CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS Test (PS5): Mehr Anime als Spiel
Mit diesem Teil lässt Bandai Namco Träume wahr werden. CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS versetzt euch mitten ins Team!
Über CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS
CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS ist ein ungewöhnlich eigenwilliges Fußballspiel. Schon wie der Vorgänger ist es weit weg von einer Simulation, und lehnt sich mehr in Richtung animierte Machtfantasie. Schon der erste Eindruck sitzt, weil das Spiel seine Vorlage (es gab vor langer Zeit einen Manga und einen Anime) nicht bloß kopiert, sondern in ein klares Arcade-Konzept übersetzt. Die offizielle Beschreibung betont die Rückkehr des „Super Action Football“-Prinzips, 110 spielbare Charaktere, mehr als 150 neue Moves und eine neue Torwart-Schütze-Mechanik, die direkte Duelle stärker ins Zentrum rückt.
Also, um es kurz zu machen: CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS ist kein Titel, der Realismus sucht, sondern Drama, Tempo und Eskalation. Genau darin liegt seine Stärke, denn die Matches wirken wie kleine Endspiele mit ständigem Momentum-Wechsel. Im Story-Modus, den ihr neben Versus-Matches und Trainings wohl am meisten spielen werdet, geht es heiß her. Diesen beginnt ihr nämlich mit der Kreation eines eigenen Spielers, und wie es der Zufall so will, verletzt sich jemand aus dem Team. Ihr springt ein und habt gleich Granden der Serie in eurem Team, wie etwa Wakabayashi, Misaki, Hyuga und natürlich Tsubasa Ozora.
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Das bietet das Game
Natürlich ist die Story clever genug, um euch nicht gleich ins WM-Finale zu schicken. Nein, ihr spielt in der Jugendtruppe und feiert auch ein Wiedersehen mit dem FC Nankatsu. Das Spiel findet drei bis vier Jahre nach dem Vorgänger statt, und immer wieder gibt es Hinweise im Spiel darauf, was damals eigentlich passiert ist. Alle haben sich weiterentwickelt: Tsubasa hat einen oder zwei Kniffe mehr im Repertoire, insgesamt haben die Figuren mehr Ausdauer und das Game ist bloß nur nebenbei ein Fußballspiel. Denn im Storymodus habt ihr eine Vielzahl an Optionen, immer wieder abseits der Hauptgeschichte mit anderen zu interagieren.
Der Fanservice in CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS wird auf alle Fälle groß geschrieben. Sämtliche Figuren, auch wenn ihr Manga und Anime auswendig kennt, bekommen im Spiel so viel mehr Tiefe und man hat sich auch redlich bemüht, den Charakteren und ihren Hintergründen (teils auch sehr aufgehübscht) gerecht zu werden. Wer will, kann abseits des Haupthandlungsstrangs Nebenmissionen im Spiel erfüllen, andere Handlungen erkunden und auch immer wieder mit einzelnen Figuren direkt interagieren. Ihr könnt so eurer Figur ebenfalls so etwas wie ein Verhaltensmuster verpassen, je nachdem, wie ihr auf Fragen und Situationen reagiert.
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Das Runde? Ins Eckige!
Im direkten Spielgefühl wirkt CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS deutlich runder als der Vorgänger. Rein vom Spiel-Balancing her bekommen nämlich die eigentlichen Fußballaktionen mehr Gewicht. Anstatt wie im Vorgänger den Superschüssen und Megadribblings ausgesetzt zu sein, hat die Verteidigung nun einiges dazugelernt und kann jeglichen Übermächten sehr wohl trotzen. Natürlich ist das Spiel aber nach wie vor ein Arcade-Titel, so dürft ihr euch nicht wundern, wenn plötzlich jemand eine Grätsche über ein halbes Feld auspackt und dann euch auch noch vom Ball trennt. Doch wer sich auf das Chaos einlässt, findet raus, dass das Fußballspiel grundsätzlich mehr Spaß macht als zuvor.
