CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION Test (Nintendo Switch 2): Alles über Zack Fair
Mit CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION wird Zacks Vorgeschichte technisch fast auf Augenhöhe mit der FFVII-Remake-Trilogie gebracht.
Über CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION
Die offizielle Website des Spiels sagt es ganz klar: CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION ist das HD-Remaster des erfolgreichen Prequels zu FINAL FANTASY VII. Es gibt Spiele, die nach ihrer Veröffentlichung langsam in Vergessenheit geraten. Das ursprünglich für die PSP erschienene Prequel hat sich über die Jahre zu einem wichtigen Baustein der Final Fantasy VII-Saga entwickelt. Schon damals hat es die Herzen erobert und konnte sich bei den Fans so gut wie unvergesslich machen. Das Ende, bitte, das Ende dieses Spiels…!
Auf Nintendo Switch 2 erhält das Abenteuer rund um Zack Fair nun eine technische Auffrischung, die das Spiel nicht neu erfindet, aber deutlich angenehmer präsentiert. Denn während es schon auf der Vorgängerkonsole funktionierte, ist es nun technisch einfach runder gelöst, und insgesamt bekommt das Game endlich die Bühne, die das Spiel verdient. Wer die Geschichte rund um Final Fantasy VII liebt, bekommt hier eine emotional aufgeladene Vorgeschichte mit viel Herz, großen Dramen und einem Helden, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
![]()
Ein Held mit zu viel Energie
Zack Fair ist jung, ehrgeizig und beinahe unerschütterlich optimistisch. Als Mitglied von Shinras Eliteeinheit SOLDAT träumt er davon, eines Tages den Rang erster Klasse zu erreichen, ganz so wie sein Vorbild Sephiroth. Gemeinsam mit seinem Mentor Angeal und dem legendären Sephiroth wird Zack mit dem mysteriösen Verschwinden mehrerer SOLDAT-Mitglieder betraut. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Militärauftrag wirkt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über Identität, Freundschaft, genetische Experimente und die zerstörerische Macht von Shinra. Man kann das Spiel also entsprechend als Geschichte über Zacks Träume, seine Ehre und das Vermächtnis, das ihn mit Cloud verbindet, beschreiben.
Zack funktioniert dabei gerade deshalb so gut, weil er kein zweiter Cloud sein möchte. Während Cloud häufig von Unsicherheit, Distanz und inneren Konflikten geprägt ist, marschiert Zack mit bemerkenswertem Selbstvertrauen durch die Welt. Das kann anfangs etwas überzeichnet wirken, macht ihn aber zu einer sympathischen Figur mit klar erkennbarem eigenen Charakter. Seine Beziehung zu Aerith bildet den emotionalen Gegenpol zu den zunehmend düsteren Ereignissen, während Angeal und Sephiroth wichtige Fragen über Heldentum und Verantwortung aufwerfen. Wer bereits Final Fantasy VII Remake oder Rebirth gespielt hat, wird außerdem manche Zusammenhänge anders einordnen können, das wird dann noch wichtig.
Eine Vorgeschichte mit Schattenseiten
Die Handlung bleibt im Kern jene des PSP-Originals. Das ist einerseits erfreulich, weil CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION seine großen Momente, seine tragischen Figuren und sein dramatisches Finale behalten darf. Andererseits merkt man dem Spiel an, dass es aus einer anderen Zeit stammt. Einige Dialoge sind ausgesprochen zäh, bestimmte Figuren agieren unnötig theatralisch und manche Motive werden so lange wiederholt, bis auch der letzte Zweifel beseitigt ist. Vor allem Genesis, der zentrale Gegenspieler, dürfte nicht jedem gefallen: Seine ständigen Verweise auf ein literarisches Werk wirken mitunter eher bemüht als tiefgründig.
Trotz dieser Schwächen entwickelt die Geschichte eine bemerkenswerte Sogwirkung. Die zehn Kapitel sind meist überschaubar und treiben die Handlung zügig voran. Besonders stark ist das Spiel immer dann, wenn es Zack, Cloud, Aerith, Angeal oder Sephiroth in den Mittelpunkt stellt. Die emotionale Wirkung des letzten Abschnitts gehört weiterhin zu den größten Stärken des Spiels. Ja, CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION ist kein zurückhaltendes Rollenspiel, sondern ein melodramatisches Abenteuer aus Japan mit großen Gesten, wer sich darauf einlässt, wird mit einer der einprägsamsten Geschichten im Final Fantasy VII-Universum belohnt.
![]()
Action statt Rundenkampf
Gekämpft wird in Echtzeit. Zack schlägt mit seinem Schwert zu, weicht aus, blockt Angriffe und setzt Materia für Magie oder Spezialtechniken ein. Im Vergleich zur PSP-Version fühlt sich die Steuerung deutlich moderner an: Angriffe, Ausweichrollen und Blocken liegen komfortabel auf den Controller-Tasten, während sich über eine Schultertaste schnell auf die ausgerüstete Materia zugreifen lässt. Genau diese Überarbeitung ist hervorzuheben und zu loben, weil dadurch die umständliche Menübedienung des Originals wesentlich flüssiger wird.
Das Kampfsystem ist nicht besonders tief, aber es spielt sich unmittelbar und angenehm. Gegner besitzen Schwächen, manche Angriffe müssen unterbrochen werden und bei stärkeren Feinden lohnt es sich, die richtige Kombination aus Magie, Kommandos und Zubehör auszurüsten. Wer lediglich den Angriffsknopf verwendet, kommt durch viele Standardkämpfe, verschenkt aber einen Teil der taktischen Möglichkeiten. Besonders gegen Bosse wird es wichtig, alles auf Elemente und die jeweiligen Angriffsmuster abzustimmen.
