Tomb Raider im Test #ThrowBackThursday

von Marianne Kräuter 28.07.2016

Sage und schreibe 20 Jahre ist es her, dass wir die furchtlose Archäologin Lara Croft zum ersten Mal auf ein Abenteuer begleiten durften. Reist mit mir in ihrem Debüt Tomb Raider von Peru nach Atlantis.

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Als Archäologie cool wurde

Lara Croft ist nicht mehr aus der westlichen Popkultur wegzudenken

Lara Croft hat es geschafft, einer ganzen Generation weiszumachen, Archäologie wäre mehr, als in modrigen Folianten zu blättern und in Gruben unter sengender Hitze Dreck von Tonscherben zu pinseln. Nach bisher zehn Videospielen (in der Hauptreihe), Verfilmungen, einem Auftritt in einem Musikvideo der Ärzte und offiziellen Real-Life-Models, ist die toughe Abenteurerin nicht mehr aus der westlichen Popkultur wegzudenken.

Die Erfolgsgeschichte begann im Jahre 1993: Das britische Entwicklerstudio Core Design wollte ein Action-Adventure herausbringen, in dem Rätsel und Plattforming eine größere Rolle spielen als Kämpfe. Die zentrale Figur von Tomb Raider durchlief mehrere Entwicklungsstadien. Dachte man zunächst noch an einen männlichen Hauptcharakter, meinte das Entwicklerteam, die Puzzle- und Stealth-Elemente würden einer weiblichen Heldin besser zu Gesicht stehen. Schließlich wurde aus Laura Cruz noch Lara Croft, als man sich Details zur Hintergrundgeschichte Laras überlegte. Der Name sollte zu einer reichen Frau aus einer alten, traditionsbeladenen, britischen Familie passen.

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Ein voller Erfolg

Tomb Raider katapultierte das verschuldete Eidos Interactive in nur einem Jahr in ein Plus von über 14 Millionen Dollar.

Als das Spiel dann Ende 1996 erschien, wurde es nicht nur bei Kritikern sondern auch bei GamerInnen zum vollen Erfolg. 7,5 Millionen verkaufte Exemplare katapultierten das verschuldete Eidos Interactive in nur einem Jahr in ein Plus von über 14 Millionen Dollar. Vor allem für die revolutionäre Grafik, das einfallsreiche Gameplay, den atmosphärischen Soundtrack und die cineastische Stimmung wurde Tomb Raider gelobt. Entgegen der allgemeinen Meinung erschien Tomb Raider übrigens nicht nur auf der PlayStation, sondern bereits einen Monat davor auf dem Sega Saturn.

Die Geschichte von Tomb Raider verdient sicherlich keinen Pulitzer Preis, reicht aber, um einen bei der Stange zu halten: Lara Croft wird von Jaqueline Natla angeheuert, um das “Scion” zu finden, welches ewiges Leben verspricht. Schnell erkennt die Abenteurerin, dass Natla ein falsches Spiel spielt und versucht die Bruchstücke des Scions vor ihr zu finden. In Atlantis kommt es schließlich zum großen Showdown. Wir reisen mit Lara also nach Peru, Griechenland und Ägypten und erforschen dort Ruinen längst vergangener Kulturen. Dabei klettern, springen und tauchen wir, lösen Schalterrätsel, kämpfen gegen Wölfe, Dinosaurier und Mumien. Nebenbei lassen wir ein paar Artefakte mitgehen. Die Inspiration von anderen Abenteuergeschichten, wie die um Allan Quatermain, und Indiana Jones ist in Handlung, Setting und Atmosphäre klar spürbar.

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Einst hui, jetzt pfui?

Noch immer kann man erkennen, warum dieses Spiel so gefeiert wurde.

