Alienation (PS4) im Test

von David Kolb 27.04.2016

alienation teaser

Entwickler Housemarque veröffentlicht mit Alienation den spirituellen Nachfolger zu Dead Nation. Das finnische Entwicklerstudio bietet euch mit seinem neuesten Werk einen Twinstick-Top-Down-Shooter, gemischt mit einem Lootsystem, fetziger Grafik und schnellem Gameplay an. Schnell merkt man, Alienation hat einiges zu bieten.

Räuchert sie aus!

Es ist für alle Spielentwicklerinnen und Spieleentwickler da draußen eine äußerst praktische Konvention, dass im Normalfall die Spezies der Menschen überhaupt keine Chance gegen die overpowerten Aliens hat. Als Designer kann man sich so die wildesten und verrücktesten Waffen, Gegner und mehr ausdenken. Gerade Housemarque hat dieses Konzept sehr gut verinnerlicht und steckt uns schwächliche Zweibeiner in ein Exoskelett, das uns nicht nur robuster, sondern auch schneller macht. Gleich zu Beginn suche ich mir eine der drei verfügbaren Klassen aus. Heilen ist nicht so mein Fall, Unsichtbarkeit und Luftangriffe sind schon ganz cool, aber ich entscheide mich trotzdem für den etwas behäbigeren Tank, mit ordentlich Feuerkraft.

Für einen Menschen nicht übel

Meine Ausrüstung wird mir von der UFX zur Verfügung gestellt, einer weltweiten Vereinigung, die verzweifelt als letzte übrig gebliebene Instanz einen erbitterten Krieg gegen die einfallenden Aliens führt. Die Story wird dabei durch Missionsbriefings und Funksprüche vorangetrieben und feuert alle extraterrestrischen Klischees ab, die nicht bei drei in einem UFO sitzen. Das geht für Alienation aber in Ordnung, denn durch die ständige Action ist es ohnehin knifflig der Geschichte zu folgen. Außerdem verlässt sich der Twinstick-Shooter zurecht auf ganz andere Stärken, die er bravourös vorzuweisen weiß.

Epilepsiewarnung

Normalerweise ist für mich die Grafik in Spielen oft nur Beiwerk, aber was hier am Bildschirm alles passiert, ist einfach beeindruckend. Damit ihr euch diese Bildgewalt nicht vorzustellen braucht, bekommt ihr hier ein paar Ausschnitte:

Ich zeige euch deshalb dieses Video, da man durch die unendlich scheinenden Massen an Gegnern und die dauerhafte Action leicht übersieht, wie hübsch Alienation eigentlich ist. Die Lichteffekte sind knallig inszeniert und erzeugen mit der Top-Down-Ansicht ein sehr schönes Tiefengefühl. Die Umgebungen sind detailliert und dank der verschiedenen Gebiete angenehm abwechslungsreich (die Reise führt euch von Alaska bis hin nach Brasilien oder z.B. auch in das zerstörte Prypjat, in der Ukraine). Am besten gefallen mir jedoch die Partikeleffekte, die die Explosionen und den Rauch so richtig schön „lebendig“ erscheinen lassen.

Run and Gun

Bei all der Grafikpracht ist es sehr wichtig, dass die Performance von Alienation zu jeder Zeit konstant hoch bleibt. Diese technische Leistung wird unbedingt benötigt, denn die vorgegebene Marschrichtung von Alienation ist „Run and Gun“ und durch ständig neu spawnende Gegner gibt es kaum Zeit zu verschnaufen. Gepaart wird dieses eigentlich simple System mit einer wortwörtlich, bombastischen Inszenierung, die mir immer wieder ein gutes Gefühl vermittelt, wenn ich gleich mehrere Aliens auf einmal platt mache. Übrigens, simpel ist nur das System euch haufenweise Feinde vor die Flinte zu werfen – derÜberlebenskampf hingegen ist beinhart. Auf dem obersten der drei Schwierigkeitsgrade sollten gutes Timing (Jetpack-Dodge und Nachladen à la Gears of War), Taktik und Präzision zum Standardrepertoire aller AlienjägerInnen gehören. Ähnlich wie in Diablo oder auch im zuletzt erschienen Tom Clancy’s: The Division erhaltet ihr bei höheren Schwierigkeitsgraden mehr Erfahrungspunkte und deutlich stärkere Waffen. Bereits nach dem Tutorial beginnt sich die Loot-Suchtspirale zu drehen, denn die Gier nach coolerem, stärkerem Gear wächst schnell an.

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Die 20 Missionen von Alienation könnt ihr als reine Singleplayerkampagne erleben. Viel mehr Spaß macht es aber, wenn ihr euch mit drei weiteren FreundInnen im Koop zusammentut. Und da kommt es, der für mich größte Schwachpunkt von Alienation: Es gibt keinen lokalen Koop! Zwar wurde ein lokales Zusammenspielen von Housemarque in ihren früheren Spielen nachgepatcht, das geschah bisher aber frühestens ein halbes Jahr nach Release. Abgesehen davon macht der Multiplayer aber enorm viel Spaß. Die Effektpracht steigt mit der erhöhten Spieleranzahl noch stärker an und das Looten und Leveln macht in der Gruppe noch mehr Spaß. Besonders cool ist, dass man andere Spielerinnen und Spieler jederzeit invaden kann und sich so packende PVP-Kämpfe liefern kann. Sollte das irgendwann mal nerven, kann dieses Feature ausgeschaltet werden und alleine und vor allem in Ruhe   (sofern man das bei Alienation überhaupt sagen kann) weitergespielt werden.

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Fazit

Alienation ist zwar der inoffizielle Nachfolger von Dead Nation, ist jedoch in jeglicher Hinsicht vielschichtiger und besser. Das RPG-Modell bestehend aus Erfahrungspunkten und der Suche nach der noch besseren Ausrüstung für meinen Charakter macht süchtig. Außerdem muss ich hier gestehen, dass ich habe die Diablo-Serie immer gerne gespielt habe, mir jedoch das Kampfsystem, bzw. das Gameplay immer ein bisschen zu passiv war. Da kommt mir Alienation gerade recht, denn ich muss ohne Zielhilfe auf Gegner schießen sowie das Jetpack und die wuchtigen Spezialmanöver optimal einsetzen. Zwar ist gerade nach mehrmaligem Durchspiele der Kampagne die Luft ein bisschen draußen, durch den günstigen Preis und das gut funktionierende Lootsystem, kann man mit Alienation nichts falsch machen. Besonders der Multiplayer bietet eine ganz großartige Spielerfahrung.

Wertung: 8.3 Pixel

für Alienation (PS4) im Test