Nintendo Switch Sports Resort Test: Rückkehr nach Wuhu Island

von Mandi 28.10.2026

Nintendo Switch Sports Resort bringt euch zurück nach Wuhu Island und hat dieses Mal nicht nur die nächste Bowlingrunde im Gepäck.

Über Nintendo Switch Sports Resort

Die offizielle Website spricht stolz davon: Zwölf Sportarten, zusätzliche Regelvarianten und ein ausgebauter Einzelspielerbereich sollen aus der Bewegungsspiel-Sammlung einen Urlaub machen, der länger als bloß einen geselligen Abend dauert. Der Name weckt Erwartungen, und Nintendo weiß natürlich ganz genau, welche. Nintendo Switch Sports Resort ist nun exklusiv für Nintendo Switch 2 erschienen und verbindet die bekannte Wii Sports-Bewegungssteuerung mit der Rückkehr nach Wuhu Island. Ihr erstellt einen Sportsmate oder verwendet eine Mii-Figur und entscheidet anschließend selbst, ob ihr euch sportlich messen oder lieber die Insel erkunden wollt. Die Joy-Con 2 werden dabei zu Schlägern, Bögen, Lenkern und sogar zum Antrieb eines Skateboards.

Das ist der entscheidende Unterschied zu einer bloßen Sammlung einzelner Wettkämpfe: Zwischen Punkten, Körben und Kegeln soll auch Platz für ein wenig Urlaubsgefühl bleiben. Insgesamt stehen zwölf Disziplinen bereit: Boxen, Tischtennis, Bogenschießen, Tennis, Volleyball, Bowling, Basketball, Golf, Daumenringen, Skateboarding, Power Cruising und Prop Plane. Dazu kommt Seilspringen als kleine Aufwärmaktivität, nicht als dreizehnte Hauptsportart. Die Zusammenstellung verbindet direkte Duelle mit ruhigeren Präzisionsaufgaben und drei Freizeitaktivitäten, bei denen die Insel stärker in den Mittelpunkt rückt. Ein vollständiges Best-of aller früheren Serienteile ist das allerdings nicht. Wer etwa auf Baseball oder Discgolf gehofft hat, findet diese Disziplinen (noch?) nicht vor.

Zugänglich wie immer

Das Grundprinzip bleibt erfreulich unkompliziert: Ihr führt eine Bewegung aus, und auf dem Bildschirm wird daraus eine sportliche Aktion. Beim Bogenschießen zielt ihr und berücksichtigt den Wind, beim Golf richtet ihr den Schlag aus, beim Bowling entscheidet ihr zwischen geradem Wurf und Drall. Die Einstiegshürde liegt damit weniger beim Auswendiglernen von Tastenbelegungen als beim richtigen Gefühl für Timing und Bewegung. Genau daraus entsteht der Reiz dieser Reihe: Eine Aktion ist schnell verstanden, aber deshalb noch lange nicht zuverlässig gemeistert. Zwischen „Das kann ich auch!“ und dem nächsten verschossenen Pfeil liegt manchmal eben nur eine weitere Runde. Wer viel spielt, wird definitiv besser!

Allerdings arbeitet die Steuerung zum Testzeitpunkt irgendwie nicht in jeder Sportart gleich überzeugend. So ist es beeindruckend, wie beim Tischtennis die Kontrolle funktioniert, wie ein Ball zurückgespielt wird, auch das Spannen und Abschießen beim Bogenschießen ist richtig gut umgesetzt. Beim Boxen hingegen, definitiv eine Sportart mit schnelleren ausladenderen Bewegungen, gibt es manchmal Schwierigkeiten, wenn Ausweichbewegungen, Haken und gerade Schläge zusammenkommen. Gerade in einem Bewegungsspiel muss das Feedback nachvollziehbar bleiben. Wenn unklar wird, ob das eigene Timing oder die Erkennung an einer Niederlage schuld waren, bekommt der sportliche Ehrgeiz schnell einen unerwünschten Beigeschmack.

Bekannte Lieblinge, neue Spielregeln

Wer bereits Nintendo Switch Sports gespielt hat, wird bei mehreren Disziplinen keine grundlegende Neuerfindung erleben. Tennis, Volleyball, Bowling, Basketball und Golf kehren zurück und spielen sich wenig überraschend überwiegend so als wie zuvor. Das ist einerseits nachvollziehbar, denn bewährte Grundlagen müssen nicht zwanghaft umgebaut werden. Andererseits bedeutet es auch, dass der Nachfolger seine Existenz nicht allein mit diesen Rückkehrern rechtfertigen kann. Die Fan-Favoriten Bowling und Golf gelten auch weiterhin als Stärken, während etwa Volleyball vor allem mir als Vereinsspieler nach wie vor etwas schwerfällig erscheint. Die Sammlung übernimmt also nicht nur bekannte Qualitäten vom Vorgänger, sondern teilweise auch bekannte Eigenheiten.

