Dark Souls Remastered im Test – Das Aufpolieren eines Meilensteins

von David Kolb 24.10.2018

Dark Souls Remastered hat eine große Aufgabe vor sich, denn im Prinzip muss das Spiel einen ganzen Genre-Meilenstein behutsam aufpolieren und die zahlreichen, technischen Mängel beseitigen. Auf meiner Switch begebe ich mich ein letztes Mal nach Lordran und tauche ein, in diese faszinierende tödliche Welt.

Licht und Schatten

Um euch die Notwendigkeit eines Remasters zu erklären, kehren wir kurz zurück in das Jahr 2012, wo ich zum ersten Mal Dark Souls spielen durfte. Da ich von Demon Souls nur gehört hatte, war das Spiel ein absoluter Augenöffner. Keiner erklärt mir etwas, genauso verhält sich auch die Story und ständig sterbe ich unachtsame Tode. Und doch kann ich nicht mehr aufhören zu spielen, denn ich verfiel damals in eine Art Rausch. Es gibt sie eben doch noch, diese Spiele, auf die man sich schon den ganzen Tag hin freut, auf das man am Abend heimkommt und endlich wieder die Konsole anmachen kann. Aber es gab nicht nur das fantastische neuartige Spielprinzip. Wie im Spiel selbst gibt es dort, wo es Feuer gibt, auch Schatten. Stellvertretend dafür gibt es in Dark Souls das Gebiet Blighttown und wie ich diesen Moloch gehasst habe. Dieses finstere, fürchterliche Loch mit wackeligen Brückenkonstruktionen, wo jede Ausweichrolle ein potenzieller Sprung in den Tod ist. Als wäre das nicht genug ist das Areal übersät mit den sogenannten „Blowdart Snipern“, die euch mit ihren fürchterlichen Blasrohrpfeilen eindecken und wie selbstverständlich auch noch vergiften.

Fehler wurden ausgemerzt

So viel also zur spielerischen Herausforderung, die hier schon grenzwertig meine Nerven strapazierte. Noch verschlimmert haben es aber die matschigen Texturen, die dunklen Gebiete, in denen man teilweise nichts mehr sehen konnte und das unfassbar ungünstige Einbrechen der Framerate auf unter zehn FPS pro Sekunde. Es gibt noch einige weitere Gebiete, wie z.B. die Ruinen von New Londo, die ebenfalls große technische Probleme produzierten und sie alle wurden dank der Remastered Version behoben. Man kann sich in diesen fehlerhaften Gebieten nun endlich erstmals nur aufs Gameplay konzentrieren ohne Angst haben zu müssen durch Bugs oder Frameratedrops zu sterben.

Eine Frage der Plattform

Es gab aber noch viele weitere technische Mängel, wie die P2P-PVP-Verbindung (jetzt gibt es zum Glück eigene Server dafür), die ausgemerzt wurden. Auch die damals nicht einmal native Auflösung von 720p wurde auf meiner Switch im TV-Modus auf 1080p (Handheld-Modus auf nativ 720p) erhöht. Auf PS4 und Xbox One läuft das Game sogar in butterweichen 60 FPS, was das Spielerlebnis noch einmal deutlich anhebt. Auf der Switch könnt ihr dafür auch unterwegs auf Beutejagd gehen. Für PC-SpielerInnen lohnt sicher der Kauf eher nicht, da alle diese Vorteile schon längst mit kostenlosen Mods erhältlich sind. Alles in allem ist die Portierung aber sehr gut gelungen und auch die Grafiken wurden notwendigerweise ausgetauscht und aufgehübscht.

Don’t fear failure…

Trotzdem sieht man dem Spiel auch nach der Überarbeitung an, dass es ursprünglich aus dem Jahr 2011 stammt, da z.B. eine gewisse Detailarmut herrscht, die aber gut zur Stimmung beiträgt. Warum also sollte man ein so „angestaubtes“ Spiel noch nachholen? Die Veteranen wissen ohnehin warum, aber den Neulingen unter euch möchte ich erklären, warum es eine sehr gute Idee ist, Dark Souls Remastered zu spielen. Das Spiel ist düster und einsam und jedes Gebiet und jeder Charakter lässt euch das deutlich spüren. Ihr seid allein und komplett auf euch gestellt und das zieht sich durch das gesamte Spiel. Die Story wird nur bruchstückhaft erzählt und ihr müsst euch selbst ein Bild daraus zusammen puzzlen. Das Spiel ist dazu sehr schwer und wartet mit kniffligen Bosskämpfen auf.