Ja, es geht knallbunt drunter und drüber, und manche Situationen sind extra schräg, denn eure Spielmacher werden gnadenlos umgeholzt, Mal für Mal. Schüsse ziehen dem Torwart Lebenspunkte ab, und wer keine Lebenspunkte mehr hat, kann keinen Ball mehr halten. Fällt ein Tor, sind die Lebenspunkte wieder aufgefüllt, außer, ihr schießt mit einem überpowerten Schuss auf einen geschwächten Goalie, dann bekommt er einen Malus fürs restliche Spiel. Falls ihr also die Strategie im Spiel unterbringt und den gegnerischen Torhüter wiederholt schwächt, ist das gut! Das Kampfsportartige des Spiels wird durch neue Systeme wie Save-Move und Chain-System vertieft, das sorgt für Spannung.
Umfang und Fanservice
Der Umfang fällt bemerkenswert groß aus und richtet sich klar an zwei Zielgruppen zugleich: Serienfans und Arcade-Sport-Spieler. Bandai Namco spricht von einer neuen Handlung rund um Tsubasas Weg in der japanischen Nationalmannschaft, von Begegnungen mit 22 rivalisierenden Nationen sowie von über 110 spielbaren Figuren. Da nicht nur die Storystränge sehr ausgiebig ausfallen und nahezu lückenlos erzählt werden, sondern auch die tatsächlichen Spiele gefühlt zur Hälfte aus Animationen bestehen, werdet ihr hier eine ganz schöne Weile beschäftigt sein. Hinzu kommen mehr als 80 neue Musikstücke von Tadayoshi Makino, was dem Spiel eine starke emotionale Ladung verleiht.
Genau dieser explosive Mix aus Story-Inhalten, großer Figurenvielfalt und originalgetreuer Spezialmove-Inszenierung ist definitiv eine große Stärke von CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS, da gibt es gar nichts zu meckern. Die spannendste Designentscheidung ist das neue Torwart-gegen-Schütze-System, weil es das Torverteidigen in eine direkte, fast fiktionshafte Konfrontation übersetzt. So könnt ihr euch als Schütze für ein Toreck entscheiden, und der Torwart ebenso. Hat dieser perfekt reagiert, verliert er so gut wie keine Lebenspunkte, und liegt er grob daneben, verliert er mehr. Auch hier herrscht genügend Potenzial, um das Momentum in einer Partie grundlegend verändern zu können.
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Ein wahres Buffet für Fans
Grundsätzlich versucht das Game, die Schrotflinte auszupacken. So gut wie jede Mechanik, so gut wie jede Partie und so gut wie jede Figur wird euch präsentiert, dass es auch schon den absoluten Ober-Fans zu viel werden könnte. Dementsprechend lässt sich auch sehr, sehr viel Zeit in die Erstellung des eigenen Charakters investieren. Dabei versteht es sich klarerweise von selbst, dass ihr für jeden Move Alternativen habt. Soll er einen Kraftschuss ähnlich wie Kisugi Teppei besitzen, einen angeschnittenen wie Makoto Soda, den Top-Spin von Tsubasa oder eine andere Art des Torschusses? Je mehr ihr CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS spielt, umso mehr Möglichkeiten besitzt ihr.
Das setzt sich natürlich auch bei Tacklings, Volleyschüssen und Spezialbewegungen fort. Doch eine Garantie für einen Sieg ist selbst eine optimal für euch getrimmte Spielfigur nicht, denn zuerst muss sie im Spiel auch erst mal den Ball bekommen. Während ihr mit wechselnden Teamkameraden spielt, lernt ihr deren Kniffe kennen, und wer sich im Captain Tsubasa-Universum auskennt, weiß natürlich die Stärken einzelner Spieler. Verteidiger wie Urabe und Matsuyama, Sprinter wie Hajime und Sano, Künstler wie Misaki und Santana, aber auch Kraftbolzen wie Hyuga und Schneider heben sich da trotz aller Anime-Übertreibung nochmals um eine Stufe von ihrem Mitbewerb ab. Genau so soll’s sein!
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Was aber aufgefallen ist
Die Kehrseite dieser (Über-)Inszenierung ist jedoch, dass das Spiel leider Gottes nicht immer dieselbe Tiefe in allen Systemen erreicht. Trotz vieler Stunden Spielzeit bleiben so einige Probleme bestehen, die euch schon in den Anfängen aufgefallen sind. Die Super-Tacklings, die eure Kontrahenten draufhaben (und gern auch wiederholt einsetzen), sind so stark, dass es kaum Werkzeuge dagegen gibt. Mehr als nur einmal spielt ihr dann eine Halbzeit fröhliches Holzhacken im Mittelfeld gegen die Beine diversester Figuren, vor allem, wenn beide Teams bis in die Haarspitzen motiviert sind. Klar ist auch, dass in einem CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS Mauern und defensive Taktiken keinen Wert haben.