Mehr Abwechslung entsteht durch die zusätzlichen Regeln und Herausforderungen. Bowling bietet euch beispielsweise Hindernisbahnen und eine spaßige Variante mit sage und schreibe 100 Kegeln, beim Basketball stehen unterschiedliche Dreipunkte-Wettbewerbe bereit, und Tennis lässt sich mit einem größeren, langsameren Ball entspannter angehen. Beim Tischtennis kommt mit der Return Challenge eine Zielaufgabe hinzu, während Volleyball in einer eigenen Variante sauberes Timing belohnt. Das klingt zunächst nach kleinen Ergänzungen, ist für eine solche Sammlung aber durchaus wichtig. Unterschiedliche Regeln können dieselbe Grundbewegung in eine neue Aufgabe verwandeln und verhindern, dass ihr nach der ersten Runde bereits alles gesehen habt.

Auf die Daumen, fertig, los!

Ausgerechnet Daumenringen gehört zu den ungewöhnlichsten Bestandteilen des Pakets. Während Tennis oder Bowling sofort erklären, was sie sein wollen, muss ein virtuelles Daumenduell seine Daseinsberechtigung erst einmal beweisen. Nach mehreren Runden darf ich berichten, dass das ungewöhnlich ist, aber recht gut gelingt! Ich würde sogar so weit gehen, sie als unmittelbar verständlichen Partyhit mit unerwartetem taktischem Potenzial (ihr könnt euren Finger durch riskantes Liegenlassen vergrößern und stärken) zu beschreiben. Damit übernimmt sie eine wichtige Rolle innerhalb der Sammlung. Nicht jede Aktivität muss den Anspruch erheben, eine Sportart möglichst überzeugend nachzubilden. Manchmal braucht ein gemeinsamer Spieleabend einfach einen Wettbewerb, dessen Grundidee schon für das erste Grinsen sorgt.

Trotz solcher Ausreißer bleibt die Auswahl stellenweise nah beieinander. Tennis, Tischtennis und Volleyball haben unterschiedliche Abläufe, teilen aber das Grundmotiv, einen Ball im richtigen Moment zurückzuspielen. Wenn man will, kann man diese grundsätzliche Ähnlichkeit ausdrücklich als Schwäche des ansonsten gelungenen Angebots anführen. Das ist keine Frage der bloßen Anzahl: Zwölf Disziplinen können sich abwechslungsreicher oder gleichförmiger anfühlen, als ihre Zahl vermuten lässt. Entscheidend ist deshalb, dass Nintendo Switch Sports Resort seinen sportlichen Kern nicht ausschließlich um weitere Netzduelle ergänzt, sondern mit seinen Freizeitaktivitäten tatsächlich einen anderen Rhythmus zulässt. Skateboarden, Propellerflugzeug und Wasserscooter bieten euch Erkundungstouren und reizen den Sammeltrieb.

Auch alleine spielbar

Eine der wichtigsten Erweiterungen betrifft den Einzelspielerbereich. Im Modus Inselkrone arbeitet ihr euch in den Wettkampfsportarten nach oben, bis ihr die jeweiligen Inselchampions herausfordern könnt. Nintendo stellt dafür eigene Figuren und Teams vor, vom Boxchampion bis zum Tennisduo. Damit bekommen die einzelnen Matches zumindest ein übergeordnetes Ziel: Ihr spielt nicht bloß eine weitere isolierte Runde, sondern nähert euch einem bestimmten Gegner. So beginnen diese Begegnungen recht leicht und entwickeln später spürbaren Widerstand. Für alle, die ihre Sportspiele nicht ausschließlich dann starten wollen, wenn Besuch auf dem Sofa sitzt, ist das eine wesentliche Verbesserung.

Dazu kommen sportartspezifische Erfolge sowie Belohnungen für die eigene Figur. Spocco-Punkte verdient ihr sowohl online als auch offline, allein oder gemeinsam, und gebt sie anschließend für Kleidung, Ausrüstung, Frisuren und weitere Anpassungen aus. Gerade die Öffnung für Offline-Partien ist relevant, weil die langfristige Belohnung damit nicht mehr am Online-Spiel hängt. Ganz frei von Reibung ist das System allerdings nicht: Es gibt nämlich einen Gacha-Zufallsanteil beim Freischalten bestimmter Event-Gegenstände, die sich wöchentlich oder monatlich ändern können. Die Richtung stimmt also, auch wenn ein gezielter Griff zur gewünschten Kopfbedeckung offenbar weiterhin unkomplizierter sein könnte.

