Carmageddon: Max Damage (PS4) im Test

von Max Hohenwarter 24.07.2016

Seit 1997 treibt die Carmageddon-Serie nun ihr Unwesen auf diversen Plattformen. Seither liegt der gute Geschmack abwechselnd kotzend und weinend unterm Bett! Ich habe mir den neuesten Re-Release Carmageddon: Max Damage auf der PS4 angesehen und sage euch, warum es selten schwerer war, einen Titel zu bewerten!

High Speed Comic Violence

Außerdem bietet sich euch ganz pazifistisch die Möglichkeit, eine gewisse Anzahl an Runden zu fahren.

In Carmageddon: Max Damage setzt ihr euch erneut als gleichnamiger Hauptcharakter oder wahlweise -charakertin Die Anna hinter das Steuer einer eurer Mörderkarossen. Darin sorgt ihr in diversen sehr weiträumigen und offenen Renn-Gebieten für Chaos und Verderben.

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Die Ziele variieren dabei in den einzelnen Levels. Während manche Stages euch auf eines der folgenden Goals festlegen, habt ihr in den Classic Carmas die Wahl der Qual. Entscheidet ihr euch, alle eure KontrahentInnen im Todesrennen durch Rammen aufs Korn zu nehmen, schaltet ihr so auch etliche neue Karossen , wie den Volkswerker oder den De Gorean frei. Wenn euch eine simple Carambolage zu fad ist, könnt ihr sie durch herumliegende Power-Ups, wie im Schlepptau hinterhergezogene Morgensterne oder mit an die Looney Tunes erinnernden Sprungfedern  und Ambosswerfern zermalmen oder an die Wand klatschen. Außerdem bietet sich euch ganz pazifistisch die Möglichkeit, eine gewisse Anzahl an Runden zu fahren. Die wohl geschmackloseste Gewinnmöglichkeit ist aber, sämtliche Fußgänger auf übertrieben blutige Weise ins Nirvana zu befördern.

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Brutaler als die Realität?

Das verleiht der Metzelei nahezu schon satirischen Charakter

Bei letzterem Levelziel muss wohl jede/r für sich entscheiden, wie kontrovers er/sie dieses für sich bewertet. Meine Auseinandersetzung mit dem Thema digitale Gewalt findet ihr bald auf Beyond Pixels in einem Kommentar. Die Tatsache, dass derartige Geschmacklosigkeiten schon in der Realität mehrfach stattfanden – man denke an die Amokfahrt in Graz oder den Anschlag, der sich kürzlich in Nizza zutrug – verleiht solchen Gameplay-Elementen natürlich Zündstoff. Den EntwicklerInnen von Stainless Games aber dafür Pietätlosigkeit aufgrund des Releasedatums zu attestieren ist auch komplett ungerechtfertigt.

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Wie erwähnt handelt es sich a) um einen (Re-)Release der zeitlich zwischen den Tragödien lag und b) ist die Gewalt in Carmageddon: Max Damage fast schon zu grotesk und überzogen. Man kann die ZivilistInnen immerhin mit diversen Mutatoren entweder unter Drogen setzen oder mittels Diskomusik zum Tanzen bringen. So sind sie eine noch einfachere Zielscheibe. Und auch der Fakt, dass wirklich jede Minderheit – egal ob unterschiedlichste Ethnien, Rollstuhlfahrer und auch Omas samt Rollatoren – unter den Reifen ein jähes Ende finden kann, sollte die Gemüter besänftigen. Diese Over-the-top Brutalität verleiht dem Game nahezu schon satirischen Charakter, besonders weil der Announcer noch dazu sehr zynische Sprüche vom Stapel lässt. Das ist aber jetzt vielleicht schon zu weit gedacht und erweist Carmageddon: Max Damage dann schon zu viel Ehre.

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Retro oder einfach nur veraltet?

Vorsicht: Pun intended! Grafisch reißt sich Carmageddon: Max Damage keinen Haxen aus. Die Levels strotzen nicht gerade vor Details, die Farben sind entsättigt und die Texturen ziemlich verwaschen. Umso verwunderlicher ist es, wie lange die Ladezeiten zwischen den einzelnen Events dauern. Manchmal wartet man nach mehr als einer Minute noch auf den Beginn der “Mords-Gaudi”!

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Wie bereits erwähnt sind die Arenen äußerst weitläufig. Das könnte man jetzt durchaus befürworten. Allerdings sind fast alle der durchaus abwechslungsreichen Szenarien, die von urbanen Gebieten, über Strände und Industrieanlagen reichen, leer. Bis auf die erwähnten ZivilistInnen rennt in den Gebieten faktisch gar nichts. Einziger Grund zur Erkundung der tristen Betonwüsten sind die Tokens, die ihr benötigt, um eure Karren mit noch tödlicheren Gimmicks und stärkeren Motoren aufzurüsten.

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Carmageddon: Max Damage – das Fazit:

Als ich vor gut 18 Jahren den zweiten Teil der Brutalo-Raser-Serie gespielt habe, wurden all meine Ansprüche an damalige Games erfüllt! Blutig musste es sein, gewalttätig und so kontrovers wie möglich. Diese Bedürfnisse befriedigte Carmageddon 2: Carpocalypse Now vollends. Befeuert von Nostalgie freute ich mich daher bereits seit der Kickstarter Kampagne auf den Release von Carmageddon: Max Damage.  Meine Ansprüche an Games sind aber mittlerweile sehr stark gestiegen und Gemetzel ist eben nicht mehr alles. Mittlerweile müssen Spiele, die eine offene Welt bieten, diese auch beleben können – ich will Abwechslungsreichtum! Aber genau der fehlt in Carmageddon: Max Damage vor allem Level-Design-technisch.

Die ewigen Ladezeiten sind auch ein Ärgernis und aufgrund der unterdurchschnittlichen grafischen Qualität sind sie auch absolut nicht nachvollziehbar. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Karren sehr leicht ausbrechen und die Erfüllung des Fahre-x-Runden-Ziels so defintiv zur Qual wird. Deswegen fährt man früher oder später sowieso alles zu Klump. Immerhin sind die explodierenden gegnerischen Fahrzeuge eine gewisse Genugtuung und die Anzahl an freispielbaren Fahrzeugen kann sich auch sehen lassen.

Mein Verhältnis zu Carmageddon: Max Damage ist also mehr als gespalten, denn einerseits gefällt mir der kontrovers verquere Splatter-Humor der Reihe nach wie vor, aber in jeglichen anderen Belangen hinkt das Game seiner Zeit hinterher. Einziges Alleinstellungsmerkmal ist und bleibt die Gewalt. Ob die einem reicht um Spaß zu haben oder ob sie – besonders derzeit – gar zu geschmacklos ist, darf jede/r subjektiv für sich entscheiden.

In Summe bleibt ein ebenso unterdurchscnittliches, wie gewalttätiges Renngemetzel, das maximal den Splatter- und Retro-Fan in mir befriedigt und darum belasse ich es bei dieser plakativen, wenngleich passenden Wertung!

Wertung: 6.66 Pixel

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