Denn anders als in anderen Fußballspielen ist hier so gut wie jede Konfrontation ein Endspiel, und wer verteidigt, hat im Prinzip schon verloren. Es geht um Balleroberung, Sprinten, Dribbeln und den Torerfolg! Dazu kommt natürlich, dass die Brachial-Action im Anime-Stil eher dazu neigt, Tore zuzulassen als zu verhindern, wer will schon ein 0:0 sehen? Dementsprechend rasant und actionreich geht es Schlag auf Schlag, und die ersten zwei, drei Partien zeigen euch recht schnell, wie der Hase läuft. Wer das mag, bekommt viel mehr davon, und wer sich eine Änderung im Spiel erhofft, wird dabei enttäuscht: Ihr bekommt genau das, was auf der Verpackung steht.
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CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS: Die Technik
Auf der PS5 laufen die Partien butterweich ab. Manche Zwischensequenzen scheinen Einbrüche in den 30 fps-Sektor zu verzeichnen, aber zum allergrößten Teil ist die Action rund gehalten. So wie beim Vorgänger fühlt es such auch hier so an, als würdet ihr in den Anime eintauchen und ihn live spielen. Ob die Grafik sich wesentlich verbessert hat, kann ich nicht beurteilen, ich finde, es sieht sich sehr ähnlich. Bei den Effekten hat man jedenfalls nicht gespart, denn jeder Move, jeder Schuss und jede Aktion wirkt wie eine Attacke mit Ansage. Das passt gut zum Drama der Serie und wird hier makellos übersetzt, wenngleich schon ein wenig überzeichnet.
Bei den Soundeffekten ist es ebenfalls so, dass der reine Fußballklang nur die halbe Miete ist. Die Charaktere rufen drein, ein Torjubel vermag mitzureißen: Da wird das Fußballspiel tatsächlich lebendig und erfreut das Fußball-Herz. In den Menüs dürft ihr dank der Einstellungen auch verschiedene Tunes abspielen lassen, sofern ihr sie freigeschaltet habt. Wer den Story-Modus spielt, wird sachte an alle Mechaniken herangeführt und schaltet einiges frei. Dass die Steuerung des Spiels ein wenig hakelig sein kann, ist eher der teils hektischen Action geschuldet. Sehr oft werden Sequenzen gezeigt, die das Spiel verzögern oder kurz bremsen, im Flow bleibt ihr nur selten.
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Ein Hit für Fans
Wenn ihr den Testbericht bis hier hin gelesen habt, wird euch mein Fazit kaum überraschen. CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS ist auf jeden Fall für all jene geeignet, die übertriebene Dramatik mögen und den Anime-Stil goutieren. Jedes Spiel ist eine Bühne für Heldenmomente, und jede Aktion wird genüsslich zelebriert. Während die Nostalgie hier klar die Oberhand gewinnen kann und der Fan-Service vor allem im Story-Modus richtig groß geschrieben wird, leidet meiner Meinung nach das tatsächliche Fußballspiel ein wenig darunter. So viel Action, so viel Drama, so viele Sequenzen, gefühlt die Hälfte einer Halbzeit geht fürs Zusehen drauf. Wer sich mit der Action anfreundet, bekommt einiges davon.
Solltet ihr aber auch gerne spielen und in einen Fluss kommen wollen, saubere Kombinationen bis in die gegnerische Hälfte vorziehen und Teams fair besiegen wollen, verabschiedet euch von dieser Idee. Dieses Game bietet von der ersten Minute an bewusst überdrehte Action und lässt so manche Figuren entweder quer übers Spielfeld rutschen, oder (wenn das Tackling trifft) auch schon mal mehrere Meter weit fliegen. Insgesamt bietet CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS natürlich mehr von all dem, was den Vorgänger attraktiv gemacht hat, setzt der Action aber mit weiteren Systemen noch mehr die Krone auf. Alle Tsubasa-Fans sollten auf alle Fälle mal reinschauen, schon alleine wegen dem massiven Fan-Service ist es das wert!