![]()
Kleine Missionen, große Menge
Der umfangreichste Zusatzinhalt steckt in den zahlreichen Nebenmissionen. Über Speicherpunkte lassen sich insgesamt rund 300 kurze Aufgaben starten, die Zack meist in ein begrenztes Gebiet schicken, wo Gegner besiegt, Schatzkisten gefunden oder Bossgegner erledigt werden müssen. Die Missionen sind ideal für kurze Spielabschnitte und passen damit hervorragend zum Handheld-Konzept der Switch. Sowohl Hauptziele als auch Nebenaufgaben funktionieren in diesen überschaubaren Portionen, ohne zu Stückwerk zu zerfallen.
Allerdings ist die Masse nicht automatisch Qualität. Viele Missionen verwenden dieselben kleinen Areale, Gegnergruppen und Aufgabenstellungen. Anfangs macht das Sammeln neuer Materia und Ausrüstung noch Spaß, später wiederholen sich Abläufe jedoch deutlich. Wer nur die Geschichte erleben möchte, kann einen Großteil davon ignorieren. Für die optionale Herausforderung, seltene Ausrüstung und besonders starke Gegner sind die Missionen dennoch wichtig. Sie funktionieren am besten als freiwilliger Spielplatz.
![]()
CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION: Die Technik
Auf der ursprünglichen Switch lief CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION bereits ordentlich, allerdings mit 30 Bildern pro Sekunde und sichtbaren Abstrichen bei Auflösung und Bildqualität. Die Switch 2-Version bietet nun zwei Grafikmodi. Der Performance-Modus zielt auf 60 Bilder pro Sekunde und macht Bewegungen, Kameraschwenks und Ausweichrollen spürbar flüssiger. Der Grafikmodus setzt dagegen auf höhere Bildqualität und detailliertere Darstellung, läuft dafür mit 30 Bildern pro Sekunde. Für ein Action-Rollenspiel ist der Performance-Modus natürlich zu bevorzugen. Die höhere Bildrate lässt Zack direkter reagieren und verleiht den Kämpfen deutlich mehr Dynamik. Der Grafikmodus ist keineswegs unspielbar: Wer schärfere Texturen, bessere Reflexionen und eine hochwertigere Darstellung bevorzugt, kann damit glücklich werden. Dennoch wirkt das Spiel mit 60 Bildern pro Sekunde insgesamt zeitgemäßer. Bemerkenswert ist außerdem, dass beide Modi auch im Handheld-Betrieb einen guten Eindruck hinterlassen. Ganz kann die Neuauflage ihre Vergangenheit aber nicht verstecken. Einige Animationen wirken steif, Haarstrukturen sehen je nach Szene etwas künstlich aus und manche Umgebungen bleiben auffallend schlicht.
Dazu kommt eine Inszenierung, die ihre PSP-Wurzeln nicht vollständig abschütteln kann und nicht auf dem Niveau der großen Final Fantasy VII-Neuauflagen operieren kann. Musikalisch bleibt CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION eine der stärkeren Episoden der erweiterten Welt rund um Final Fantasy 7. Die neu arrangierten Stücke verleihen bekannten Motiven mehr Raum, ohne den Charakter des Originals völlig zu verlieren. Gerade in den emotionalen Szenen trägt die Musik viel zur Wirkung bei. Der Soundtrack kann allerdings auch die bereits vorhandene Neigung des Spiels zum Pathos verstärken: Wenn Figuren große Reden halten und im Hintergrund dramatische Streicher einsetzen, bleibt wenig Raum für Zurückhaltung. Erstmals sind die Dialoge vollständig auf Englisch und Japanisch vertont. Das macht die Zwischensequenzen deutlich lebendiger als im PSP-Original. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht, deutschsprachige Untertitel helfen aber dabei, den umfangreichen Dialogen zu folgen. Die englische Synchronisation passt insgesamt gut zu Zack und den übrigen Figuren, während Fans der japanischen Fassung eine alternative Interpretation der Charaktere erhalten. Und bei der Steuerung gibt es ebenfalls gute Nachrichten, sie läuft flüssig.
![]()
Ein Remaster mit Herz
CRISIS CORE –FINAL FANTASY VII– REUNION ist ein Game, das Begeisterten der Serie viel Beiwerk und Story näherbringt. Wer Final Fantasy VII Remake und Rebirth auf Switch 2 spielt oder die Welt rund um Zack Fair kennenlernen möchte, erhält ein umfangreiches Action-Rollenspiel mit einer emotional starken Hauptgeschichte. Die vielen Missionen können die Spielzeit deutlich verlängern, auch wenn sie längst nicht alle denselben Qualitätsstandard erreichen. Dabei ist das Game kein perfektes Rollenspiel. Die Handlung ist stellenweise übertrieben, die Nebenmissionen wiederholen sich schnell und die PSP-Herkunft bleibt in Aufbau und Inszenierung sichtbar.
Trotzdem gelingt es dem Remaster, Zacks Geschichte wesentlich zugänglicher und komfortabler zu präsentieren. Das modernisierte Kampfsystem, die Materia-Fusion, die sympathische Hauptfigur und das emotionale Finale tragen das Abenteuer zuverlässig. Wenn ihr das allerdings in Kauf nehmt oder gar wollt (JRPGs sind manchmal einfach so geartet), so ist dieses Spiel zu empfehlen. Die Switch-2-Version ist dank Performance-Modus, besserer Grafik und flüssigerer Darstellung die überzeugendste Nintendo-Fassung. Wer das Spiel noch nicht kennt, darf zugreifen, besonders dann, wenn die Verbindung zur größeren Final Fantasy 7-Saga von Interesse ist.