top

Deponia Doomsday funktioniert aber auch so gut wegen seiner hohen Qualität, bei der Synchronisation. Rufus (und einige andere Charaktere) werden wieder von Monty Arnold vertont. Ich kann an dieser Stelle nur sagen, gebt dem Mann einen Preis! Aber auch die anderen Charaktere wurden glaubwürdig und gut eingesprochen, sodass es zu jeder Zeit eine große Freude ist, den Dialogen zu folgen. Neben dem Sound ist auch wieder der wahnsinnig detaillierte und schöne Comicstil mit an Bord. Auch wenn ich das in meiner gesamten Zeit als Spielereviewer schon zum vierten Mal schreibe, der Comicstil gefällt mir einfach unheimlich gut und wird ähnlich, wie bei Monkey Island 3, auch noch in 20 Jahren super aussehen. Als letztes, serientypisches Qualitätsmerkmal sind dann noch die humorigen Liedchen von Creative Director „Poki“ (Jan Müller-Michaelis). Das ist für Fans zwar nichts Neues, aber all diese Punkte machen Deponia Doomsday zu einem großartigen Adventure.

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Fazit

Die Wortkünstler bei Daedalic haben ein Parallelquel geschaffen, dass es Fans ermöglicht endlich wieder Abenteuer mit Rufus zu erleben. Wie das bei einem vierten Teil so ist, der immer wieder auf die vorangegangene Trilogie referenziert, sollte man keinesfalls mit Deponia Doomsday in die Reihe einsteigen (an dieser Stelle sei euch auch nochmals Deponia – The Complete Journey mit allen drei Teilen ans Herz gelegt).

Deponia Doomsday bietet, wie schon seine Vorgänger, eine tolle Mischung aus Optik, Dialogen und gut gemachtem Humor. Auch die Rätsel sind fordernd und bekommen durch die Zeitmanipulation noch ein cooles, zusätzliches Element spendiert, dass das Spielgeschehen auflockert. Für mich ist Deponia die beste Serie der Videospielneuzeit, was humorvolle Adventures anbelangt und in dieser Lobeshymne, darf auch Deponia Doomsday nun zurecht nicht mehr fehlen!

Wertung: 8.8 Pixel

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