Romeo is a Dead Man Test: Gelungene Kreativ-Explosion?

von Matthias Tüchler 27.03.2026

„Kreativität findet auf der anderen Seite des Tellerrandes statt“, ist ein unter Kunstschaffenden aller Art oft bemühtes Kredo. „Welcher Tellerrand?“, wäre wohl die Antwort von Suda51 darauf. Denn von seinen Werken aus, ist der Tellerrand oft hinter dem Horizont verschwunden. Seit 1999 veröffentlicht der in der japanischen Präfektur Nagano geborene Game Developer mit seinem eigenen Unternehmen Grasshopper Manufacture schräge Gaming-Erlebnisse, die bei Fans wie Kritikern stets für polarisierende Meinungen sorgen. Während Suda51 Spiele sich meist in und um das Genre der Action-Hack’n’Slay Games bewegen, sind sie thematisch und vor allem in Sachen Artstyle und Tonalität so facettenreich, wie der Blick durch ein Kaleidoskop. Nicht nur von Spiel zu Spiel, sondern selbst von Kapitel zu Kapitel oder gar Moment zu Moment weiß man nie, was einen gleich erwartet. Und exakt diese Spezialität ist es, für die Fans Suda51 und seine Werke lieben.

Romeo is a Dead Man ist Grasshoppers ambitioniertestes Projekt bisher und schon nach dem Trailer ist man sprachlos und weiß nicht recht, was einem die eigenen Augen da gerade gezeigt haben. Doch parallel dazu fühlt man vor allem eines: Neugier. Verlangen nach frischem Wind. Tief einatmen, Leute. Hier kommt unser Trip durch Suda51 neuester Eskapade.

Romeo is a Dead Man ist ab sofort für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC erhältlich.

SUPER-AMAZING-HYPER-CREATIVE-YES-TO-EVERYTHING-ARTIST-MAN

Sekunde 1. Hype-Level over 9000. Romeo is a Dead Man kennt keine Zurückhaltung und erschlägt uns vom ersten Moment an mit einer Fülle an Abwechslungsreichtum, Kreativität und WTF-Augenblicken, dass uns der Kopf wegfliegt und wir nicht anders können als uns am Controller festzuhalten und uns mit einem leicht wahnsinnigen Grinsen der wilden Fahrt hinzugeben.

Romeo is a Dead Man(c) Grasshopper Manufacture

Suda51 eröffnet (nach kurzer Text-Exposition) mit einem Intro im Miniatur Wunderland Modellbau Style und der tollen Erzählstimme von Antony del Rio (auch Kratos in God of War: Sons of Sparta). Kurz darauf bekommen wir eine In-Engine Cutscene, die uns nicht nur das Setting, sondern nun auch unseren Helden Romeo vorstellt. Blood. Gore. Zombies? Roboter-Kopf-Protese? Cyberpunk Katana? Es geht direkt voll los und wir fragen nicht lange und hacken drauf los. Das Gameplay ist schnell. Direkt eingängig. Später wird es noch um ein paar Mechaniken ergänzt, sodass die Kämpfe gerade genug Tiefgang erhalten, um uns auf Trab zu halten.

Die große Stärke von RiaDM ist allerdings die große Breite und der Mut, diverseste Artstyles und Genres zu kombinieren. Das Haupt-Gameplay findet in 3rd Person realistischer Grafik statt. Dabei kann sich die Qualität der Modelle und grafischen Finesse nicht unbedingt mit aktuellen Benchmarks messen, ist für ihren Zweck und dank der durchstylten Character und Environment Designs aber solide und völlig in Ordnung. Nach jedem Schritt in der Main Quest werden uns Cutscenes im Stil eines Comicbuchs serviert. Der Stil variiert und kombiniert dabei Elemente aus westlichen Superhelden Comics und Manga Artstyles. Sobald man aber die Last Night – das FBI Raumschiff, das uns als Hub zwischen den Leveln dient – betritt, finden wir uns in moderner 16-bit Pixelgrafik a la Hyper Light Drifter oder The Messanger wieder, die vor retro-charme sprüht.

Romeo is a Dead Man(c) Grasshopper Manufacture

Romeo is a Dead Man sprüht vor Kreativität und singt eine Hymne auf die Vielfalt und den freien Ausdruck von Videospielen.

Genre: Ultra-Violent Science Fiction

Zumindest ist das die Angabe, die Suda51 selbst als Genre für Romeo is a Dead Man definiert. Unrecht hat er damit auch keinesfalls, wir wollen uns das konkrete Gameplay aber trotzdem etwas genauer ansehen. Grasshoppers neues Spiel hebt sich nicht nur in Artstyles, sondern auch im Gameplay durch (wenngleich nicht ganz so extremen) Mut zur Vielfalt ab.

