Age of Empires II Definitive Edition (PC) im Test

von postbrawler 14.01.2020

Jahrelang – ach was sage ich – jahrzehntelang war es gespenstisch still um Microsofts Age of Empires-Reihe gewesen. Mit ihr lag ein ganzes Genre im Dornröschenschlaf, das Genre der Echtzeitstrategie. Seine Blütezeit, die 90er Jahre, brachten neben den ersten beiden Serienteilen der AoE-Reihe und seines Fantasy-Ablegers Age of Mythology so manches Spiele-Juwel hervor. Titel wie Command & Conquer, WarCraft und StarCraft prägten die Spielelandschaft und die Regale meiner Jugend mit großzügigen Pappkarton-Schachteln, wunderschön gestalteten Manuals und ausgedruckten Tipps und Tricks, die mangels Internet mittels Kopierer vervielfältigt und verbreitet wurden.

Age of Empires II Definitive Edition

Zu diesen Erinnerungen zählen auch die ersten beiden Age of Empires-Spiele, die ich als Jugendlicher zwar nicht nächtelang, aber dennoch gelegentlich ins CD-Fach meines PCs einlegte, um eine Runde als Hunnenkönig, Maya-Krieger oder wilder Wikinger auf andere Zivilisationen einzuprügeln.

Totgeglaubte leben länger!

Nachdem Microsoft bereits 2018 die grafische und spielerische Neuauflage des ersten Teils, Age of Empires Definitive Edition neuveröffentliche, war 2019 der zweite Teil an der Reihe, der völlig unerwartet auf den klingenden Namen Age of Empires II Definitive Edition lautet. Ich habe den generalüberholten Oldtimer samt Enhanced Graphic Pack im neuen Jahrzehnt Probe gefahren und möchte im Folgenden meine Eindrücke dazu schildern.

Age of Empires II Definitive Edition enthält alles, was sich Serien-VeteranInnen nur erträumen können: Alle Völker und Kampagnen des bisherigen Hauptspiels samt Add-Ons, sowie neue spielbare Völker (Kumanen, Litauer, Tataren, Bulgaren) und Kampagnen. Darüber hinaus wurde die Grafik auf moderne Standards wie 4K-Auflösung und 16:9 Seitenverhältnis angepasst. Musikalisch wurden die alten Midi-Tracks orchestral und opulent neu vertont und die zahllosen Sound-Effekte aller Völker neu aufgenommen.

Gameplay

Auch beim Gameplay hat Microsoft einiges nachgebessert. Die künstliche Intelligenz von Wegfindung und computergesteuerten GegenspielerInnen wurde stark verbessert. Außerdem hat Microsoft dem Spiel einen Zugang zur Xbox Online-Plattform spendiert, wodurch MehrspielerInnen-Partien nun bequem mittels Matchmaking, Voice-Chat und Freundeslisten organisiert werden können. Diverse Komfort-Features wie das automatische Neubepflanzen von Feldern und das Selektieren untätiger Dorfbewohner halten ebenfalls Einzug in das ansonsten hervorragend gealterte Spielprinzip. Am bemerkenswertesten ist aber das grafische Update gelungen. Man kann nun stufenlos ins Geschehen raus- und reinzoomen, SoldatInnen schreiten butterweich animiert über detailreich gestaltete Schlachtfelder und beschädigte Gebäude zerfallen effektreich in tausende Bestandteile.

Fazit zu Age of Empires II Definitive Edition

Sofort machte sich beim Anspielen wohliger Wuselspaß breit. Und auch wenn ich mir als Hobbystratege selbst an einfachen Tutorial-Herausforderungen die Zähne ausbeiße, machen Matches gegen eine völlig devote KI immer noch wahnsinnig viel Spaß. Age of Empires schafft es, sich irgendwo zwischen der gediegenen Aufbausimulation eines Anno 1602 und dem hektischen Treiben eines WarCraft II zu positionieren. Erstmal gemütlich eine anständige Zivilisation in die Imperialzeit siedeln, alles mit Burgmauern umzäunen und in Ruhe zu Ende forschen, um dann mit geballter militärischer Macht gegen eine hoffnungslos unterlegene KI-GegnerIn loszuziehen, ist Echtzeitstrategie, wie ich sie liebe! Klar bin ich damit in Multiplayer-Partien schief gewickelt, aber darum geht es mir bei so einem Remake ja gar nicht.

Die wenigsten Kids in meinem Alter verfügten damals bereits über eine passable, geschweige denn erschwingliche Internetleitung, oder besaßen die Muße samt Rechner, Monitor und Co. Auf LAN-Parties zu tingeln. Für mich waren Computerspiele in den 90ern Single-Player Spiele! Und dass ich das noch einmal durchleben kann, mit historischen Kampagnen und Völkern, mit 2D-Grafik und viel altem Charme, dafür kann man Microsoft eigentlich nur ein fettes Lob aussprechen. Ich hoffe, dass Age of Empires 4 ein ähnliches Erlebnis wird!

Wertung: 8 Pixel

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