Cozy Game Restoration Test (PC): Alte Spiele restaurieren macht Spaß
Cozy Game Restoration macht aus der Pflege alter Videospiele ein entschleunigtes Sammelabenteuer. Ist das Game seinen Hype wert?
Über Cozy Game Restoration
Ein vergilbtes Modul, ein hartnäckiger Aufkleber und die Frage, welcher Schatz sich unter der nächsten Schmutzschicht versteckt: Reicht ein Wattestäbchen für den nächsten Wohlfühlhit? Manche Spiele schicken euch auf eine Weltrettungsmission, andere überlassen euch einen Bauernhof. Cozy Game Restoration drückt euch sinngemäß eine Zahnbürste in die Hand und stellt eine deutlich kleinere Aufgabe: Dieses alte Spielmodul könnte wieder richtig schön aussehen! Hinter der ungewöhnlichen Simulation steht Parasol Corp, das gleichzeitig als Entwickler und Publisher auftritt. Statt Reaktionsvermögen und komplizierten Produktionsketten stehen das Auspacken, Reinigen und Sammeln vernachlässigter Videospiele im Mittelpunkt. Der aktuelle Steam-Eintrag führt Windows und macOS an, eine deutschsprachige Benutzeroberfläche ist ebenfalls vorgesehen. Das klingt nach einer angenehm speziellen Nische.
Denn dies ist zweifellos ein Spiel für all jene, die beim Anblick alter Kunststoffmodule nicht zuerst Elektroschrott, sondern Kindheitserinnerungen sehen. Dabei geht es nicht bloß um eine möglichst saubere Oberfläche. Auf der offiziellen Website beschreibt das Studio einen Kreislauf aus überraschenden Funden, schrittweiser Restaurierung und dem Aufbau einer eigenen Sammlung. 108 unterschiedliche, von Klassikern der 1980er-Jahre bis zu den frühen 2000ern inspirierte Titel sollen entdeckt werden können. Gemeint sind damit Sammelobjekte innerhalb der Simulation, nicht 108 angekündigte spielbare Retrospiele. Unterschiedliche Zustände und optische Varianten sollen dafür sorgen, dass nicht einfach dasselbe Modul immer wieder auf dem Arbeitstisch landet. Der eigentliche Hauptdarsteller ist damit weniger ein bestimmtes Spiel als die Freude daran, einem gebrauchten Gegenstand wieder etwas Würde zurückzugeben.
Erst das Paket, dann das Vergnügen
Bevor überhaupt geputzt wird, möchte Cozy Game Restoration bereits das Auspacken zu einem kleinen Ereignis machen. Eure Fundstücke kommen in zugeklebten Überraschungspaketen an. Klebeband lösen, Verpackung öffnen, Laschen anheben: Was anderswo mit einem Klick erledigt wäre, gehört hier ausdrücklich zum Erlebnis. Das passt zum gesamten Konzept, denn der Weg zum sauberen Sammlerstück soll ebenso wichtig sein wie das Ergebnis. Wer gerne vorsichtig Verpackungen öffnet oder beim Flohmarktbesuch auf den nächsten unerwarteten Fund hofft, dürfte die Idee schnell verstehen. Die Spannung entsteht nicht durch eine tickende Uhr, sondern durch die einfache Frage, was diesmal im Karton steckt. Ob nun in kleinen Happen oder stundenlang: Das funktioniert recht gut!
Die offizielle Beschreibung spielt dabei bewusst mit dem Begriff der Lootbox, meint damit aber zunächst die zufälligen Inhalte der eingehenden Pakete. Neben häufigen Exemplaren werden seltenere Funde, regionale Modulvarianten, unterschiedliche Aufklebermotive und sogar goldene Gehäuse angekündigt. Daraus ergibt sich auf dem Papier ein nachvollziehbarer Sammelanreiz: Auch wenn der grundlegende Arbeitsablauf vertraut bleibt, könnte hinter der nächsten Verpackung genau jenes Stück warten, das im Regal noch fehlt. Das regt den Sammeltrieb ordentlich an, und auch, wenn es bei weitem kein Gotta catch ‚em all-Feeling aufwirft, es gibt immer etwas Interessantes und Unterschiedliches zu tun!