Das hauptsächliche Gameplay des Spiels ist klassisches Hack’n’Slash(n’Shoot), spielt sich solide und macht Spaß. Zusammen mit einer Damage-abhängigen Reload- und einer sich wiederaufladenden Ult-Attacken-Mechanik ergibt sich bald ein ähnlicher Spielkreislauf, wie man ihn (in weitaus schnellerer und fordernderer Version) aus z.B. Doom Eternal kennt. Für ein Spiel mit Art-Fokus wäre das wohl schon ausreichend, aber Suda51 ist nicht dafür bekannt, sich mit weniger zufriedenzugeben. So spielen sich die Teile im Raumschiff-Hub wie ein Pixel-RPG. Ein gesamtes Areal nimmt uns unsere Waffen und spielt sich mehr wie ein Silent Hill-Style Survival Horror. Und sogar das Upgrade-System ist ein an Pacman angelehntes Arcade Minigame.

Romeo is a Dead Man(c) Grasshopper Manufacture

Romeo & Julia im Wunderland

Was haben Shakespear, X-Files, Star Trek und Cyberpunk gemeinsam? Ihre bekannteste Story ist Romeo & Julia. Hier bitte verwirrtes GIF einfügen. Romeo is a Dead Man macht diese äußerst zweifelhafte Aussage allerdings wahr. Im Kern erzählt das Spiel eine klassische Liebesgeschichte: Gutherziger, mutiger Protagonist (und männlicher) Protagonist wird von seiner einen wahren Liebe getrennt und stellt sich allen Hindernissen, um besagte damsel-in-distress zu retten. Allerdings ist unser Romeo diesmal eine Mischung aus Leiche und Roboter, schwingt kein Ritterschwert sondern Cyberpunk Waffen und Feuerwaffen, gehört keinem Ritterorden sondern dem Space-FBI an, reist nicht auf einem edlen Ross sondern einem Raumschiff und Motorrad und erkundet in seinen Abenteuern nicht ferne Länder sondern andere Zeitdimensionen.

Romeo is a Dead Man(c) Grasshopper Manufacture

Neben diesen leichten Abweichungen vom klassischen Heldenepos, zeigt sich auch der weitere Verlauf der Story deutlich anders, als wir Romeo und Julia in Erinnerung haben. Das klingt euch alles zu wild? Glücklicherweise war das den Entwicklern bei Grasshopper Manufacture durchaus bewusst. Videospiele sind ein Ort, an dem Spieler*innen genauso wie Entwickler*innen sich nicht ernst nehmen müssen. Verrückte, witzige und etwas dämliche Ideen und Erlebnisse sind nicht nur erlaubt, sondern oft sogar erwünscht. Wie schon mit der Vielfalt an Artstyles und Gameplay-Ansätzen feiert Suda51 auch in Sachen Story genau diese Freiheit zur Leichtigkeit und lässt uns eine stark klischeelastige, ziemlich vorhersehbare Story mit kitschigen und „coolen“ Sprüchen. Allerdings ist sich Romeo is a Dead Man dessen absolut bewusst und bringt uns mit diesem reflektierten, selbstironischen Stil regelmäßig zum Lachen.

Des einen 7 ist des anderen 10

Suda51 Spiele sind immer polarisierend unter Spieler*innen. Manchen zu brutal. Anderen zu abgehoben. Manchen zu „videogamey“. Romeo is a Dead Man ist dabei sicherlich keine Ausnahme. Eine Ode an kreative Freiheit und Kunstfertigkeit, hängt euer Eindruck von diesem wilden Hack’n’Slash-Ritt sicherlich stark von euren Vorlieben bei Videospielen ab.

Betrachtet man ganz nüchtern das Gameplay, die Grafik, die Story und Charakteretiefgang oder World Building, dann ist RiaDM ein solides Spiel, das aber auch in keiner dieser Kategorien durch besondere Qualität heraussticht. Ist man aber bereit sich selbst als Spieler*in genauso wenig ernst zu nehmen, wie Romeo is a Dead Man sich als Spiel nimmt, dann wird aus einem typischen 7/10 Spiel schnell ein 10/10 Erlebnis. Und dabei haben wir in unserem Test nur ein paar der zahlreichen großartigen Artstyles vorgestellt. Wir haben regelmäßig ein breites Grinsen im Gesicht und riesen Fragezeichen über dem Kopf. Macht aber nichts! Romeo is a Dead Man ist ein rund 15 Stunden andauerndes Überraschungsei an Freude und immer, wenn man in einen Trott verfällt, wirft das Spiel uns in neue kalte Gewässer.

Romeo is a Dead Man(c) Grasshopper Manufacture

Insgesamt, aus objektiver Sicht, geben wir dem neuesten Werk von Suda51 also vielleicht eine 7. Einen Bonuspunkt gibt’s für den Mut zur Kreativität. In unserem Kinderherz mit Artstyle-Liebe jedoch fühlen wir eine bunt leuchtende 10.

Wenn ihr neugierig geworden seid, ist Romeo is a Dead Man für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC erhältlich.

 

P.S.: Romeo is a Dead Man hat außerdem die vielleicht coolste Post-Credit-Szene, die wir je gesehen haben! 😉

Wertung: 8 Pixel

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