Gemeinsam geht noch eine Runde

Im Mehrspielerbetrieb liegt meiner Meinung nach weiterhin die größte Stärke des Spiels. Auf einer Konsole sind je nach Disziplin bis zu vier Personen möglich, Boxen und Daumenringen beschränken sich auf zwei. Online reichen die Teilnehmerzahlen beim Bowling bis 16 und beim Golf bis acht. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen den Angeboten: Skateboarden, Propellerflugzeug und Wasserscooter lassen sich online tatsächlich nur über eine Freundeslobby gemeinsam spielen. Die reine Angabe „Online-Mehrspieler“ bedeutet also nicht, dass jede Disziplin denselben Zugang oder dieselben Wettbewerbsformen bietet.

Für sportlichen Aufstieg steht die Pro League bereit, während der zwanglosere Online-Modus Siege und Niederlagen nicht aufzeichnet. Eine kostenpflichtige Nintendo-Switch-Online-Mitgliedschaft ist für Online-Partien erforderlich. Alles läuft, es gibt aber Wartezeiten zwischen Bowlingzügen und die Rückkehr in die Lobby beim Wechsel der Sportart lahmt. Solche Unterbrechungen machen eine gute Runde nicht kaputt, bremsen aber den Flow zwischen den Aktivitäten. Hinzu kommt die Controllerfrage: Zusätzliche kompatible Controller können nötig sein, und gerade für gemeinsame Skateboard-Partien solltet ihr den Bedarf an Joy-Con 2 nicht unterschätzen.

Nintendo Switch Sports Resort: Die Technik

Bei den nüchternen Eckdaten lies es sich wie folgt: Das Spiel benötigt 10,2 GB auf unserer Switch 2. Als Spielmodi könnt ihr zwischen TV- und Tisch-Modus wählen, außerdem unterstützt der Titel auf geeigneten Fernsehern HDR. Nintendo Switch Sports Resort bietet euch 60 Bilder pro Sekunde, kommt im TV-Modus auf bis zu 4K-Auflösung und zeigt wie gewohnt eine Mischung aus Comic-Optik und knalligen Effekten. Bunt und ansprechend, äußerst familienorientiert und auch kinderfreundlich könnt ihr das Game getrost quer durch alle Altersgruppen und Sozialschichten einfach alle Interessierten spielen lassen. Alles bleibt lesbar und ist geeignet, ob ihr es am Fernseher oder im Handheld-Modus zockt.

Bei der Soundabteilung gibt es zwar viel Abwechslung, aber die Hintergrunduntermalung verdient nirgends das Prädikat eines Ohrwurms. Während die Soundeffekte treffend sind und die Musik in Ordnung ist, sind die Sprachausgabe-Samples nur mäßig variantenreich und wiederholen sich dementsprechend recht rasch. Spätestens nach der dritten oder vierten Runde gibt es nur noch wenig Neues zu hören. Bei der Steuerung wiederum zeichnet sich Nintendo Switch Sports Resort bei manchen Disziplinen aus, und bei den schnelleren Sportarten wie Boxen oder auch Volleyball kommt die Bewegungserkennung gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden an ihre Grenzen. Aber im Normalbereich passt alles!

Mehr Sport im Urlaub!

Nintendo Switch Sports Resort ist einfach ein zweiter Teil und daher eine gezielte Weiterentwicklung statt einer sportlichen Revolution. Die vertrauten Disziplinen bilden das Fundament, doch der Inselkrone-Modus, zusätzliche Regeln, offline verdienbare Belohnungen und die drei Freizeitaktivitäten geben dem Paket insgesamt mehr Substanz. Besonders überzeugend erscheint die Entscheidung, Wuhu Island wieder zu einem Ort zu machen, den ihr auch zwischen Wettkämpfen besuchen möchtet. Damit bekommt das Spiel einen Rhythmus jenseits der nächsten Ergebnisanzeige: erst ein enges Tischtennismatch, dann eine Runde über die Insel, anschließend vielleicht doch noch ein Versuch gegen den Champion.

Die Kritikpunkte bleiben überschaubar: Nicht jede Sportart wirkt gleich eigenständig, beim Boxen gibt es Schwächen der Bewegungserkennung, und kleine Online-Umständlichkeiten sind an der Tagesordnung. Wer vor allem gemeinsam vor dem Fernseher spielt und gelegentlich allein weiterziehen möchte, findet in Nintendo Switch Sports Resort eine vielseitige, zugängliche Sammlung um grade mal 49,99 Euro. Wer dagegen grundlegend neue Sportideen oder eine umfangreiche Solokampagne erwartet, sollte die eigenen Erwartungen niedriger ansetzen. Der größte Fortschritt des Teams liegt im Falle dieses Spiels zweifelsohne darin, aus dem bekannten Bewegungsspiel diesmal einen wesentlich runderen Inselaufenthalt zu formen.

Wertung: 8.5 Pixel

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