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Das Großreinemachen
Auf dem Arbeitstisch wird es dann kleinteilig. Die Module werden jedes Mal aufs Neue prozedural verschmutzt, ihre Gebrauchsspuren also systematisch unterschiedlich zusammengestellt. Staub, Stiftspuren, Klebereste, Verfärbungen und Kratzer verlangen natürlich nach dem Einsatz unterschiedlicher Werkzeuge. Hinzu kommen verschiedene Ausgangszustände: Ein Etikett kann noch ordentlich aussehen, während das Gehäuse bereits beschädigt ist. Interessant ist vor allem der tatsächliche Schichtaufbau der Verschmutzung. Nicht jede Spur verschwindet einfach mit derselben Bewegung, wodurch die Restaurierung euch schon mehr abverlangt als ein gleichförmiges Abfahren der Oberfläche. Das Studio verspricht ausdrücklich langsame, taktil wirkende Arbeitsschritte. Und genau so ist es auch!
Eine wichtige Grundsatzentscheidung trifft Parasol Corp zugunsten der Gemütlichkeit: Es gibt weder ein Zeitlimit noch einen Zustand des Scheiterns. Ihr müsst also keine Reinigung gegen die Uhr absolvieren und verliert nicht plötzlich alles, weil ein Arbeitsschritt zu lange dauert. Damit verschiebt sich die Motivation von äußerem Druck zu selbst gesetzten Zielen. Ein ordentliches Modul, eine vollständigere Sammlung oder die nächste Dekoration sollen auch ohne jede Bedingung als Belohnung genügen. Für das angestrebte Wohlfühlerlebnis ist das eine sinnvolle Grundlage. Allerdings bedeutet die Abwesenheit einer Niederlage nicht automatisch, dass jeder einzelne Handgriff entspannt. Auch ein gemütliches Spiel kann anstrengend werden, wenn es beim letzten Schmutzrest allzu genau hinsieht. Deshalb könnt ihr auch bei einem Sauberkeitsgrad von 70 % schon weiter machen!
Gründlichkeit wird belohnt
Denn diesen Punkt sahen wir schon beim Ausprobieren der Demo, und das hat sich ein wenig geändert. Die hundertprozentige Reinigung verlangt auf den letzten Metern doch einiges an Präzision und sehr gründliches Arbeiten in jeder kleinen Vertiefung. In einem PowerWash Simulator beispielsweise wird von dessen Reinigungssystem die angenehmere Balance getroffen. Gleichzeitig dominieren die beruhigende Grafik, die warme Präsentation und die Gestaltung der Module. Hier hängt einiges davon ab, wie ihr an Cozy Game Restoration herangeht und was ihr euch von diesem Game erwartet. Was für detailverliebte Restaurierungsfans den eigentlichen Reiz ausmacht, kann für andere wie unnötige Kleinarbeit wirken. Daher auch die Möglichkeit, nach 70 % Reinigung zum nächsten Game überzugehen.
Damit nach der Reinigung nicht bloß das nächste schmutzige Modul wartet, verbindet Cozy Game Restoration seine Sammlung mit Aufgaben. Manche davon sind unkompliziert: drei Puzzlespiele besitzen oder zwei seltene Plattformspiele zusammentragen. Andere berücksichtigen den spielinternen Kalender. Als Beispiel nennt das Studio vier Science-Fiction-Spiele, die etwa am 7. November im eigenen Regal stehen sollen. Dadurch erhält die Sammlung eine zusätzliche Funktion. Es geht nicht ausschließlich darum, möglichst viele Objekte anzuhäufen, sondern auch darum, welche Stücke gerade vorhanden und ausgestellt sind. Das könnte dem ruhigen Arbeitsablauf eine angenehme Richtung geben, ohne daraus gleich eine umfangreiche Wirtschaftssimulation zu machen.
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Ist es cozy genug?
Abgeschlossene Sammelaufgaben bringen Geschenke mit Dekorationen oder kosmetischen Gegenständen für den eigenen Sammlungsraum. Das ist mehr als ein hübscher Nachsatz, denn damit bekommt die sorgfältige Arbeit einen sichtbaren Rahmen. Ein gereinigtes Modul verschwindet nicht einfach aus dem Blick, sondern wird Teil einer zunehmend persönlichen Umgebung. Die Verbindung aus Restaurierung und Präsentation wirkt deshalb schlüssig: Erst wird aus einem vernachlässigten Gegenstand ein Sammlerstück, danach aus mehreren Fundstücken eine eigene kleine Ausstellung.
