Crysis Remastered PS4-Test: Kann das Remake überzeugen?

von Stefan Hohenwarter 19.09.2020

Gestern erschien das von der Fangemeinde lange ersehnte Crysis Remastered nach dem Switch-Release im Juli nun auch für PS4, Xbox One und PC. Versprochen wurde vieles, aber ob es auch gehalten wurde, erfahrt ihr in meinem Crysis Remastered PS4-Test.

Background

Wir drehen die Zeit kurz um 13 Jahre zurück und schreiben das Jahr 2007 – es ist das Geburtsjahr einer neuen Marke am Shooter-Himmel, die für lange Zeit die Benchmark in Punkto Grafik für die PC-Masterrace darstellte. Der Titel stammte aus dem deutschen Studio Crytek, das sich zuvor schon mit dem ersten hauseigenen Spiel Far Cry einen Namen machte. Ähnlich wie beim Debüttitel verschlägt es euch auf eine tropische Insel, doch eines ist elementar anders: ihr besitzt einen Nanosuit – eine Art Hochleistungskampfanzug, mit dem ihr euch z.B. unsichtbar machen könnt.

Das Spiel erfreute sich damals großer Beliebtheit und wurde von der Presse (91 von 100 Punkten auf Metacritic) als auch den Usern (8.1 von 10 Punkte auf Metacritic) richtig gut bewertet. Der Fanliebling feiert nun 13 Jahre nach dem Debüt sowie zwei Fortsetzungen, die von EA vertrieben wurden, ein Comeback in neuem Gewand. 

Das Versprechen: Was ist neu?

Laut Presse-Informationen enthält der Ego-Shooter zahlreiche Neuerungen wie hochwertige Texturen bis zu 8K, HDR-Unterstützung, temporale Kantenglättung, Screen Space Directional Occlusion (SSDO), Global Illumination (SVOGI), hochmoderne Depth-of-Field-Effekte, neue Lichteinstellungen, Bewegungsunschärfe, Parallax Occlusion Mapping, Screen Space Reflections and Shadows (SSR & SSS) sowie neue und verbesserte Partikeleffekte. Weitere Ergänzungen wie Raytracing bereichern das Spiel insgesamt um wichtige visuelle Upgrades.

Dank einer CryEngine-eigenen, softwarebasierten Raytracing-Lösung kann auf Xbox One X und PlayStation 4 Pro zum ersten Mal ein Crytek-Titel mit Raytracing erlebt werden. Hier ein Trailer, in dem ihr den Grafikvergleich sehen könnt:

Gegen die Nordkoreanische Volksarmee und Aliens

Man hätte sich kein besseres Releasejahr aussuchen können, denn die Handlung von Crysis katapultiert uns ins Jahr 2020. Wir fliegen als Teil einer US-Spezialeinheit in einem Militärflugzeug in einer klaren Nacht zu den (fiktiven) tropischen Ling-Shan-Inseln irgendwo im Ostchinesischen Meer. Das Ziel ist die Befreiung eines dort von der Nordkoreanischen Volksarmee (kurz KVA) gefangenen gehaltenen Archäologenteams. Doch die Infiltration der Insel klappt nicht ganz wie geplant: der Fallschirm hat eine Fehlfunktion und so landen wir als US-Spezialagent Nomad abseits der Landezone.

Neben einem hochmodernen Gewehr seid ihr – wie auch die anderen Mitglieder der Einheit – mit einem Nanosuit ausgestattet, der euch übermenschliches Handeln ermöglicht, aber auf keinem Fall der KVA in die Hände fallen. Gerade erst gelandet, bekommen wir via Funk mit, dass ein Mitglied der Spezialeinheit in Schwierigkeiten steckt. Als wir bei seinem Peilsignal ankommen, sehen wir nur noch eine übel zugerichtete Leiche – Erinnerungen an Szenen des Hollywoodstreifens Predator werden wach. Da auch Leichen der KVA zu sehen sind, werden erste Vermutungen laut, dass noch jemand oder etwas auf dieser Insel sein Unwesen treibt. Kurz darauf haben wir Gewissheit: technologisch hoch entwickelte Aliens sind ebenfalls auf hier.