Bei einem Spiel, das man zwei Jahrzehnte nach seinem Erscheinen begutachtet, stellt sich natürlich die Frage, wie gut es gealtert ist. Viele der damals revolutionären Elemente sind längst überholt. Die 1996 hochgelobte Grafik kommt einem grob und detailarm vor. Lara steuert sich hölzern und längst nicht so präzise, wie man sich das bei diffizilen Sprungpassagen wünschen würde. Das Speichersystem auf der PlayStation, wo man nur an bestimmten Stellen mittels blauer Kristalle sichern konnte, trieb viele zur Weißglut. Doch noch immer kann man erkennen, warum dieses Spiel so gefeiert wurde: Der Soundtrack ist großartig – sofern er zu hören ist. Denn oft wird man auch mit den eigenen Fußtritten und deren Echo alleine gelassen, was stark zur Immersion beiträgt. Auch die Synchronisation, die von professionellen Sprechern vorgenommen wurde, klingt besser als manche moderne Spielvertonungen. Das Level Design wirkt noch immer hervorragend und die interessante Mischung aus Historischem und Übernatürlichem wird auch in aktuellen Spielen gerne noch verwendet (Neulich erlebt in Uncharted 4).

Zwischen Feminismus und Sexismus

Hauptsächlich wegen ihres Charakters und optischen Auftreten zählt sie zu den ikonischsten und beliebtesten Videospielfiguren.

Was wäre ein Artikel zu Tomb Raider, ohne das kontroverse Charakterdesign anzusprechen. Nach Ms. Pac-Man und Samus ist Lara Croft eine der ersten weiblichen Charaktere der Videospielgeschichte. Nicht nur aufgrund ihrer Vorreiterrolle als Frau in Videospielen, sondern hauptsächlich wegen ihres Charakters und optischen Auftretens zählt sie zu den ikonischsten und beliebtesten Videospielfiguren überhaupt.

Lara Croft stammt aus einer traditionsreichen, britischen Familie. Doch anstatt die feine Lady zu mimen, stürzt sie sich völlig alleine in lebensgefährliche Abenteuer rund um den Globus. Die Archäologin ist emanzipiert, selbstbewusst, selbstständig, intelligent und weiß sich gegen ihre Feinde zu wehren. Dem gegenüber steht Laras übersexualisiertes Äußeres. Hotpants und das knappe Tank Top sind für ihre waghalsigen Expeditionen eigentlich überhaupt nicht geeignet. Dazu kommt ein unrealistisch großer Vorbau, der ursprünglich von einem Programmierfehler stammt. Die Brustgröße wurde falsch skaliert, worauf hin sich das Entwicklerteam kurzerhand entschloss, diesen Irrtum ins Charakterdesign aufzunehmen.

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Fazit

Da ich im Jahre 1996 noch Windeln trug und Abenteuer mit meinem Kuscheltier Hasi statt mit Lara Croft erlebte, fehlt mir die Nostalgiebrille, um diesen Titel zu verklären. Ja, Tomb Raider ist ein Videospiel-Meilenstein und noch immer kann man an Soundtrack und Leveldesign erkennen, dass dieses Action-Adventure etwas Besonderes war. Allerdings ist der Titel in vielen anderen Punkten nicht gut gealtert. Wer zu Laras Anfängen zurückkehren möchte, dem empfehle ich, ihr erstes Abenteuer mit dem 2007 erschienenen Tomb Rader Anniversary zu erleben. Dieses besticht durch bessere Grafik, präzisere Steuerung und eine Quick Save Option.

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2 Comments
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postbrawler

Ich erinnere mich noch, als wir 1996 bei einem Schulkollegen nächtelang Playstation gezockt haben! Tomb Raider und Tekken waren die besten Spiele für die damals revolutionäre Konsole. Ich freu mich schon auf weitere #ThrowBackThursday Episoden!

Thomas Nitschmann

Ich liebe dieses Game und habe es auf dem Saturn rauf und runter gespielt! Und da ich die Dinger auch noch immer besitze, könnte ich doch glatt mal wieder in gezockten Erinnerungen schwelgen und die Sache nochmal von vorne angehen!