Not failure, but low aim, is the crime…

Dark Souls ist dabei aber nie unfair und es ist oft gleich klar, warum man gerade gestorben ist und welche Fehler dazu geführt haben. Deshalb durchlebt ihr eine großartige Reise, in der nicht nur euer Charakter stärker wird, auch ihr werdet zu einem viel besseren Spieler. Angriffsmuster erkennen, Ausweichrollen und das Einsetzen von Zaubern, Bögen, Schild und Schwert gehen dann dank des exzellenten Kampfsystems hervorragend von der Hand. Obendrauf stellt euch Entwickler From Software auch noch einen PVP-Modus zur Verfügung, wo ihr gegen, aber auch mit anderen Spielerinnen und Spielern kämpfen könnt.

In great attempts, it is glorious even to fail

Außerdem gibt es da ja noch die Verlustangst, denn beim Ableben bleiben eure gesammelten Seelen (die Währung, und gleichzeitig auch die Erfahrungspunkte des Spiels) am Boden liegen. Dann habt ihr noch genau eine Chance sie zurück zu bekommen oder diese für immer zu verlieren. Diese Mechanik verstärkt das Gameplay noch einmal deutlich und macht die einzelnen Runs ungeheuer spannend und Adrenalin geladen. Habt ihr dann einen Abschnitt gemeistert, ist die Freude darüber umso größer – man hat es sich erarbeitet, ja sogar verdient. Außerdem belohnt euch das Spiel mit fantasievollen Gebieten, wie der Painted World of Ariamis, wo ihr in ein Gemälde eingesogen werdet. Sogar ins angebliche Tutorial-Level könnt ihr noch einmal zurückkehren und dort ein neues, noch größeres Übel zu bekämpfen.

Ihr werdet großartige Szenerien sehen

Trotzdem spielt Dark Souls oftmals in verfallenen Ruinen und Burgen, die ebenfalls die einsame Atmosphäre anregen. Das Spiel weiß sich aber mit Kontrasten zu helfen, weshalb es für mich auch den Magic Moment gibt, wenn man das erste Mal Anor Londo sieht. Ich möchte hier nichts verraten, deshalb sei nur gesagt, dass die Entwickler mehrmals mit den eigenen Konventionen brechen und euch immer wieder aufs Neue überraschen werden.

So viel zu entdecken

Dark Souls wirft euch ohnehin schon in eine Welt, in der ihr locker 50-70 Stunden verbringen könnt. Mit den zusätzlich enthaltenen DLCs, könnt ihr aber noch mehr Zeit in der Spielwelt verbringen und so legendäre Bosskämpfe, wie gegen den Drachen Kalameet erleben. Es lohnt sich allerdings während des Spielens ein Wiki zu öffnen, denn Dark Souls ist voller versteckter Geheimnisse, die ihr beim ersten Run nicht ohne Hilfe finden werdet. So gibt es z.B. eine offizielle Anleitung, wie man eigentlich zum DLC-Abschnitt gelangt, da es nur sehr schwer möglich ist, das alleine herauszufinden und die Lösung dieses Rätsels, der Welt zu entlocken. Deshalb gibt es auch den sehr beliebten New Game+ Modus, wo das Spiel mit noch härteren Gegnern und besserem Loot wieder von vorne beginnt und getroffene Entscheidungen geändert und neue Pfade betreten werden können.

Dark Souls Remastered Fazit

Am Anfang war ich skeptisch: „Ich will das erste Dark Souls nicht noch einmal spielen müssen. Ich habe weder Zeit, noch besonders große Lust, diese Anstrengung auf mich zu nehmen.“, dachte ich mir. Nach und nach hat mich diese faszinierende Spielwelt dann abermals so eingesogen, dass ich mich gar nicht mehr davon lösen wollte. Überwindet man sich, hat dieses Spiel so unfassbar viel Tiefgang und ist zudem auch äußerst befriedigend. Meistert man eine knifflige Passage, ist das Hochgefühl danach, umso schöner. Dass ich Dark Souls Remastered auch unterwegs auf der Switch spielen kann, verleiht dem ganzen noch einmal eine neue Ebene. So vergehen lange Zugfahrten, wie im Flug, denn Lordran hat mich gepackt und erneut in seinen Bann gezogen.

Wertung: 9 Pixel

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