Sniper, Stealth oder Bruce Willis-Manier

Neben der Grafik-Pracht hatte Crysis damals schon eines zu bieten: Variantenreichtum. Heute wie damals könnt ihr eure Missionsziele (Haupt- und Sekundäraufgaben) auf unterschiedlichste Art und Weise in Angriff nehmen. Egal, ob ihr lieber mit dem Unsichtbarkeitsmodus des Nanosuits die Gegner einen nach dem anderen erledigen wollt, oder lieber mit Raketenwerfer und Granaten alles wegsprengt, es bleibt ganz euch überlassen. Das Schöne daran ist, dass euch das Spiel wirklich viele Optionen lässt, doch auch wenn der Nanosuit eine super Unterstützung ist, blindlinks ins Getümmel zu stürzen, führt nur selten zum Erfolg.

Es war vermutlich auch damals schon so, weshalb man es hier wohl kaum als Manko anführen kann, doch warne ich alle, die – wie auch ich – das Original nicht gespielt haben: das Spiel speichert an vordefinierten Kontrollpunkten – an sich eine gute Sache, doch leider wird kein Unterschied gemacht, ob gerade ein Gegner beim Speichern auf euch zustürmt, oder sonst die Situation gerade etwas unpassend ist.

Crysis Remasterd PS4-Test-Fazit: Lohnt sich der Kauf?

Crytek hat mit Crysis einen Meilenstein in der Videospielgeschichte hinterlassen und damit eine neue Grafik-Ära eingeläutet. Ich selbst habe weder das Orginal am PC noch die Versionen auf der PS3/Xbox 360 gespielt und war deshalb gespannt, ob der Titel wirklich so gut ist, wie ihm nachgesagt wurde. Und ich muss sagen, dass ich absolut gut verstehen kann, warum sich Crysis in die Herzen der GamerInnen eingebrannt hat.

Der Variantenreichtum erinnert an Actiontitel wie das erste Dishonored und dank des Grafikupdates kann sich das Spiel auch heute noch sehen lassen. Zwar gibt es einige teils lustige, teils traurige Animationen, die eventuell auch in die Kategorie Fan-Service fallen könnten: beispielsweise kann man mit einem Reifen oder ein paar Gewehrkugeln eine Wellblechhütte zum Einsturz bringen oder getötete Gegner kippen in L-Form nach wie ein Crash-Test-Dummy nach vorne, bis sie mit dem Kopf am Boden aufschlagen. Das wirkt etwas holprig, wird von der Fangemeinde aber wohl noch verziehen. Anders sieht es da bei den versprochenen Grafik-Updates aus? Eines vorweg: Crysis sah noch nie schöner aus, aber alles andere wäre bei einem Remaster als Debakel zu werten. Ihr könnt das Spiel – wie angekündigt – in einem Grafik-Modus spielen – und auch wenn die Insel dann noch lebendiger und beeindruckender wirkt, so knickt die Framerate teilweise komplett ein (trotz PS4 Pro). Doch auch ohne dem Raytracing-Modus bekommt ihr eine aufpolierte Version des Spiels zu sehen, bei der allerdings auch immer wieder mal Grafikfehler zu entdecken sind.

Auch das ist halb so schlimm, doch eines wird die Fangemeinde wohl nicht verziehen: wie auch schon in der PS3 und Xbox 360-Version fehlt der VTOL-Einsatz gegen Ende des Spiels und wir vermissen schmerzlich die Stand-alone Erweiterung Crysis Warhead sowie den Mehrspielermodus Wars. Schade, hier hätte man nochmal eine Schippe drauflegen können, aber die Chance bleibt leider ungenutzt. Wer Crysis schon damals liebte, kann gerne zugreifen, aber bitte erwartet euch nicht zuviel.

Wertung: 7.2 Pixel

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