Das Krumme Haus – Kritik zum neuen Agatha Christie Krimi

von Michael Neidhart 30.11.2018

In der klassischen Detektivgeschichte Das Krumme Haus von Agatha Christie kehrt der ehemalige Diplomat Charles Hayward von Kairo nach London zurück, wo er eine Karriere als Privatdetektiv beginnt. Als Aristide Leonides, ein reicher Tycoon, in seinem Bett vergiftet aufgefunden wird, liegt es an Hayward, den Fall aufzuklären.

Das Krumme Haus als Unterkunft

Die ganze Familie Leonides lebt unter den drei Giebeln des Krummen Hauses zusammen. Es gibt die Schwägerin des alten Patriarchen, Edith, die gerne mit der Schrottflinte auf Maulwurfjagd geht. Die beiden Söhne, mit Frauen und Kindern, einen Hauslehrer, die um viele Jahre jüngere zweite Frau und eine Nanny für das jüngste Kind. Jede der Figuren umgibt etwas mysteriöses. Jede/r könnte der/die Mörderin sein. Das macht die Aufgabe für den Privatdetektiv Charles Hayward ziemlich herausfordernd.

Charles ist der prototypische Ermittler. Da der Vater bei Scotland Yard arbeitete und sehr erfolgreich war, möchte der spionageerprobte Mann nicht für diese ehrwürdige Organisation arbeiten. Zu groß seien die Fußstapfen in die er treten müsste. Also verdingt er sich als privater Ermittler in London, dem es immer schwerer fällt, Rechnungen zu bezahlen. Eines Tages wartet eine alte Bekannte in seinem Büro, Sophia De Haviland, die Enkelin des Patriarchen.

Wir haben immer noch Kairo

Die beiden verbindet eine Geschichte aus besseren Tagen und jetzt soll er ihr helfen, den Mörder ihres Großvaters innerhalb der eigenen Familie zu finden. Bald schon muss Charles feststellen, dass nicht nur das Haus, in dem alle leben, irgendwie krumm ist. Seine Bewohner sind entweder froh über den Tod des alten Leonides oder kümmern sich nicht allzu viel darum.

Über Charles Auftauchen freut sich, mit Ausnahme der kleinen Josephine, der es im Haus ziemlich langweilig ist, niemand. Langsam aber stetig kämpft sich der Detektiv durch das Geflecht der Intrigen und gegenseitigen Verleumdungen. Brisant wird der Auftrag als ein neues Testament auftaucht, dass für alle irgendwie wenig überraschend aber doch entscheidend ist.

Darf ich bitten

Was zunächst nach einer eindeutigen Geschichte aussieht, am Beginn verabreicht eine mit lackierten Fingernägeln bestückte Hand dem alten Leonides Medizin, wird schon bald ziemlich verworren. Manche der BewohnerInnen ändern im Verlauf der Geschichte ihren Auftritt vollkommen. Andere, die anfangs klar als MörderIn erscheinen, entpuppen sich als unfähige Proponenten.

Die hochkarätigen Besetzung, zu der unter anderem Glenn Close, Terence Stamp, Max Irons, Stefanie Martini und Gillian Anderson gehören, agiert unter der Regie von Gilles Paquet-Brenner grandios und erweckt die prototypischen Figuren der Agatha Christie Geschichten zu blühendem Leben. Wie sehr das jetzt auseinanderbrechende Haus von der rigorosen Hand des alten Leonides zusammengehalten wurde, zeigt sich deutlich bei einem Abendessen, dem auch Hayward beiwohnt. Giftige Spitzen treffen hier jede und jeden, keiner bleibt verschont.

Wer war es?

Aufmerksame BeobachterInnen haben schon bald einen Verdacht, wer hier das Fläschchen Medizin vertauschte und so den Tod des Patriarchen zu verantworten hat. Dennoch ist es eine Freude, Charles Hayward bei der Suche und in den Gesprächen zu begleiten. Das Krumme Haus lebt vor allem von den hervorragend agierenden DarstellerInnen. Zudem schafft es Paquet-Brenner das London der Nachkriegsjahre grandios in Szene zu setzten.

Das Haus, die Kostüme, Scotland Yard und das gesamte Drumherum entwickeln einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. An manchen Stellen sickert die von Josephine erwähnte Langeweile, die unweigerlich in solcher Gesellschaft entsteht, aber ein wenig durch die Leinwand. Für Freunde der klassischen Whodunit-Geschichten dennoch empfehlenswert.

Das Krumme Haus läuft ab 30.11.2018 in den österreichischen Kinos.

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