So könnt ihr euren Startbildschirm auffrischen, ein Regal für Spiele und eines für Dekorationsgegenstände (passende Poster und Bilder), das ist wirklich cool. Es ist schon irgendwie faszinierend, wie das Spielprinzip funktioniert: Ein kleiner Gegenstand bekommt die volle Aufmerksamkeit, und gerade diese Konzentration soll angenehm sein. Wenn ihr euch wünscht, euch wirklich auf eine Sache konzentrieren zu können (so in etwa wie die Aufräum- und Sortier-Spiele, die gerade einen Hype erleben), dann ist Cozy Game Restoration definitiv einen Blick wert.
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Die Technik von Cozy Game Restoration
Auf der Steam-Website des Spiels sehen wir, dass die PC-Hardware-Voraussetzungen recht niedrig sind. 8 GB Arbeitsspeicher, 4 GB Speicherplatz, eine Maus mit zwei Tasten und eine fast schon altertümliche empfohlene Grafikkarte (die NVIDIA GTX 1050 ist mittlerweile zehn Jahre alt!) und eine optionale Soundkarte lassen vermuten, dass hier nicht viel an Opulenz vorherrschen wird. Beim Einschalten zeigt Cozy Game Restoration allerdings schon seine Muskeln: Die einzelnen Modelle werden fein gerendert, und unser wirklich starker Gaming-PC hatte keine Mühe, die beste Version des Spiels zu präsentieren. Es ist ansprechend und detailliert, realistisch und naturnahe gerendert, CDs spiegeln sich, verzichtet aber auf opulente respektive unnötige Grafikeffekte.
Bei der akustischen Begleitung fällt das Fazit etwas zweischneidig aus. Ja, es gibt einen definitiv als cozy zu beschreibenden Effekt-Soundtrack wie Regen am Fenster, aber abgesehen davon werdet ihr euch selbst überlassen. Ob ihr nun Lo-Fi oder Ähnliches dazu hören wollt, ist natürlich euch überlassen, das Spiel bleibt aber konsequent auf Ambience-Geräuschkulisse bestehen. Ihr steuert Cozy Game Restoration eigentlich ausschließlich mit der Maus, mit WASD könnt ihr die Kamera verschieben, und die ganzen Werkzeuge sind schwebende Buttons. Ein wenig kleinteilig ist es aber doch, es wäre fein, wenn es hier beispielsweise eine Abkürzung zwischen gewissen Werkzeugen oder Ansichts-Optionen gäbe. Aber das kommt vielleicht noch mit Updates!
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Stimmungsvolles Restaurieren mit Gefühl
Cozy Game Restoration hat eine angenehm klare Identität. Das Spiel möchte nicht ständig größer, lauter oder hektischer werden, sondern die Aufmerksamkeit auf etwas Kleines lenken: ein einzelnes, altes Modul, dessen Gebrauchsspuren und die sichtbare Veränderung durch sorgfältige Arbeit. Überraschungspakete, seltene Varianten und ein persönlich gestaltbarer Sammlungsraum geben diesem Grundgedanken einen nachvollziehbaren Rahmen. Je mehr Zeit ihr mit dem Spiel verbringt, umso klarer wird, dass gerade die hingebungsvolle Beschäftigung mit solchen Gegenständen ihren eigenen Charme entfalten kann. Wer bei Retrospielen nicht nur an Highscores, sondern auch an Etiketten, Gehäuseformen und das eigene Regal denkt, gehört ziemlich eindeutig zur angesprochenen Zielgruppe.
Kritikpunkte gibt es ebenso: Die Soundabteilung bleibt ein wenig hinter der ambitionierten Spielidee zurück, die Steuerung ist nicht ganz ausgereift und grafisch könnte noch ein Stück mehr drin sein. Aber für alle, die gerne aufräumen, Dinge reinigen und sich vor allem mit Retro-Games beschäftigen, da kann Cozy Game Restoration eine neue Obsession auslösen. Man versinkt wirklich leicht im Game, und das „nur noch eine Runde“-Gefühl wird da stark bedient. Wer mit den eben genannten Einschränkungen leben kann (wir haben das Spiel vor Release getestet, wer weiß, was Updates noch bringen?), sollte sich das Spiel um seinen Preis von grade mal 14,99 Euro unbedingt mal ansehen. Schließlich gibt’s ja auch eine Demo für Unentschlossene, also schaut einmal rein!